Kritik

Banden von Marseille Bronx Rogue City Netflix

„Banden von Marseille“ // Deutschland-Start: 30. Oktober 2020 (Netflix) // 21. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Es war ein blutiges Massaker, das Marseille erschüttert, ausgeübt von einer der kriminellen Banden, welche in der Stadt das Sagen haben. Richard Vronsk (Lannick Gautry) und seine umstrittene Einheit werden damit beauftragt, das Verbrechen aufzuklären und die Täter dingfest zu machen. Doch das ist gar nicht so einfach. Nicht allein, dass das organisierte Verbrechen nicht tatenlos mitansehen will, wie die Polizei da mitmischt. Auch innerhalb der von Korruption und Konkurrenzkämpfen geprägten Polizei gibt es Widerstand. Dabei drängt Ange Leonetti (Jean Reno), der neue Chef darauf, dass endlich wieder Ordnung hergestellt wird …

Der idyllische Heimatort des organisierten Verbrechens
Marseille, das ist die Stadt mit dem atmosphärischen Hafen, den malerischen Gassen und einigen schönen architektonischen Sehenswürdigkeiten. Doch irgendwie steht die südfranzösische Metropole im Zweifel dann doch wegen der Kriminalität in den Schlagzeilen. Ob es nun Drogen sind, Diebstahl oder eben Bandenkriege, der Ort ist praktisch zu einem Synonym für Verbrechen geworden. Filme wie Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille haben dieses wenig schmeichelhafte Bild noch weiter verstärkt, wonach man besser keinen Fuß in die Stadt setzen sollte. Zumindest nicht, wenn man Wert darauf legt, diesen Fuß dann auch wieder zurückzubekommen.

Regisseur und Drehbuchautor Olivier Marchal, sonst eher als Schauspieler bekannt, geht in Banden von Marseille noch einen Schritt weiter, wenn er in diesen Sündenpfuhl noch die Polizei miteinbezieht. Tatsächlich geht die hier teilweise so skrupellos vor, dass man schon gar nicht mehr weiß, auf welcher Seite des Gesetzes wir uns eigentlich befinden. Wobei die allgegenwärtige Brutalität nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Denn darunter befindet sich ein ebenso solides wie undurchsichtige Fundament, welches auf Korruption basiert. Hier kämpft jeder für sich, drückt an der geeigneten Stelle mal ein Auge zu oder knüppelt alles nieder, was einem im Weg ist. Ob Freund oder Feind, das ist egal, im Zweifel ist sich jeder selbst der nächste.

Jeder gegen jeden
Der Netflix-Thriller ist dann sicherlich auch kein Film, den man sich anschauen sollte, um vielleicht eine positive Weltsicht zu entwickeln. Zur Unterhaltung ist er dafür ganz gut geeignet. Gerade weil Begriffe wie Loyalität und Ehre und Recht sich als sehr dehnbar herausstellen, entwickelt sich daraus ordentlich Spannung. Man wartet bei Banden von Marseille nur darauf, dass mal wieder jemand dem anderen in den Rücken fällt, irgendwelche Intrigen gesponnen werden oder ein großer Verrat ansteht. Das kann dann durchaus auch tödlich enden. Von den vielen Figuren, die zu Beginn eingeführt werden, wird es zum Schluss deutlich weniger geben, wenn durch Schusswaffen oder andere Hausmittel der Bodycount nach oben getrieben wird. Man nimmt nicht einmal darauf Rücksicht, wenn Unschuldige danebenstehen und für immer traumatisiert werden.

Damit einher geht auch eine sehr fragile Moralität. Gut und böse sind Begriffe, für die es auf den Straßen der Stadt keine Verwendung gibt. Beim Kampf gegen das Verbrechen nähern sich alle an, bis man sich unweigerlich fragt: War es das jetzt wert? Wie weit darf ich gehen bei dem Versuch, das Verbrechen zu bekämpfen? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, sich des Drecks zu entledigen, ohne sich dabei selbst schmutzig zu machen? Banden von Marseille erzählt in der Hinsicht natürlich nichts Neues. Und es reicht auch nicht so ganz, um auf einer Stufe mit den großen Klassikern zu stehen, die von solchen harten Banden- und Polizeikriegen berichteten. Marchal ist aber ein durchaus solider Beitrag zum Genre geglückt, mit schönen Bildern und zahlreichen Wendungen, die einen bis zum Schluss dranbleiben lassen.

Credits

OT: „Bronx“
IT: „Rogue City“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Olivier Marchal
Drehbuch: Olivier Marchal
Musik: Erwann Kermorvant
Besetzung: Lannick Gautry, Stanislas Merhar, Kaaris, David Belle, Patrick Catalifo, Jean Reno

Bilder

Trailer

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Banden von Marseille
„Banden von Marseille“ erzählt mal wieder von der hohen Kriminalität in der südfranzösischen Metropole und dem Kampf der teils selbst korrupten Polizei dagegen. Das ist zwar alles nichts Neues, aber doch gut umgesetzt, und hält dank der zahlreichen Wendungen bei Laune, denen so ziemlich jeder zum Opfer fallen kann.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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