„Mercury 13“, USA, 2018
Regie: David Sington, Heather Walsh

Mercury 13

„Mercury 13“ ist seit 20. April 2018 auf Netflix verfügbar

Dass Frauen gern mal als Menschen zweiter Klasse angesehen werden, das zeigen nicht nur die scheußlichen Enthüllungen der #MeToo-Kampagne. Das beweist auch der Blick auf die noch immer drastischen Einkommensunterschiede der Geschlechter: Bei 22 Prozent sollen sie in Deutschland liegen, im Jahr 2017. Das bedeutet fast den Bodensatz der Europäischen Union. Dass Jobs unterschiedlich bezahlt werden, selbst bei gleicher Leistung, das ist jedoch nur ein Teil des Problems. Der andere ist, wenn jemand einen Job aufgrund seines Geschlechts gar nicht erst bekommt. Ein historisches Beispiel hierfür findet der Zuschauer in Mercury 13.

Wir schreiben die 1960er, der Wettstreit der USA und der Sowjetunion erstreckt sich auf viele Bereiche des Lebens, sowohl technologisch wie auch propagandistisch wird um die Vorherrschaft gekämpft. Eines der Hauptanliegen ist das Wettrennen ins Weltall. Heute interessiert sich kaum einer mehr für die Raumfahrt, damals jedoch wurde das Erreichen des Mondes mit dem Sieg der eigenen Ideologie gleichgesetzt. „That’s one small step for man, one giant leap for mankind“, sagte Neil Armstrong, als er am 20. Juli 1969 als erster den Mond betrat. Und wie immer wird darum gestritten: Was ist eigentlich mit den Frauen? Wo sind die in dem Satz?

Frauen im Weltraum
Dabei hätte es durchaus Alternativen gegeben, sprachliche wie personelle. William Randolph Lovelace II, der seinerzeit die Tests für die NASA-Piloten entwickelte, ließ sich davon überzeugen, dass auch Frauen an diesen teilnehmen könnten. Einige taten dies dann auch, überaus erfolgreich sogar. Genauer waren es am Ende 13, welche den Test bestanden und somit die Qualifikationen für den Flug ins All mitbrachten – daher auch der Projektname Mercury 13.

Dass es doch anders kam, NASA und Regierung das Projekt einstampften, noch bevor es in die heiße Phase überging, davon erzählen die Überlebenden mit einer Mischung aus Trauer und Wut. Über zwanzig Jahre sollte es anschließend dauern, bis die erste Amerikanerin den Weltraum erkunden durfte, deutlich später, als es in Russland der Fall war. 1995 wurde Eileen Collins die erste amerikanische Pilotin in den Weiten des Alls, rund drei Jahrzehnte nach dem Ende von Mercury 13.

Die Geschichte einer verpassten Chance
Die Netflix-Dokumentation ist aber nicht einfach nur Zeugnis einer großen Ungerechtigkeit – die Frauen waren in manchen Tests sogar haushoch überlegen –, sondern auch einer verpassten Chance. Wie viel weiter die Frauenbewegung heute wäre, wenn es damals eine weibliche Identifikationsfigur wie Armstrong gegeben hätte, darüber lässt sich nur noch spekulieren. Das Ungleichgewicht bei der Bezahlung und der Jobauswahl, vielleicht wäre es ein bisschen kleiner, wenn Frauen viel früher hätten beweisen dürfen, dass sie nicht zwangsläufig schlechter sind als Männer.

Doch trotz der zweifelsfrei vorhandenen Bitterkeit von Mercury 13, der Film hält sich nicht groß mit Jammern auf, sondern ist vielmehr ein Denkmal zu Ehren dieser Pionierinnen – nicht unähnlich zu Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen über die Beiträge dreier afroamerikanischen Frauen zur amerikanischen Raumfahrt. Einige der 13 leben bis heute und durften hier aus dem Nähkästchen plaudern. Auf diese Weise erhalten wir einen Einblick in den damaligen Wettstreit und die Diskussionen, sowie auch in die zum Teil sehr kuriosen Tests, die Lovelace sich ausgedacht hatte. In Kombination mit den historischen Flugaufnahmen entsteht so ein persönliches Zeitdokument, das ganz unabhängig vom eigenen Geschlecht sehenswert ist.

Mercury 13
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Mercury 13
Die drei Männer, die damals den Mond betraten, haben Geschichte geschrieben. Weniger bekannt ist, dass es durchaus auch Frauen hätten sein können. „Mercury 13“ erzählt von 13 potenziellen Astronautinnen, deren Projekt aber frühzeitig von der NASA beendet wurde. Die Dokumentation wird einerseits von Wut und Bedauern begleitet, ist gleichzeitig aber auch ein sehenswertes Denkmal für die Pionierinnen.
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