Mother Android Netflix
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Mother/Android 

Inhalt / Kritik

Mother Android Netflix
„Mother/Android“ // Deutschland-Start: 7. Januar 2022 (Netflix)

Als Georgia (Chloë Grace Moretz) an Weihnachten erfährt, dass sie schwanger ist, hält sich ihre Begeisterung in Grenzen. Denn eigentlich fühlt sie sich noch nicht so weit, Kinder zu bekommen. Sie ist sich ja nicht einmal sicher, ob sie weiterhin mit Sam (Algee Smith) zusammen sein möchte, dem Vater des ungeborenen Kindes. Bald haben die beiden jedoch ein ganz anderes Problem: Die humanoiden Androiden, welche bislang immer friedlich und zuverlässig gedient haben, drehen plötzlich durch und attackieren die Menschen. Neun Monate später haben die Androiden die Herrschaft über die Erde übernommen, während sich die überlebenden Menschen in massiv geschützte Zonen zurückgezogen haben. Die hochschwangere Georgia und Sam sind fest entschlossen, ihr Kind nicht in einer solchen Lage aufziehen zu wollen. Und so machen sich die beiden auf nach Boston. Die Hoffnung: Noch eine Überfahrt zu erwischen und vielleicht nach Korea auszuwandern …

Der vergessene Aufstand

Man muss jemanden nur lange genug unterdrücken, irgendwann erhebt er sich und zahlt es einem heim. Das gilt für Menschen, die im Laufe der Geschichte so manche Revolution gestartet haben und dabei zuweilen die bisherigen Herrscher um einen Kopf kürzer machten. Es gilt aber auch für Roboter oder andere Formen künstlicher Intelligenz. Zumindest ist es das, was immer wieder im Science-Fiction-Genre erzählt wird, das quasi von Haus aus immer die schlimmste der möglichen Zukunftsvisionen wählt. So auch bei beim Netflix-Film Mother/Android. Hier geschieht das Unglück urplötzlich. Eben gerade noch hat der freundliche Android den bestellten Alkohol serviert, da macht er sich schon an die Arbeit, jeden Zweibeiner organischen Ursprungs vorzeitig das Leben zu nehmen. Wie es dazu kam, wird dabei nicht klar. Es ist einfach so.

Allgemein scheint sich Regisseur und Autor Mattson Tomlin, der zuvor schon das Drehbuch zu Project Power geschrieben hat, nicht so wirklich für die Roboter zu interessieren. So plötzlich der technologische Aufstand die Menschen ins Unglück stürzte, so plötzlich ist das Thema auch schon wieder gegessen. Sicher, die Welt ist danach eine andere. Jeder Schritt nach draußen kann der letzte sein. Dass es aber Androiden sind, die hier zu Bedrohung werden, ist bei Mother/Android kaum zu sehen. Der Grund: Man bekommt von den selbstbewussten Killermaschinen so gut wie nichts mit. Genauso gut könnte sich unser Paar vor Killerbienen, Killerjeans oder Killertomaten verstecken. Erst im recht späten Verlauf tauchen sie wieder auf und bedeuten dann gleich wieder akute Todesgefahr. Vorher wird zwar von Letzterer gesprochen. Sie überträgt sich aber nicht so recht auf die Atmosphäre.

Der Untergang, das sind die Menschen

Stattdessen befasst sich Tomlin in erster Linie mit den Menschen. Das bedeutet nicht nur, dass jede Begegnung erstmal mit gezückten Waffen beginnt. Man kann ja nie wissen, ob das da vorne wirklich ein Mensch ist. Ist dann doch mal klar, alles gut, alles Mensch, heißt das nicht, dass man sich deswegen versteht. Mother/Android zeigt auf: Es braucht nicht zwangsläufig eine Bedrohung von außen, um das Leben auf diesem Planeten zu einer echten Herausforderung zu machen. Das schaffen die Menschen schon selbst. Und wenn die beiden zwischendurch allein unterwegs sind, dann machen eben sie sich das Leben zur Hölle. Genauer weiß man hier bis zum Schluss nicht, weshalb sie eigentlich zusammen sind. Wie die Gefahr durch die Androiden wird zwar behauptet, dass sie ein Paar sind. Hilft aber nichts, wenn das nicht zu spüren ist.

Tatsächlich ist das einzige Gefühl, das man beim Anschauen von Mother/Android wirklich spürt, das der Langeweile. Zum Teil mag das dem Budget geschuldet sein, das die ganz großen Actionspektakel wohl nicht zuließ. Zumal die mit einer Hochschwangeren ohnehin schwierig gewesen wären. Tragischer und weniger leicht zu entschuldigen ist aber, dass der Film letztendlich überhaupt nichts zu erzählen hat. Wenn nicht gerade umständlich das ausformuliert wird, was vorher geschehen ist, aber nicht gezeigt werden konnte, wechselt das Drehbuch zu diversen Plattitüden. Vor allem zum Ende hin, wenn Tomlin sein eigenes Herz ausschüttet, fangen die Worte an zu triefen. Die Zeit wäre besser investiert, um etwas am World Building zu arbeiten. Warum beispielsweise die Situation in Korea so viel besser sein soll als in den USA, dass das Paar einen derart weiten Weg auf sich nimmt, wird nie klar.

Stark gespielt reicht nicht

Immerhin, ein paar hübsche Bilder gibt es hier schon, wenn wir mit den beiden durch die Wildnis posthumanoider Wälder stapfen. Außerdem kann man Hauptdarstellerin Chloë Grace Moretz (Feuer im Kopf, Tom & Jerry) nicht vorwerfen, dass sie keinen Einsatz zeigen würde. Man nimmt ihr und damit ihrer Figur schon ab, welche große Belastung das Leben einer werdenden Mutter im Überlebenskampf ist. Fans der Schauspielerin können allein deshalb schon mal reinschalten. Aber selbst die müssen sich darauf einstellen, dass der Film nie wirklich in die Gänge kommt und es einfach nicht schafft, das eigene Potenzial zu nutzen. Mother/Android taugt weder als Survival Thriller noch als existenzielles Drama, sondern verirrt sich ins Niemandsland der Gleichgültigkeit, in dem gleichzeitig ganz viel und nichts los ist.

Credits

OT: „Mother/Android“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Mattson Tomlin
Drehbuch: Mattson Tomlin
Musik: Kevin Henthorn, Michelle Birsky
Kamera: Patrick Scola
Besetzung: Chloë Grace Moretz, Algee Smith, Raúl Castillo

Trailer

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Erst rebellieren die Androiden und übernehmen die Weltherrschaft, dann müssen sich eine Hochschwangere und ihr Freund durchs Niemandsland kämpfen, um woanders ein besseres Leben führen zu können. Das klingt spannend, ist es aber nicht. „Mother/Android“ überzeugt weder als Survival Thriller noch als existenzielles Drama, sondern wird zu einer langweiligen Nichtigkeit, die tödlicher ist als die nicht zu sehenden Androiden.
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