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De slag om de Schelde Die Schlacht um die Schelde Netflix

„Die Schlacht um die Schelde“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 2021 (Netflix)

Im November 1944 ist die niederländische Halbinsel Walcheren aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage schwer umkämpft. Wer sie kontrolliert, der kontrolliert auch den Hafen von Antwerpen. Dies stellt auch der britische Pilot William Sinclair (Jamie Flatters) fest, der eben dort notgelandet ist und nun mit seinen Männern ums Überleben kämpft. Die einheimische Teuntje Visser (Susan Radder) wird hingegen gegen ihren Wilen in die Geschichte hineingezogen, nachdem ihr Bruder Dirk (Ronald Kalter) sich gegen die Besatzer erhebt. Der Niederländer Marinus van Staveren (Gijs Blom) wiederum kämpft auf der Seite der Deutschen, bekommt aber immer mehr Zweifel, ob er dabei das Richtige tut …

Zurück in die Vergangenheit

Eigentlich sollte man ja meinen, dass nach unzähligen Filmen und Serien das Thema Zweiter Weltkrieg irgendwann einmal auserzählt ist. Stattdessen kommen jedes Jahr aufs Neue Hunderte neuer Titel heraus. Denn da gibt es doch noch irgendeine Variation bekannter Themen, gibt es vielleicht einen bislang nicht oder kaum besuchten Ort, der noch einmal eine Rückkehr in die 1940er erlaubt. So auch beim Netflix-Neuzugang Die Schlacht um die Schelde. Dort geht es um den titelgebenden Fluss, der durch Frankreich, Belgien und die Niederlande fließt, an Antwerpen vorbei, bis er in der Nordsee mündet. Dort wurde natürlich ebenfalls gekämpft in diesen Jahren, wie an praktisch jedem anderen Ort auch. Und zumindest Antwerpen war aufgrund seines Hafens für die Alliierten von größerer Bedeutung.

Wobei die Wiedergabe der Geschichte in Die Schlacht um die Schelde eine eher geringere Rolle spielt. Ein paar Infos gibt es natürlich schon zu der Schlacht und ihrem Kontext. Die sind aber eher sparsam eingebaut. Stattdessen interessierte man sich bei der niederländischen Produktion mehr für die Figuren. Ungewöhnlich ist dabei, dass hier drei prinzipiell voneinander unabhängige Handlungsstränge erzählt werden. Im Gegensatz zu Dunkirk, das dieses Konzept unnötig durch den Faktor Zeit verkomplizierte, laufen die Geschichten hier tatsächlich parallel und ergeben zusammen ein Gesamtbild der damaligen Situation. Ein Gesamtbild, das manchmal jedoch nicht ganz einfach zu erfassen ist, da an zu vielen Orten gleichzeitig etwas passiert.

Wenige, aber sehenswerte Kämpfe

Aber das muss ja nicht zwangsläufig ein Manko sein. Vielmehr bekommt das Publikum einen Einblick in das damalige Chaos, wenn es eben nicht allein darum geht, dass sich zwei Heere gegenüberstehent. Das kommt in Die Schlacht um die Schelde schon mal vor. Aber es ist eher selten: Trotz des martialischen Titels sind die Kämpfe hier eindeutig in der Unterzahl. Dafür sehen sie recht gut aus, zumindest innerhalb des vorgegebenen Rahmens. Von einem niederländischen Film kann man natürlich keine entsprechenden Effektgewitter erwarten wie bei einem 100 Millionen Dollar schweren Hollywoodstreifen. Aber es ist doch ganz atmosphärisch, was hier abgeliefert wurde, ob nun zu Lande oder in der Luft. Gerade das Wassersetting trägt schon dazu bei, dass die Bilder mehr in Erinnerung bleiben als bei so manchem Kollegen.

Zumindest für ein hiesiges Publikum interessant ist zudem, dass da einige deutsche Schauspieler zum Ensemble gehören, darunter auch Justus von Dohnányi als grausamer Oberst. Insgesamt sind die schauspielerischen Leistungen, unabhängig von der Nationalität, auf einem ordentlichen Niveau. Das ist nicht ganz unwichtig bei einem Film, der derart stark auf die Figuren zugeschnitten ist, teilweise mehr Charakterdrama als Kriegsfilm ist. Wer sich auf Letzteres einlassen kann und nicht thematisch übersättigt ist, findet in Die Schlacht um die Schelde einen Genrevertreter, der sicherlich nichts revolutioniert oder auch revolutionieren will. Aber er ist doch gut umgesetzt und aufgrund des Settings eines der interessanteren Beispiele der letzten Zeit.

Credits

OT: „De slag om de Schelde“
IT: „The Forgotten Battle“
Land: Niederlande, Belgien
Jahr: 2020
Regie: Matthijs van Heijningen Jr.
Drehbuch: Paula van der Oest, Pauline van Mantgem, Reinier Smit, Matthijs van Heijningen Jr.
Musik: Emilie Levienaise-Farrouch
Kamera: Lennert Hillege
Besetzung: Gijs Blom, Jamie Flatters, Susan Radder, Theo Barklem-Biggs, Jan Bijvoet, Marthe Schneider, Scott Reid, Robert Naylor, Tom Felton, Ronald Kalter, Justus von Dohnányi, Coen Bril

Bilder

Trailer

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Ihr seid mit Die Schlacht um die Schelde schon durch und braucht Nachschub? Dann haben wir vielleicht etwas für euch. Unten findet ihr alle Netflix-Titel, die wir auf unserer Seite besprochen haben.

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Die Schlacht um die Schelde
„Die Schlacht um die Schelde“ spielt 1944 auf einer umkämpften niederländischen Halbinsel, welche für den Hafen in Antwerpen von Bedeutung ist. Der Film ist visuell im Rahmen des Möglichen gut umgesetzt und gefällt als Porträt der damaligen Zeit. Die Kämpfe können sich sehen lassen, sind insgesamt aber eher zweitrangig, wenn wir drei verschiedenen Handlungssträngen folgen.
7von 10
Leserwertung: (24 Votes)
5.5

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Florentin Schöneich

    Ich finde, dieser Film fängt gut alle Gefühlslagen des zweiten Weltkrieges wieder: Zum einen die Angst, Furcht, Wut, Hass, Trauer, Erleichterung usw. sind allesamt weitläufig repräsentiert. Die Szenerie wurde meist gut eingefangen und die Kostümierung und Inszenierung sind so gut und realitätsnah eingefangen, dass man die Kämpfe gut mitfühlen kann. Auch Nebenhandlungen kommen nicht zu kurz, sind aber nicht langweilig, weil alles auf einen abschließenden Höhepunkt hinführt, der ebenfalls unfassbar gut umgesetzt wurde.
    Schwache Seiten sind dennoch vorhanden, aber nicht negativ ausschlaggebend: geringfügige weniger starke Schauspielleistungen, Realismus in wenigen Einzelfällen bzw. Situationen und stellenweise unrealistische Reaktionen auf bestimmte Momente und Aktionen.
    Im Endeffekt dennoch ein gelungener Film, welcher jedem der sich für den zweiten Weltkrieg interessiert eine gute Wahl ist.

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