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A Week Away Netflix

„A Week Away“ // Deutschland-Start: 26. März 2021 (Netflix)

Für den Teenager Will Hawkins (Kevin Quinn) läuft es gerade gar nicht gut. Nachdem er sich ein paar Fehltritte geleistet hat, steht er vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder er geht in den Jugendstrafvollzug oder zu einem christlichen Feriencamp. Und so wählt er das Camp. Tatsächlich gefällt es ihm dort überraschend gut. So steht ihm George (Jahbril Cook) hilfreich zur Seite. Außerdem ist da noch Avery (Bailee Madison), für die er schnell Gefühle entwickelt. Während er so langsam zu sich findet, auch mithilfe von Musik und seinem Glauben, und an den unterschiedlichsten Wettkämpfen teilnimmt, droht jedoch seine Vergangenheit, ihn wieder einzuholen …

Glauben ist alles

Netflix kennt bekanntlich keine Scheu, wenn es darum geht, neue Zielgruppen zu erschließen. Unter den Eigenproduktionen finden sich daher alle möglichen Genres und Variationen, von risikoscheuen Schablonentiteln bis zu wirklich abgefahrenem Zeug. Auch geografisch grast der Streamingdienst so ziemlich alles ab, was die Film- und Serienindustrie hergibt. Insofern ist es eigentlich schon ein kleines Wunder, dass sich das US-amerikanische Unternehmen bislang nicht wirklich eines Segments angenommen hat, was daheim eine feste Nische besetzt: Geschichten, die sich um den christlichen Glauben drehen und meistens den Anhängern und Anhängerinnen Bestätigung dafür geben, dass ohne Gott gar nichts geht. Dann und wann kommt bei Netflix das Thema Religion zwar schon auf, etwa in Dolly Parton’s Christmas on the Square. Aber es handelte sich dabei bislang immer um einen Nebenaspekt.

Mit A Week Away wird nun diese Lücke geschlossen, von der viele in Europa nicht einmal wissen dürften, dass es eine ist. Tatsächlich dürften nicht wenige, die mit dieser Art von Filmen – zum Beispiel Breakthrough – Zurück ins Leben oder I Can Only Imagine – bislang nichts zu tun hatten, ein wenig irritiert sein. Es ist schon recht offensiv, wie hier um eine Mitgliedschaft bei der christlichen Religion geworben wird. Immer wieder findet sich das Thema in Ansprachen der Campleitung (David Koechner, Sherri Shepherd). Die Jugendlichen diskutieren zwischendurch darüber, wie sehr ihnen der Glauben Kraft gibt. Und selbst in den Liedern wird nicht darauf verzichtet, wenn beispielsweise besungen wird, wie großartig Gott doch ist.

Lasst uns zusammen singen!

Gesungen wird allgemein recht viel. Denn eines muss man dem Team hinter A Week Away lassen: Es versuchte zumindest, das meist recht einseitig dargebotene Thema anders aufzubereiten. Und so wird aus dem Aufenthalt in einem Ferienlager eine Mischung aus Coming-of-Age-Drama, Romanze und Musical. Zum Einsatz kommen dabei Lieder aus dem ebenfalls in den USA erträglichen Bereich der christlichen Popmusik. Darunter befindet sich beispielsweise der Crossoverhit Baby, Baby von Amy Grant, der vor 40 Jahren sogar bei uns in den Top 10 war. Die meisten Lieder dürften hierzulande aber kaum bekannt sein, da sie selbst in den Vereinigten Staaten nur eine feste Nische bedienen.

Ein Nachteil ist das nicht zwangsläufig. Hauptsache die Musik ist gut. Aber auch in der Hinsicht ist A Week Away nicht unbedingt Referenzmaterial. Dabei ist es nicht nur die wenig inspirierte Musikauswahl, welche langweilt. Es fehlen auch tatsächlich mitreißende Performances, sei es beim Singen oder der Choreografie. Tatsächlich live gesungen wird sowieso nicht, geboten wird nur mäßiges Playback. Lediglich die Lippen zu bewegen, ist bei Filmmusicals natürlich nicht unüblich. Selbst große Klassiker wie Grease oder The Rocky Horror Picture Show machten das so. Bei denen wurde aber drumherum so viel gemacht, dass das weniger auffällig war. Gerade wenn hier mit Besinnlichkeit, Wahrhaftigkeit und Intimität geworben wird, ist es nun einmal etwas kontraproduktiv, wenn immer klar ist, dass nichts hiervon echt ist.

Langweilig und wenig inspiriert

Wenn wenigstens die Figuren in irgendeiner Form interessant wären. Leider überzeugt der Film jedoch weder im Hinblick auf die Figurenzeichnung noch auf das Ensemble wirklich. Es mangelt A Week Away trotz diverser Tanznummern kontinuierlich an Persönlichkeit oder Lebendigkeit. Am Ende bleibt deshalb kaum etwas zurück, wofür es sich denn nun lohnen würde hier einzuschalten. Der Genremix ist weder mitreißend, unterhaltsam noch bewegend. Er ist nicht einmal wirklich inspirierend. Lediglich die Darstellung eines wachsenden Gemeinschaftsgefühls funktioniert einigermaßen. Ansonsten ist das Drama belanglos und überflüssig.

Credits

OT: „A Week Away“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Roman White
Drehbuch: Alan Powell, Kali Bailey
Musik: Adam Watts
Kamera: James King
Besetzung:  Kevin Quinn, Bailee Madison, Jahbril Cook, Kat Conner Sterling, Iain Tucker, David Koechner, Sherri Shepherd

Bilder

Trailer

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A Week Away
Wenn in „A Week Away“ ein straffälliger Jugendlicher in einem christlichen Feriencamp sich selbst, seinen Glauben und die Liebe findet, dann ist die Zielgruppe klar umfasst. Zwar versuchte man hier, sich durch Musical-Nummern von der Konkurrenz abzuheben. Doch diese sind recht schwach, weshalb es zusammen mit den langweiligen Figuren keinen echten Grund gibt, mit ins Camp fahren zu wollen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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