Bad Vegan: Berühmt und betrogen
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Bad Vegan: Berühmt und betrogen

Bad Vegan: Berühmt und betrogen
„Bad Vegan: Berühmt und betrogen“ // Deutschland-Start: 16. März 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Mit True Crime Dokus hat Netflix bekanntlich gute Erfahrungen gemacht, weswegen der Streamingdienst kontinuierlich für Nachschub sorgt. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ausrichtungen. Beliebt sind beispielsweise Filme und Serien, die besonders rätselhafte Verbrechen behandeln, bei denen bis heute nur spekuliert werden kann, was wirklich geschehen ist. Andere setzen mehr auf den Nervenkitzel, den besonders brutale und abscheuliche Taten auslösen. Und dann gibt es die Produktionen, die vor allem durch unglaubliche, teils regelrecht bizarre Geschichten Aufmerksamkeit erhalten. Ob Der schlimmste Mitbewohner aller Zeiten, Der Tinder-Schwindler, Der Puppenspieler: Auf der Jagd nach dem ultimativen Betrüger oder Großkatzen und ihre Raubtiere, man begegnet dort den schillerndsten Persönlichkeiten, die auf nicht immer nachzuvollziehende Weise ihre Opfer betrügen.

Absturz einer veganen Ikone

Das ist bei Bad Vegan: Berühmt und betrogen nicht anders, einer vierteiligen Miniserie. Darin erzählt der betrugserfahrene Regisseur Chris Smith (Fyre – The Greatest Party That Never Happened) die Geschichte von Sarma Melngailis. Die war Anfang der 2000er Jahre eine echte Sensation, da es ihr gelang, den kommenden Trend einer veganen Lebensweise nicht nur frühzeitig zu erkennen, sondern auch mit jeder Menge New York Schick zu verbinden. In ihre Restaurants kamen nicht nur irgendwelche Ökos in Birkenstockschuhen, die ein Leben in weltfremden Kommunen führen. Stattdessen kehrte so mancher Star bei ihr ein und machte die jeweiligen Lokale zu angesagten Orten. Das alleine wäre sicherlich eine Dokumentation wert. Aber hier geht es um die Schattenseiten dieser Unternehmen, vor allem der gnadenlose Verfall zum Ende hin.

Mit einer etwaigen Wankelmütigkeit der kulinarischen Zielgruppe hatte das aber nichts zu tun. Dass Pure Food and Wine und One Lucky Duck derart katastrophal endeten, ist das Ergebnis selbst erschaffener Probleme. Und dieses Problem hat einen Namen: Anthony Strangis. Er war es, so sagt Bad Vegan: Berühmt und betrogen zumindest, der den Stein ins Rollen brachte, indem er kontinuierlich und in einer steigenden Dreistigkeit Geld aus dem Unternehmen erschlich und für sich selbst nutzte. Leidwesende waren dabei gerade die Angestellten, die monatelang auf ihren Lohn warten mussten. Denn wo kein Geld, da ist auch nichts, das ausgezahlt werden könnte. Hinzu kamen die Investoren, die um ihre Beträge betrogen wurden. Am Ende war das Vertrauen in Melngailis so stark erschüttert, dass niemand mehr etwas mit ihr zu tun haben wollte und die Restaurants schließen mussten.

Bizarre Betrugsgeschichte

Nun ist Betrug erst einmal nichts Ungewöhnliches. Korruption, Veruntreuung, Selbstbereicherung auf Kosten anderer – das kann praktisch überall vorkommen. Im Fall von Bad Vegan: Berühmt und betrogen wird sicher auch ein bisschen damit gespielt, dass sich Veganer und Veganerinnen zumindest dem Klischee nach gerne mal als moralisch überlegen verkaufen. Dass diese selbst betrügen, das dürfte bei so manchen vor den Bildschirmen für Genugtuung sorgen. Interessanter ist aber, mit welchen Methoden Strangis vorging. So tischte er seiner neuen Partnerin die grotesktesten Geschichten auf, die man sich (nicht) vorstellen kann. Geschichten, die man am besten selbst hören sollte: Ein Teil des Unterhaltungswertes ist es, wie das alles mit der Zeit absurder wurde. Der Betrüger scheute vor nichts zurück.

Wie immer stellt sich dabei aber die Frage: Wie konnte ihm jemand, der von einem normalen Verstand ist, diesen Blödsinn abkaufen? Bad Vegan: Berühmt und betrogen versucht darauf eine Antwort zu geben, ist dabei aber nicht so ganz überzeugend. Hinzu kommt das Problem, dass die Geschichte größtenteils aus der Perspektive von Melngailis erzählt wird, was der Bewertung natürlich von vornherein eine gewisse Färbung gibt. Da wird schon ziemlich versucht, sie als Opfer darzustellen, die Frage an einer Selbstschuld wird nur zögerlich gestellt. Damit muss man sich ebenso abfinden können wie mit einer Inszenierung, welche größtenteils auf Interviewszenen setzt, die Minimallösung von Dokus also. Und natürlich ist die Serie wie so oft bei Netflix zu lang. Unterhaltsam ist das hier aber durchaus, sofern man sich an derartigen Geschichten erfreut.

Credits

OT: „Bad Vegan: Fame. Fraud. Fugitives“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Chris Smith
Musik: Dan Romer
Kamera: Britton Foster, Antonio Rossi

Bilder

Trailer

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Bad Vegan: Berühmt und betrogen
Fazit
„Bad Vegan: Berühmt und betrogen“ erzählt die unglaubliche Geschichte einer Frau, die mit veganer Küche zur Berühmtheit wurde, dann aber mit ihrem Ehemann das eigene Unternehmen bestohlen kann. Die etwas zu lang geratene Miniserie richtet sich an ein Publikum, das groteske Betrügereien genießt, selbst wenn dabei am Ende manche Fragen offen bleiben.
Leserwertung34 Bewertungen
4.5