Operation Schwarze Krabbe Black Crab Netflix
© Netflix/Johan Bergmark/ Jonas Alarik

Operation Schwarze Krabbe

Operation Schwarze Krabbe
„Operation Schwarze Krabbe“ // Deutschland-Start: 18. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Es herrscht Krieg, im ganzen Land wird erbittert ums Überleben gekämpft, der Ausnahmezustand wurde zum Alltag. Seither hat Caroline (Noomi Rapace) ihre Tochter Vanja nicht mehr gesehen, die ihr zu Beginn geraubt wurde. Doch jetzt bietet sich endlich eine Möglichkeit, sie nach all der Zeit wiederzusehen und gleichzeitig etwas für den Frieden zu tun. Genauer soll sie eine Kapsel zu einem weit entfernten Ort bringen, an dem sich auch ihre Tochter aufhalten soll. Dieses Paket würde endlich ein Ende des schrecklichen Krieges mit sich bringen, wird ihr erklärt. Die Sache hat nur einen Haken: Dafür müssten sie kilometerweit auf Schlittschuhen übers Eis, wo sie quasi ungeschützt sind. Obwohl ihr bewusst ist, dass dies ein Himmelfahrtskommando ist, macht sie sich gemeinsam mit Malik (Dar Salim), Karimi (Ardalan Esmaili), Forsberg (Aliette Opheim) und Granvik (Erick Enge) auf den Weg, Lt. Nyland (Jakob Oftebro) stößt kurze Zeit später hinzu. Dabei müssen sie nicht nur gegen die harschen Bedingungen auf dem Eis kämpfen, sondern auch gegen das gegenseitige Misstrauen …

Überlebenskampf auf dem Eis

Ist es nun ein besonders guter oder ein besonders schlechter Zeitpunkt für die Veröffentlichung eines Films, der vom Schrecken des Krieges handelt, während gleichzeitig in der Ukraine reale Menschen sterben? Natürlich, geplant war der Netflix-Thriller Operation Schwarze Krabbe schon deutlich länger. Außerdem sind die jeweiligen Situationen kaum miteinander zu vergleichen. Dennoch gibt es an der einen oder anderen Stelle unheimliche Parallelen, gerade auch im späteren Verlauf, wenn die Ereignisse sich ein wenig überschlagen. Immer mal wieder lässt einen die schwedische Produktion an diesen Stellen richtig frösteln. Und das nicht nur, weil ein Großteil der Geschichte in einer eisigen Umgebung spielt und es kaum mal eine Möglichkeit gibt, sich der klirrenden Kälte und der akuten Lebensgefahr zu entziehen.

Eine derart frostige Umgebung bietet sich für Thriller natürlich immer an, da dort schon die bloße Existenz zu einem Überlebenskampf wird. Nicht wenige Survivalabenteuer greifen deshalb auf derartige Settings zurück, Arctic oder 6 Below – Verschollen im Schnee beispielsweise. Es braucht da noch nicht einmal irgendwelche Gegenspieler, um gefährliche Situationen zu erzeugen. The Ice Road setzte dem noch einen drauf, indem es erstens ein Wettlauf gegen die Zeit wurde und zweitens mit riesigen Trucks über das Eis gebrettert werden musste, das jeden Moment einbrechen konnte. Im Vergleich dazu ist Operation Schwarze Krabbe bescheidener. Ein wirklicher Zeitdruck existiert nicht, vom Kriegsgeschehen einmal abgesehen. Außerdem sind die sechs auf Schlittschuhen unterwegs, was das Risiko eines Einbruchs ins Eis deutlich reduziert.

Eine unwirkliche Atmosphäre

Schlittschuhlaufen im Krieg? Das klingt zunächst reichlich komisch. Nicht nach etwas, das unbedingt viel Spannung erzeugt. Es gelingt aber Regisseur und Co-Autor Adam Berg bei der Adaption des Romans Eis von Jerker Virdborg dann doch, eine solche zu erzeugen. Hier ist es die Kombination aus unwirtlicher Gegend und Kriegsgeschehen, die für Nervenkitzel sorgt. Wer mitten übers weitflächige Eis kommt, wird von allen gesehen. Ein riesiger Präsentierteller ohne Versteck und Deckung. Wer einmal entdeckt wird, der hat nicht viele Optionen. Auch deshalb bewegt sich die wenig zu beneidende Gruppe immer im Dunkeln. Das mag weniger praktisch sein, überhöht aber die Sicherheit. Und es sieht toll aus: Kameramann Jonas Alarik ist es zu verdanken, dass Operation Schwarze Krabbe immer mal wieder eine schön unwirkliche Atmosphäre hat.

Inhaltlich ist der Film ein wenig gemischter. Was einige irritieren dürfte, ist das völlige Fehlen eines Kontextes. Nicht nur, dass er dem Publikum vorenthält, wo die Geschichte genau spielt. Es wird auch nie verraten, wer eigentlich gegen wen kämpft – und aus welchem Grund. Selbst bei den Figuren gibt sich Operation Schwarze Krabbe etwas schmallippig. Kleinere Bruchstücke der jeweiligen Leben sind vorhanden, aber es bleibt doch recht spartanisch. Das ist oft ein Zeichen für ein schwaches Drehbuch, das den Krawall dem Gedanken vorzieht. Man würde dem Film jedoch Unrecht tun, ihn darauf zu reduzieren. Zum einen gelingt es ihm, die Geschichte – trotz des ungewöhnlichen Settings – sehr universell zu machen. Auch wenn Berg die Geschichte eines Krieges erzählt, ist es doch vielmehr eine Geschichte über den Krieg als solchen.

Das Gesicht in der Anonymität

Fragen der Moral werden gerade zum Ende hin gestellt, wenn es darum geht, den Preis des Friedens festzulegen. Wozu bin ich selbst bereit? Wer gut und wer böse ist, das ist hier von Anfang an unklar. So gibt es anfangs eine schön paranoide Stimmung, wenn niemand den anderen kennt und man immer einen Verräter in den eigenen Reihen vermutet. Vor allem bei dem von Jakob Oftebro (Hamilton: Undercover in Stockholm) gespielten Anführer darf man misstrauisch sein, was er wirklich vorhat. Und selbst wenn irgendwann die Zugehörigkeiten geklärt sind, bleibt offen: Wer sind die Schurken, wir oder die anderen? Dazu gibt es auch einige emotionalere Momente, die besonders aufs Konto von Noomi Rapace (What Happened to Monday?) als verzweifelter Mutter gehen. Damit erhält der anonyme Krieg doch noch ein Gesicht – und ein Ende, über das im Anschluss viel diskutiert werden darf.

Credits

OT: „Svart krabba“
IT: „Black Crab“
Land: Schweden
Jahr: 2022
Regie: Adam Berg
Drehbuch: Adam Berg, Pelle Rådström
Vorlage: Jerker Virdborg
Musik: Dead People
Kamera: Jonas Alarik
Besetzung: Noomi Rapace, Jakob Oftebro, Erik Enge, Dar Salim, Ardalan Esmaili, Aliette Opheim, David Dencik

Bilder

Trailer

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Operation Schwarze Krabbe
Fazit
„Operation Schwarze Krabbe“ begleitet sechs Männer und Frauen, die im Krieg mit Schlittschuhen über eine riesige Eislandschaft müssen, um eine geheimnisvolle Kapsel ans Ziel zu bringen. Der Thriller irritiert durch das völlige Fehlen eines Kontextes. Gleichzeitig ist er durchaus spannend, teils faszinierend bebildert und stellt zum Schluss hin einige unangenehme Fragen.
Leserwertung777 Bewertungen
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7
von 10