Inhalt / Kritik

Night Teeth Netflix

„Night Teeth“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2021 (Netflix)

Eigentlich wollte sich der Student Benny (Jorge Lendeborg Jr.) nur ein bisschen was dazuverdienen, als er für seinen Bruder Jay (Raúl Castillo) einen Job als Chauffeur übernimmt. Doch das stellt sich bald als deutlich schwieriger heraus als gedacht. So lassen es seine beiden Kundinnen Blaire (Debby Ryan) und Zoe (Lucy Fry) so richtig krachen, verspotten ihren Fahrer regelmäßig und kümmern sich wenig darum, in welchem Zustand sie den Wagen hinterlassen. Das eigentliche Problem ist aber, dass es sich bei den beiden jungen Frauen gar nicht um gewöhnliche Menschen handelt. Vielmehr muss Benny entsetzt feststellen, dass die beiden in Wahrheit blutrünstige Vampire sind. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, ist deren Anführer Victor (Alfie Allen) gerade dabei, einen großen Bandenkrieg unter den Vampiren zu führen …

Wo bleibt der Horror?

Alle Jahre wieder erweitert Netflix im September und Oktober kräftig sein Horror-Sortiment, rechtzeitig um von der kommenden Halloween-Stimmung und den damit verbundenen filmischen Bedürfnissen zu profitieren. Prinzipiell ist das 2021 nicht anders, auch wenn die Ausbeute bislang eher mager ist. So ist Das Gift zwar sehr atmosphärisch, trotz einer entsprechenden Vermarktung aber kaum für ein Genrepublikum gedacht. Midnight Mass ist da schon näher dran, wenn die Bevölkerung einer kleinen Insel von einem blutrünstigen Wesen heimgesucht wird, ist aber doch über weite Strecken mehr Drama als Horror. Auch bei Niemand kommt hier lebend raus versuchte man sich daran, ein bisschen mehr zu bieten, indem – nicht ganz geglückt – ein unheimliches Haus mit einer Immigrationsthematik verbunden wurde.

Da ist Night Teeth doch deutlich geradliniger. Am Anfang wird noch ein bisschen mit der Ungewissheit gespielt, was es mit den beiden Damen nun auf sich hat. Ist aber erst einmal die Katze aus dem Sack – oder in dem Fall der Vampir –, geht es die restliche Zeit nur darum, wie das ungleiche Trio durch Los Angeles fährt und jeder Zwischenstopp in der einen oder anderen Form blutig endet. Sonderlich abwechslungsreich ist das nicht, zumindest im Bezug auf die Handlung. Dafür sind die Locations schön anzusehen, wenn von einer Luxusbleibe zur anderen gewandert wird, mit zahlreichen Leichen unterwegs. Die geheime Welt der Vampire wird dabei offensichtlich mit der der Elite gleichgesetzt. Darin kann man einen gesellschaftlichen Kommentar sehen, wenn man möchte. Schließlich sind Blutsauger hier überproportional oft mit viel Geld ausgestattet. Man kann es aber auch bleiben lassen.

Inhaltlich dünn

Überhaupt sollte man über das Gezeigte nicht allzu viel nachdenken, hat Drehbuchautor Brent Dillon schließlich auch nicht getan. Tatsächlich ergibt hier vieles nicht Sinn, gerade im Hinblick auf das Verhalten der Figuren. Selbst innerhalb eines Genres, das im Fantastischen unterwegs ist, sollte da ein bisschen mehr Gedankenarbeit drin sein. Schade ist auch, dass die Idee der verschiedenen Fraktionen, die hier umherwuseln, kaum ausgearbeitet wird. Neben den fünf großen Vampirclans begegnen wir in Night Teeth speziellen Vampirjägern. Aber auch Jay führt einen Privatkrieg und verzichtet darauf, mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Warum auch immer.

Von den Figuren sollte man erst recht nichts erwarten. Hauptdarsteller Jorge Lendeborg Jr. (Bumblebee) tritt dabei zwar schon sympathisch auf als unbedarfter Student, der zwischen die Fronten gerät. Bei ihm wurde zudem immerhin noch irgendwie versucht, so etwas wie einen Charakter zu entwerfen, selbst wenn sein Verhalten nicht immer nachvollziehbar ist. Beim Rest verzichtete man darauf. Blaire ist nicht mehr als ein Love Interest, Zoe und Victor verkommen zu Karikaturen des bösen, arroganten Vampirs. Victor wird auf seinen Kampf reduziert. Klar, das Horrorgenre ist selten für ausgefeilte Figurenzeichnung bekannt. Ganz so langweilig wie bei Night Teeth muss es dann aber doch nicht sein.

Viel Stil bei der nächtlichen Fahrt

Dafür ist der Film ganz schick geworden. Regisseur Adam Randall (I See You) genießt die falsche Glitzerwelt von L.A., wenn er zur nächtlichen Fahrt ansetzt. Eines muss man dem Briten auch lassen: Sein Film ist schon sehr energiegeladen. Er gönnt weder seinen Figuren noch dem Publikum eine wirkliche Verschnaufpause. Da wartet immer schon die nächste Location, das nächste Gemetzel – wobei sich der Brutalitätsfaktor dann doch überraschend in Grenzen hält. Wer nach den obigen recht ruhigen Titeln mal wieder eine etwas actionreichere Variante des Horrors wünscht, der kann es aufgrund der stylischen Optik hiermit mal versuchen. Dennoch ist es schade, wie wenig aus dem ohnehin schon nicht sonderlich originellen Szenario herausgeholt wurde. Da fehlt es Night Teeth letztendlich an Biss und Herzblut.

Credits

OT: „Night Teeth“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Adam Randall
Drehbuch: Brent Dillon
Musik: Drum & Lace, Ian Hultquist
Kamera: Ebon Bolter
Besetzung: Jorge Lendeborg Jr., Debby Ryan, Lucy Fry, Alfie Allen, Raúl Castillo

Bilder

Trailer

Weitere Netflix Titel

Ihr seid mit Night Teeth schon durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

D
T

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Night Teeth
„Night Teeth“ ist ein actionreicher Horrorfilm um einen jungen Studenten, der versehentlich zwischen die Fronten eines Vampirkrieges gerät. Das ist schon recht stylisch, auch weil wir uns ausschließlich im High-Society-Bereich bewegen. Inhaltlich ist das aber eine Nullnummer, die Abwechslung hält sich ebenfalls in Grenzen.
5von 10
Leserwertung: (25 Votes)
4.8

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort