Inhalt / Kritik

Netflix Good on Paper

„Good on Paper“ // Deutschland-Start: 23. Juni 2021 (Netflix)

Stand-up-Komikerin Andrea Singer (Iliza Shlesinger) ist es gewohnt, dass ihr auf der Bühne die Herzen zufliegen. Meistens zumindest. Privat ist sie in Herzensangelegenheiten jedoch weniger erfolgreich unterwegs, nicht zuletzt, weil die Karriere immer an erster Stelle stand. Doch dann begegnet sie eines Tages im Flieger Dennis Kelly (Ryan Hansen). Man ist sich auf Anhieb sympathisch, trifft sich immer wieder. Irgendwann wird aus der Freundschaft mehr – auch wenn Andrea sich zunächst nicht ganz sicher ist, ob sie das so auch will. Hinzu kommt, dass ihre beste Freundin Margot (Margaret Cho) bald Zweifel sät. Und tatsächlich: Irgendetwas scheint mit Dennis nicht zu stimmen. Immer wieder verstrickt er sich in Widersprüche oder verhält sich eigenartig. Da wird es höchste Zeit, der Sache mal auf den Grund zu gehen …

Von der Bühne auf die Leinwand

Beispiele für Künstler und Künstlerinnen, die sowohl mit Standup Comedy wie auch Schauspielerei Erfolg hatten, gibt es natürlich nicht zu wenige. Steve Martin oder Eddie Murphy, Jim Carrey oder Melissa McCarthy – nur einige der vielen illustren Namen, die mehrgleisig Karriere machten. Das ist natürlich irgendwie naheliegend. Wer das nötige Timing und Talent hat, auf der Bühne witzig zu sein, dem sollte das doch auch vor der Kamera gelingen. Und so ist es dann kein Wunder, dass Iliza Shlesinger inzwischen ebenfalls sehr verstärkt eine Filmkarriere anstrebt. Zuletzt spielte sie unter anderem in Pieces of a Woman und Spenser Confidential mit, wenngleich bislang überwiegend Nebenrollen drin waren.

Mit Good on Paper soll sich das nun ändern. Bei der Komödie, die wie viele ihrer Comedy-Specials bei Netflix erscheint, übernimmt sie nicht nur ihre erste Hauptrolle. Als Produzentin und Drehbuchautorin bestimmt sie maßgeblich den Film und ihre Figur mit. Dabei zeigt Shlesinger Sinn für etwas Selbstironie. Schließlich verkörpert sie hier eine Stand-up-Komikerin, die seit Jahren vergeblich versucht, als Schauspielerin Fuß zu fassen, sich von einem demütigenden Casting zum nächsten hangelt. Und auch sonst widersteht die US-Amerikanerin der Versuchung, sich selbst zu beweihräuchern. Andrea ist zwischenmenschlich nicht übermäßig geschickt, voller Selbstzweifel, zum Teil oberflächlich. Sie ist ja nicht einmal sonderlich sympathisch.

Erscheint besser, als es ist

So etwas kann ganz interessant sein. Bei Good on Paper führt es aber eher dazu, dass sich das Bedürfnis doch arg in Grenzen hält, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Andrea ist gleichzeitig anstrengend und langweilig – keine besonders gute Kombination, wenn es darum geht, das Publikum für sich gewinnen zu wollen. Etwas besser wird es, wenn die Geschichte mit Dennis mal Fahrt aufnimmt. Wer ist dieser Mann, der nach außen hin so perfekt erscheint, vom wenig bemerkenswerten Aussehen einmal abgesehen? Was hat er zu verbergen? Zeitweise geht das ein wenig in die Krimirichtung, wenn sich Andrea und Margot auf einmal für Detektivinnen halten und dem Mann hinterherspionieren. Dass sie darin nicht übermäßig kompetent sind, lässt sich verschmerzen. Es passt sogar zu einem Film, der kontinuierlich daran erinnert, dass das hinter der Fassade alles nicht so toll ist.

Leider gilt das aber auch für den Film an sich. Die Idee, dass da ein Mann vorgibt, mehr zu sein, als er eigentlich ist, die ist im Grundsatz gut. Allerdings braucht Good on Paper viel zu lange, bis dieses Thema tatsächlich auch mal an die Reihe kommt. Es ist nicht einmal so, dass die Komödie die Zeit nutzt, um sich groß mit der Beziehung auseinanderzusetzen. Viel zu oft geht es dann doch um ganz andere Themen wie eben Andreas Karriere oder auch die Freundschaft zu Margot. Dem Film fehlt einfach der Fokus und reiht irgendwie Szene an Szene, etwa die schlecht integrierten Stand-up-Auftritte der Protagonistin. An der Stelle zeigt sich, dass Shlesinger die Erfahrungen im tatsächlich narrativen Bereich fehlen. Während es auf der Bühne üblich ist, von Thema zu Thema zu springen, ohne sich groß um Übergänge zu kümmern, da hat ein Film andere Bedingungen.

Wo bleibt der Witz?

Aber es ist nicht allein die mangelnde Struktur und die herumschlingernde (Nicht-)Geschichte, welche Good on Paper schaden. Mindestens ebenso enttäuschend ist, dass der Film einfach viel zu selten lustig ist. Bemüht sind Shlesinger und ihre Kollegin Margaret Cho, selbst eine erfahrene Bühnen-Komödiantin, sicherlich. Ständig sind sie unterwegs, reden sich um Kopf und Kragen. Aber das bringt eben wenig, wenn am Ende kaum etwas davon hängenbleibt. Die vielen Stellen, an denen der Film mal tatsächlich hätte Biss zeigen können, verstreichen ungenutzt. Sympathiepunkte gibt es zwar dafür, wie sehr sich die Geschichte von den Liebeskomödie-Standards löst und tatsächlich etwas Eigenes erzählen möchte. Die Geschichte wäre in anderen Händen aber besser aufgehoben gewesen.

Credits

OT: „Good on Paper“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Kimmy Gatewood
Drehbuch: Iliza Shlesinger
Musik: Jonathan Sanford
Kamera: Giles Dunning
Besetzung: Iliza Shlesinger, Ryan Hansen, Margaret Cho, Rebecca Rittenhouse

Bilder

Trailer

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Good on Paper
In „Good on Paper“ kommt eine Standup-Komikerin mit einer Zufallsbekanntschaft zusammen und fragt sich später, ob er wirklich der ist, der er vorgibt zu sein. Die grundsätzliche Idee ist gut, der Film selbst ist es nicht. Das liegt einerseits an der herumschlingernden Geschichte, die viel zu spät ein Thema findet. Aber auch der mäßige Humor enttäuscht.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Martens

    Der Film ist einfach nur schlecht, dabei hätte er viel Potential gehabt und verdient, dass der vermeintliche „Böse“, der ist, der der ganzen selbstverliebten Frauenbagage den Spiegel vorhält und sich mit der echten „Cassandra“ (Freundin) vom Acker macht, weil ihm keine geglaubt hat.

    So Mal wieder ein typischer Frauenfilm…

    Antworten

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