Kritik

Alien Xmas

„Alien Xmas“ // Deutschland-Start: 20. November 2020 (Netflix)

Früher einmal, da war die Welt der Kleptos bunt und voller Reichtümer. Bis ihre Gier zu groß wurde: Erst beraubten sie ihren Planeten von allem, was ihn ausmachte, schließlich fielen sie übereinander her, nahmen sich gegenseitig alles, was sie kriegen konnten. Auch X ist immer dabei, wenn es darum geht, andere um ihre Besitztümer zu erleichtern, seine mangelnde Größe macht er mit einer Extraportion Gewitztheit wieder wett. Sein neuestes Ziel ist dabei der Weihnachtsmann, der einen ganzen Haufen bunter Sachen bunkert, dem die Kleptos einfach nicht widerstehen können. Doch dann wird X von einem der Elfen erwischt, der in ihm ein Spielzeug sieht und an seine Tochter weiterschenkt …

Viel Stoff fürs Fest
Zu Weihnachten beschenkt Netflix festlich gestimmtes Publikum immer mit reichlich Material. Da gibt es massenweise Liebeskomödien, die eine oder andere Serie (Dash & Lily) und auch Animationstitel, um ja niemanden am Ende auszulassen. Letztere beschränken sich meistens auf Themenspecials von Kinderserien. Dann und wann dürfen wir uns aber auf ein eigenständiges Original freuen, wie letztes Jahr Klaus, einen der schönsten Animationsfilme der letzten Zeit. Eine inhaltlich wie visuell originelle Annäherung an die Weihnachtsthematik.

Ganz reicht Alien Xmas an den Vorjahreshit nicht heran, ist aber auch so ein würdiger Neuzugang in dem mittlerweile überbevölkerten Segment. So ist das Szenario an sich natürlich schön skurril. Aliens, die das Weihnachtsdorf überfallen? Das sieht man dann doch nicht alle Tage. Wobei hinter dieser komischen Verpackung ein letztendlich doch ziemlich klassischer Weihnachtsfilm steckt. Wie immer geht es darum, den Geist der Weihnacht für sich zu entdecken, einander Freude zu bereiten und das eigene verbitterte Herz von der Wärme der anderen heilen zu lassen – die Klassiker Der Grinch oder Die Muppets-Weihnachtsgeschichte lassen grüßen.

Charmantes Plädoyer für mehr Selbstlosigkeit
Ein bisschen Kitsch ist also schon in Alien Xmas, was sich angesichts des charmanten Drumherums aber verschmerzen lässt. Dazu gehört auch die Stop-Motion-Optik. Der 42 Minuten lange Kurzfilm kann es in Hinblick auf die Technik natürlich nicht mit den Platzhirschen von Laika und Aardman Animations aufnehmen. Dafür ist das Ganze dann doch etwas zu schlicht gehalten. Aber die Designs sind gelungen, teils witzig, teils niedlich, die Technik ist sauber, an manchen Stellen zeigt Regisseur Stephen Chiodo, der hier sein mit Jim Strain geschriebenes Buch umsetzt, ein Auge für Details.

Der starke Fokus auf das Thema Geschenke ist dabei natürlich diskussionswürdig: Alien Xmas prangert einerseits Gier an, hält gleichzeitig jedoch am Konsumgedanken fest. Davon abgesehen ist die Aussage aber schon sympathisch: Der Film plädiert für mehr Selbstlosigkeit, für ein stärkeres Miteinander. Damit verwoben werden Themen wie die Bedeutung von Familie und Ökologie, wenn die Kleptos Raubbau am eigenen Planeten betreiben. Wer einen süßen Animationsfilm für Kinder sucht, bei dem man sich selbst daneben setzen kann, der ist hier an einer guten Adresse.

Credits

OT: „Alien Xmas“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Stephen Chiodo
Drehbuch: Kealan O’Rourke, Dan Clark, Noah Kloor, Jim Strain
Vorlage: Stephen Chiodo, Jim Strain
Musik: Adam Schiff
Kamera: Helder Sun, Aaron Wise

Bilder

Trailer

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Alien Xmas
In „Alien Xmas“ wollen kleptomanische, freudlose Außerirdische das Weihnachtsdorf plündern. Das Szenario ist natürlich skurril. Dahinter steckt aber ein klassischer Weihnachtsfilm mit Fokus auf Selbstlosigkeit und Geschenke, charmant als Stop-Motion-Kurzfilm umgesetzt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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