Kritik

Break Netflix

„Break“ // Deutschland-Start: 3. Dezember 2020 (Netflix)

Nach einem schweren Unfall steht Lucie (Sabrina Ouazani) vor einer schwierigen Entscheidung. Wie soll es mit ihrem Leben weitergehen und ihrer Karriere als Tänzerin? Und so zieht sie erst einmal in einen Vorort von Paris, wo sie Vincent (Kevin Mischel) über den Weg läuft. Der ist ein großes Tanztalent, wie sie gleich feststellt, weshalb sie ihn zu überreden versucht, ihr bei der Choreografie zu helfen. Allerdings beißt sie damit auf Granit, erst durch das Zureden seines Freundes Malik (Slimane) erklärt er sich bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten. Aber das ist nicht der einzige Faktor, der Lucie derzeit beschäftigt, ist sie doch eigentlich aus einem ganz anderen Grund in den Vorort gezogen …

Tanz als Mittel des Ausdrucks
Tanzen ist mehr als das geschickte Bewegen von Armen, Beinen und anderen Körperteilen. Richtig angewendet, wird es zu einem Ausdruck von Persönlichkeit, zu einem befreienden Element, das dir hilft, dich selbst zu finden und darzustellen. Deswegen ist Tanzstil auch nicht Tanzstil, in Filmen geht es oft darum, den richtigen für sich selbst zu entdecken, mit dem man ganz bei sich ist. Das deutsche Jugenddrama Into the Beat – Dein Herz tanzt machte das vor einigen Monaten vor, als eine Jugendliche aus einer Ballett-Familie zufällig die Bekanntschaft von Hip-Hop-Tänzern machte und sich auf diese Weise erst bewusst wurde, welche unentdeckten Seiten in ihr schlummerten und wer sie genau sein will.

Break geht da in eine ähnliche Richtung. Der französische Film, der bereits 2018 daheim in den Kinos lief und nun dank Netflix auch den Rest der Welt erreicht, handelt ebenfalls von einer jungen Frau, die einen für sie neuen Tanzstil für sich entdeckt, den Breakdance. Es geht ebenfalls um eine Liebe zu dem Mann, der ihr diesen Stil näherbringt. Und es geht auch um eine familiäre Geschichte, wenn Lucie – so viel wird später klar – mehr über sich und ihre Herkunft herauszufinden versucht. Wobei es hier weniger um eine Abnabelung in dem Sinne geht, wie beim deutschen Kollegen, dafür ist die Protagonistin zu alt. Die Fragen und Themen sind zwar denen eines Coming-of-Age-Films ähnlich, aber weniger pointiert.

Zwischen Milieu und Persönlichem
Das bedeutet auch, dass man bei Break gar nicht so recht weiß, was eigentlich das Thema sein soll. Regisseur und Co-Autor Marc Fouchard vermengte in seinem Langfilmdebüt eine Reihe von Elementen, die zwar durchaus miteinander harmonisieren, am Ende aber etwas konturlos wirken. So ist das Drama einerseits eine sehr persönliche Geschichte um zwei Menschen, die jeder für sich aus der Bahn geworfen wurden und nun in der Gemeinsamkeit, so holprig diese auch ist, einen Halt finden. Es geht um geplatzte Träume, familiäre Enttäuschung, um Loyalität und um Angst. Sowohl Lucie wie auch Vincent sind auf ihre Weise an einem Punkt angekommen, bei dem es nicht wirklich weitergeht.

Damit verflochten sind aber noch weitere Punkte, die sich etwa um Klassenunterschiede drehen, um die soziale Situation den Banlieues, von der Perspektivlosigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen. Allerdings bleibt Fouchard hier schon sehr an der Oberfläche, ein Vorwurf, den sich Break insgesamt gefallen lassen muss. Der Film hält sich eng an Konventionen, die Figuren sind ohne nennenswerte Persönlichkeit, die zwischenmenschliche Entwicklung wird zu wenig ausgearbeitet. Wenn man schon eine Geschichte erzählt, bei der man bei so ziemlich jedem Schritt weiß, was als nächstes geschieht, dann sollte man sich wenigstens bei der konkreten Ausgestaltung Mühe geben. Das findet hier nicht statt: Das Drama hat wenig zu sagen, auch auf der emotionalen Ebene funkt es nicht.

Beeindruckende Akrobatik
Was Break trotz der inhaltlichen Schwächen aber sehenswert macht, sind die Tanzszenen. Auch wenn das Duo vielleicht nicht das größte Charisma mitbringt, es eigentlich immer nur missgelaunt durch die Gegend stapft, wenn es mal auf die Bühne darf, dann sieht man ihm gerne zu – ebenfalls den Kollegen und Kolleginnen. Die Breakdance-Einlagen sind artistisch eindrucksvoll, teils akrobatisch. Wenn es an die Dance Battles geht, wird es sogar richtig spannend. Wer also mal wieder einen Film sehen möchte, der physisch Eindruck macht, der ist hier an einer guten Adresse, selbst wenn drum herum eher wenig überzeugt.

Credits

OT: „Break“
Land: Frankreich
Jahr: 2018
Regie: Marc Fouchard
Drehbuch: Marc Fouchard, François-Régis Jeanne
Musik: Rémi Jimenez, Ségolène Dupont
Kamera: Maxime Cointe
Besetzung: Sabrina Ouazani, Kevin Mischel, Hassam Ghancy, Slimane, Maxime Pambet

Trailer

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Break
Nach einem schweren Unfall sucht in „Break“ gleichzeitig nach ihren Wurzeln und einem Neustart. Die Breakdance-Szenen sind gelungen, weshalb man dafür reinschauen kann. Inhaltlich ist das Drama jedoch weniger eindrucksvoll, da die Mischung aus persönlichem Schicksal und Milieustudie zu oberflächlich ist und sich zu sehr an Konventionen hält.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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