Inhalt / Kritik

Yakuza Goes Hausmann The Way of the Househusband Gokushufudo Netflix

„Yakuza Goes Hausmann – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 8. April 2021 (Netflix)

Früher, da war Tatsu ein gefürchteter Yakuza, verbreitete unter dem Namen Unsterblicher Drache Angst und Schrecken. Doch das war einmal, eines Tages verschwand er spurlos von der Szene. Inzwischen führt ein ganz gewöhnliches, zurückgezogenes Leben als Hausmann, während seine Frau Miku zur Arbeit geht. Mit dieser Rolle hat er sich gut arrangiert, geht mit großen Verantwortungsbewusstsein und Ernst seiner Aufgabe nach. Er kocht, erledigt die Einkäufe, putzt die Wohnung, zeigt darin zudem viel Talent. Aber so ganz entkommt er seiner Vergangenheit nicht, denn immer wieder läuft er Bekannten aus seinem vorherigen Leben über den Weg, die in ihm nach wie vor den schrecklichen Verbrecher sehen …

Über das Leben nach dem Verbrechen

In Filmen begegnet man ihnen immer wieder: Menschen, die nach vielen Jahren der Kriminalität dieser den Rücken kehren und ein normales Leben führen wollen. Die einen drehen dafür noch das eine große Ding, welches ihnen die finanzielle Möglichkeit zum Ausstieg geben sollen. Andere tauchen einfach unter und geben sich eine neue Identität. Doch für welchen Weg sich die Protagonisten und Protagonistinnen auch entscheiden, ihre Geschichten enden entweder mit einem Befreiungsschlag oder einer Niederlage, also einem Ereignis, welches ihren Versuch in der einen oder anderen Form abschließt. Wie es danach weitergeht, das bleibt fast immer der Fantasie des Publikums überlassen, da sich niemand für den Aspekt interessiert, wie ein solches Leben danach überhaupt aussehen könnte.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die 2018 gestartete Mangareihe Gokushufudo von Kousuke Oono. Auf sieben Bände bringt sie es bislang, 2020 erschien eine darauf basierende Live-Action-Variante. Nun folgt mit der Netflix-Serie Yakuza Goes Hausmann auch eine Animeversion. Regie führte bei dieser Chiaki Kon, die sich mit der Horror-Mystery-Serie Higurashi: When They Cry einen Namen machte. Dank ihrer Arbeit an Back Street Girls -GOKUDOLS- ist sie zudem in diesem Themengebiet erfahren. Denn auch bei dieser Animeserie erzählte sie von Gangstern, die ein neues Leben beginnen. Damals geschah das noch mittels einer Geschlechts-OP, nach der die drei Yakuza eine Zweitkarriere als Popsängerinnen starten.

Der Witz des Kontrastes

Das Szenario von Yakuza Goes Hausmann ist im Vergleich zwar relativ gewöhnlich. An Humor mangelt es hier aber ebenso wenig. Dieser besteht in erster Linie darin, dass sich Tatsu, der durch seine zahlreichen Tattoos und sein Auftreten immer sehr bedrohlich wirkt, seine Zeit mit den traditionellen Arbeiten einer Hausfrau verbringt. Wobei er zum Teil auch dabei seine erlernten Fähigkeiten zum Einsatz bringt. Schließlich hat er als Yakuza gelernt, sehr schnell mit einem Messer umzugehen. Auch die Kenntnis, wie man Blutflecken verschwinden lässt, kann im Alltag ganz praktisch sein. Tatsächlich ist er dabei sogar deutlich geschickter als seine Frau, die selbst mit dem Schneiden von Obst überfordert ist.

Diese Umkehrung der traditionellen Geschlechterbilder ist einerseits schon sympathisch, selbst wenn das hier etwas als Witz missbraucht wird. Schade ist dabei jedoch, wie einseitig dieser Witz ist. Fast alle Gags in Yakuza Goes Hausmann basieren auf derselben Idee, die dann in den verschiedensten Variationen wiederholt wird. Wenn es nicht gerade der Kontrast zwischen hartem Auftreten und gewöhnlicher Hausarbeit wird, der zum Lachen bringen soll, dann gibt es irgendein Missverständnis und ein vermeintliches Verbrechen entpuppt sich als etwas ganz Harmloses. Beides kann zwar amüsant sein. Aber wenn beispielsweise immer wieder Tatsu Treuekarten zückt oder Stempel einfordert, dann ist das irgendwann schon verbraucht.

Standbilder ohne viel Abwechslung

Visuell ist Yakuza Goes Hausmann ohnehin sehr schlicht. Das Animationsstudio J.C.Staff (DanMachi – Is It Wrong to Try to Pick Up Girls in a Dungeon?) begnügte sich bei der Umsetzung überwiegend mit Standbildern, bei denen lediglich die Münder der Figuren animiert werden. Grundsätzlich passt eine derart minimalistische Schnappschussoptik zwar schon zu der Serie. Schließlich besteht jede der fünf Folgen aus sechs Untergeschichten. Mehr als Momentaufnahmen sind da nicht drin. Dennoch: Was anfangs noch Charme hat, auch wegen der reizvollen Designs, wird viel zu schnell eintönig. Es mangelt der Serie einfach an der notwendigen Abwechslung, um tatsächlich mehr zu sein als eine kuriose Idee. Es mangelt auch an einer Entwicklung, wenn 30 Mini-Geschichten später nichts wirklich vorangegangen ist.

Credits

OT: „Gokushufudo“
IT: „The Way of the Househusband“
Land: Japan
Jahr: 2021
Regie: Chiaki Kon
Drehbuch: Susumu Yamakawa
Vorlage: Kousuke Oono
Animation: J.C.Staff

Bilder

Trailer

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Yakuza Goes Hausmann – Staffel 1
In „Yakuza Goes Hausmann“ kehrt ein gefürchteter Verbrecher der Kriminalität den Rücken und hält als Hausmann seiner Ehefrau den Rücken frei. Das ist anfangs ganz amüsant, wenn es zu einem starken Kontrast zwischen dem harten Auftreten und den alltäglichen Arbeiten kommt. Auf Dauer ist das aber nicht genug, auch bei der minimalistischen Optik wäre mehr Abwechslung schön gewesen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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