Dr. Hwang Woo suk König der Klone King of Clones Netflix
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Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone

Dr. Hwang Woo suk König der Klone King of Clones Netflix
„Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone“ // Deutschland-Start: 23. Juni 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Beim Thema Klonen werden die meisten vermutlich an Geschichten aus dem Science-Fiction-Bereich denken. Immer wieder hat das Genre auf dieses Motiv zurückgegriffen, sei es um Gedankenspiele zu betreiben, moralische Fragen zu stellen oder manchmal auch einfach nur zu unterhalten – siehe den Blockbuster Jurassic Park. Was aber, wenn dies kein reines Hirngespinst ist? Wenn es wirklich möglich sein solle, Lebewesen einfach zu kopieren? Das erste Beispiel, wo dies zum Teil funktionierte, war das Schaf Dolly im Jahr 1996 – was maßgeblich auf den britischen Wissenschaftler Keith Campbell zurückgeht. Später machten auch viele andere Kollegen und Kolleginnen von sich reden. Einer davon wird nun in der Netflix-Dokumentation Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone vorgestellt.

Zwischen Genie und Betrug

Wobei der gleichnamige Südkoreaner gleichermaßen berühmt wie berüchtigt war. So konnte er einige spektakuläre Erfolge vorweisen. Manche waren im Bereich der Tierforschung. Beispielsweise wurde Hwang Woo-suks geklonter Hund Snuppy vom renommierten Magazin Time zur erstaunlichsten Innovation 2005 ernannt. Aber auch im menschlichen Bereich verkündete er Erstaunliches. Das Problem dabei ist nur: Er nahm das mit der Wahrheit nicht so genau. Genauer hat er regelmäßig gelogen und Ergebnisse gefälscht. Aus dem überragenden Wissenschaftler war ein gewöhnlicher Betrüger geworden, der die Faszination für das Thema sowie erste Erfolge gnadenlos ausnutzte, um deutlich mehr draus machen zu wollen.

Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone zeichnet diesen Weg nach, erzählt von realen Durchbrüchen ebenso wie von den Enthüllungen, die später zu seinem Absturz führten. Denn auch wenn der Südkoreaner später vor allem wegen seiner Betrügereien für Schlagzeilen sorgte, so war sein wissenschaftliches Interesse unbestritten. Es wäre spannend gewesen, wie weit er mit legitimen Mitteln gekommen wäre. Von solchen Spekulationen hält sich Regisseurin Aditya Thayi jedoch fern. Was ebenfalls fehlt, ist die persönliche Komponente. Da der Forscher aus dem Blickwinkel seiner Arbeit beleuchtet wird, bleibt der Mensch dahinter fremd. Man kann höchstens erahnen, wer er ist und was ihn zu seinen Taten angetrieben hat.

Information und diskussionswürdig

Inszenatorisch ist der Film ohnehin genügsam. Das Publikum bekommt hier den üblichen Mix aus Interviews und historischen Aufnahmen, die chronologisch angeordnet wurden. Dann und wann baut Thayi kleine Spielereien ein, um das Ganze aufzulockern. Aber viel sollte man davon nicht erwarten. Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone mag von revolutionären Ideen handeln, ist selbst aber recht konventionell geworden. Dafür gibt es genug anderen Stoff, mit dem der Dokumentarfilm lockt. Man erfährt mehr über die Forschungen, über Prinzipien und Restriktionen. Das oft eher diffuse Verständnis, was Klonen überhaupt bedeutet, wird hier nach anderthalb Stunden konkreter sein. So wird etwa erklärt, dass kein komplettes Wesen kopiert wird, sondern maximal eine identische Ausgangssituation geschaffen.

Das ist bei dem Beispiel relevant, wenn es um einen Familienhund geht, der noch einmal neu gezeugt wird. Da wird dann nicht einfach der frühere Liebling zurückgeholt. Trotz ähnlicher Ausgangssituation kann das Ergebnis ein ganz anderes sein. Das ist ebenso interessant wie die moralische Komponente, die bei dem Thema natürlich nicht fehlen darf. Da geht es nicht nur um die Frage, was alles möglich ist, sondern auch, was erlaubt sein sollte. Da werden Vergleiche zu Gott bemüht, intuitive Grenzen zwischen der Arbeit an einem Tier und an Menschen aufgebaut. Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone liefert auf diese Weise sehr viel Material, über das es sich nachzudenken lohnt und welches den Dokumentarfilm sehenswert machen.

Credits

OT: „King of Clones“
Land: UK
Jahr: 2023
Regie: Aditya Thayi

Bilder

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Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone
fazit
„Dr. Hwang Woo-suk, König der Klone“ erinnert an den berühmt-berüchtigten südkoreanischen Forschern, der mit seinen Arbeiten am Klonen für Schlagzeilen sorgte. Aber auch für Skandale, vor allem beim Bekanntwerden seiner Betrügereien. Der Dokumentarfilm ist recht konventionell und verrät nicht viel über den Menschen hinter der Forschung. Sehenswert ist er dennoch, gibt Einblicke in das Thema und Stoff zum Nachdenken.
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