Inhalt / Kritik

Zero Chill Netflix

„Zero Chill“ // Deutschland-Start: 15. März 2021 (Netflix)

Für die 15-jährige Kayla (Gracie Beedie) bricht eine Welt zusammen, als ihre Familie von Kanada nach England zieht. Denn während ihr Zwillingsbruder Mac (Dakota Benjamin) dort seine Eishockey-Karriere vorantreiben kann, muss sie ihre eigenen Träume vom Eiskunstlauf erst einmal begraben und ihren Partner in der Heimat zurücklassen. Immer wieder gerät sie dadurch mit ihren Eltern (Sarah-Jane Potts, Doug Rao), aber auch Macs Trainer Anton (Oscar Skagerberg) aneinander. Dessen Tochter Ava (Anastasia Chocholatá) wiederum hat das umgekehrte Problem: Sie würde gern zum Eishockey, wird aber von ihrer ehrgeizigen Mutter Elina (Tanja Ribič) zum Eiskunstlauf genötigt. Und dann wäre da noch Sky (Jade Ma), die schnell zu Kaylas bester Freundin wird, aber selbst diverse Probleme mit sich herumschleppt …

Das Drama auf dem Eis

Eiskunstlauf, das bedeutet eine Mischung aus Eleganz und athletischem Können. Es bedeutet aber auch eine Welt, hinter deren Glitzerfassade richtig hässliche Dinge vor sich gehen. Das zumindest lehrte einen die Serie Spinning Out vor etwas mehr als einem Jahr, als hinter dem schönen Schein jede Menge Probleme auftauchten, allen voran die bipolare Störung der Protagonistin. Nun startet mit Zero Chill erneut eine Dramaserie auf Netflix, die in der Welt des Eiskunstlaufes spielt und Spaß daran hat, das hübsche Äußere zu demontieren. Doch damit wollten sich Kirstie Falkous und John Regier, die zusammen die Serie erschafft haben, nicht begnügen. Und so kreuzten sie einfach Eiskunstlauf mit Eishockey zu einem Zweifrontenkrieg.

Das ist dann auch einer der interessantesten Aspekte von Zero Chill. Die beiden Sportarten sind sich einerseits sehr ähnlich, wenn es doch in beiden darum geht, mit Schlittschuhen auf dem Eis zu triumphieren. Gleichzeitig könnten sie natürlich unterschiedlicher kaum ein: auf der einen Seite die filigranen, fließenden Bewegungen des Tanzes, auf der anderen Seite die robuste Körperlichkeit des Hockeys. Dass da gewissermaßen zwei Welten aufeinandertreffen, ist klar. Immer wieder wird hier auch mit einem personellen Gegensatz gearbeitet. Der wichtigste ist dabei natürlich der zwischen den Zwillingen Kayla und Mac, die bei der Erfüllung ihrer jeweiligen Träume ganz unterschiedlich behandelt werden.

Gefangen zwischen zwei Welten

Spannender noch ist in der Hinsicht aber Ava, die komplett zwischen den beiden Welten steht. Ihr Vater ist ein strenger Eishockey-Lehrer, ihre Mutter eine verbitterte Eiskunstlauf-Trainerin. Sie selbst weiß nicht so recht, wohin sie gehört, da eigentlich keiner von beiden sich wirklich für sie zu interessieren scheint. Allgemein sind es in Zero Chill gerade die Eltern-Kind-Beziehungen, die einen großen Raum einnehmen. Neben den beiden Hauptfamilien hat Sky mit einer überfürsorglichen Mutter zu kämpfen. Zwei Brüder, die beide in Macs Eishockey-Team sind, ringen mit ihrem Vater, der nie für sie da war und nun diese Position einnehmen will. Dass das nicht einfach ist, versteht sich von selbst, so wie keine der vier Familien auf wirklich solidem Fundament baut.

Daraus hätte man sicherlich eine interessante Fallstudie machen können, wie unterschiedlich Eltern mit ihren Kindern umgehen und wie sehr wir durch den Einfluss der Familie zu dem werden, der wir sind. Ganz so tiefsinnig sollte man bei Zero Chill dann aber doch nicht sein. Stattdessen werden dann doch nur diverse Klischees und Stereotype ausgepackt. So werden Avas Eltern auf ihre jeweilige Besessenheit mit dem Sport reduziert. Die Eltern von Kayla und Mac bleiben hingegen ganz blass. An einer Stelle darf der Vater als Versager beschimpft werden, das war es schon an nennenswerter Charakterisierung. Aber auch bei den Jugendlichen begnügte sich das Drehbuchteam oft mit dem Allernötigsten. Gerade bei den Figuren, die als Antagonist*innen herhalten müssen, begnügte man sich mit einer Eigenschaft – die dann noch nicht mal wirklich interessant ist.

Schön unglaubwürdig

Stärken hat die Serie dabei durchaus. So gibt es doch diverse sehenswerte Aufnahmen auf dem Eis, welche auch noch einmal die Unterschiedlichkeit der beiden Sportarten betonen. Gerade die Zusammenschnitte, wenn parallel Kayla tanzt und Mac den Puck bearbeitet, können sich sehen lassen. Wer auf emotionale Wohlfühlmomente aus ist, dem wird ebenfalls einiges geboten. Denn wo Streit, da auch Versöhnung. Und bei dem Dutzend Figuren, die hier über den Bildschirm laufen, gibt es jede Menge Streit. Dass das dann im Einzelnen nicht immer nachzuvollziehen ist und die Geschichte recht ungeniert Probleme ebenso plötzlich beendet, wie sie sie erschafft, das gehört bei diesem Segment irgendwie dazu. Hier wurde nicht versucht, irgendwie subtil, natürlich oder glaubwürdig vorzugehen. Wen das nicht stört und diese Art Teeniedramen mag, der kann bei Zero Chill reinschauen. Trotz der eisigen Umgebung ist das Ergebnis aber eher lauwarm.

Credits

OT: „Zero Chill“
Land: UK
Jahr: 2021
Regie: Angelo Abela, Tessa Hoffe
Drehbuch: Adam Usden, Vicki Lutas, Anna McCleery, Tom Melia, Zoë Lister
Idee: Kirstie Falkous, John Regier
Musik: Vince Pope
Kamera: Phil Wood
Besetzung: Gracie Beedie, Dakota Benjamin Taylor, Jeremias Amoore, Anastasia Chocholatá, Sam Stelzer, Jade Ma, Sarah-Jane Potts, Doug Rao, Tanja Ribič, Oscar Skagerberg, Jerry Kwarteng

Bilder

Trailer

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Zero Chill – Staffel 1
In „Zero Chill“ muss eine 15-jährige Eiskunstläuferin wegen ihres Eishockey-Zwillings ihre Heimat verlassen. Und das ist nur das erste von vielen Problemen, welche die Figuren hier plagen. Die Gegenüberstellung der beiden ähnlichen und zugleich sehr unterschiedlichen Sportarten hat ihren Reiz. Dafür wurde unnötig viel Drama geschaffen, während in die Charakterisierung der einzelnen Personen nur wenig Arbeit investiert wurde.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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