Turn Up Charlie Netflix

„Turn Up Charlie – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 15. März 2019 (Netflix)

Es gab eine Zeit, da sah es tatsächlich danach aus, als könnte Charlie Ayo (Idris Elba) ein erfolgreicher DJ sein. Aber diese Zeit war kurz und liegt lange zurück, seither hat er nicht mehr wirklich etwas auf die Reihe bekommen. Das Glück scheint sich jedoch zu wenden, als sein Freund aus Kindertagen David (JJ Feild) mit seiner Familie nach London zieht. David hat es schließlich als Schauspieler zu was gebracht, seine Frau Sara (Piper Perabo) wiederum ist tatsächlich DJ. Eine gefragte noch dazu. Und dann wäre da noch Gabrielle (Frankie Hervey), die Tochter der beiden, die aufgrund der Karrieren der beiden oft etwas im Abseits steht. Da erhält Charlie das Angebot, doch auf das Mädchen aufzupassen, was dieser wenn auch widerwillig tut.

Als Schauspieler hat Idris Elba bekanntermaßen eine ganze Menge erreicht. Das große Prestigeprojekt war jedoch nie dabei, auch bei den Filmpreisen wurde er gerne ignoriert. Vielleicht entschloss er sich ja deshalb in der letzten Zeit, mehr als nur ein bloßer Darsteller zu sein. So gab der Brite letztes Jahr mit Yardie sein Debüt als Filmregisseur und schuf mit In the Long Run eine eigene Serie. Und auch Turn Up Charlie geht auf seine Idee zurück, zusammen mit Gary Reich entwickelte er die Netflix-Produktion. Dass er darin einen DJ spielt, kommt nicht von ungefähr, schließlich legt er selbst gern auf und hat im Laufe der Jahre diverse EPs veröffentlicht.

Immer dabei, aber nicht drin
Seine Liebe zur Musik merkt man Turn Up Charlie auch durchaus an, immer wieder nimmt uns die Serie mit ins Aufnahmestudio oder auch zu Auftritten. Und doch: Irgendwie bleibt das alles etwas zu distanziert, ist nicht mehr als reines Hintergrundrauschen. Da ist nie die Leidenschaft eines Eden – Lost in Music oder das Gefühl, vergleichbar zur Party-Impro So was von da selbst Teil des Geschehens zu sein. Aber vermutlich wären diese Vergleiche auch nicht ganz fair, da die Musik zwar Teil des Szenarios ist, die Geschichte handelt aber meistens von etwas anderem – auch wenn man manchmal nicht genau sagen kann, was dieses „etwas“ sein soll.

Zunächst sieht es so aus, als handele die Serie in erster Linie von dem Verhältnis zwischen Charlie und Gabrielle. Er ein gescheiterter Mann jenseits der 40, der keine wirkliche Perspektive im Leben hat. Sie ein vorlautes Gör, das schon aus Prinzip jedes Kindermädchen vertreibt, das seine Eltern auftreiben, und das sich große Mühe gibt, deutlich erwachsener zu sein, als es letztendlich ist. Dass Charlie die Ausnahme sein wird und dem permanent missachteten Mädchen endlich etwas Glück und Aufmerksamkeit bringt, das steht außer Frage. Das verrät Turn Up Charlie gleich zu Beginn. Und es ist auch nicht sonderlich schwer zu erraten.

Charmante Banalität
Nein, originell ist die Serie an der Stelle nicht. Dafür aber irgendwie nett. Das natürliche Charisma Elbas harmoniert ganz gut mit der altklugen Aufmüpfigkeit von Newcomerin Frankie Hervey. Auch die Ausführungen zu den familiären Problemen passen. Eltern, die aufgrund ihrer Karrieren keine Zeit für sich und das eigene Kind haben? Das schockiert kaum, ist aber doch für ein paar warmherzigere Momente gut. Es sind sogar eher diese etwas nachdenklicheren Szenen, die Turn Up Charlie guttun, denn so richtig witzig ist die Komödie eigentlich nicht. Oder auch abwechslungsreich, sie verlässt sich da doch ganz gern auf ein paar wenige Elemente, die sie stoisch wiederholt.

Wobei diese nette Berieselung irgendwie immer noch besser ist als das, was in der zweiten Hälfte passiert. Auch da spielt das Verhältnis zwischen Charlie und Gabrielle eine größere Rolle. Gleichzeitig werden aber Themen ausgebreitet, die zuvor nur angedeutet wurden. Nicht im selben Trott hängenbleiben zu wollen, ist zwar an und für sich lobenswert. Die Übergänge hier sind aber zu ruppig, die Längen und Eskalationen stehen in keinem Verhältnis zueinander. Das zeigt sich vor allem gegen Ende, wenn Turn Up Charlie gerne dramatisch wäre, jedoch eher unfreiwillig komisch ist. Denn da passt dann irgendwie gar nichts mehr. Fans von Elba kommen natürlich schon noch auf ihre Kosten, mit acht Folgen von wenig mehr als 20 Minuten ist die Serie auch schnell vorbei. Man verpasst aber auch nicht wirklich etwas, wenn man dies nicht tut.

Turn Up Charlie – Staffel 1
4.25 (85%) 24 Artikel bewerten

Turn Up Charlie – Staffel 1
Wenn Schauspielgröße und Teilzeit-DJ Idris Elba eine Serie kreiert, in der er einen erfolglosen DJ spielt, dann ist das nicht die schlechteste Voraussetzung für Kurzweil. Es ist dann auch das Charisma des Briten, sowohl allein wie auch im Zusammenspiel mit anderen, das „Turn Up Charlie“ irgendwie zusammenhängt. So richtig sehenswert ist das hier dennoch nicht, schwankt zwischen gewöhnlich, übertrieben und zerfasert.
5von 10

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