Una película de policías Ein Polizei Film Netflix
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Ein Polizei-Film

Inhalt / Kritik

Una película de policías Ein Polizei Film Netflix
„Ein Polizei-Film“ // Deutschland-Start: 5. November 2021 (Netflix)

Schon in den ersten Sekunden macht Regisseur Alonso Ruizpalacios klar, dass in Ein Polizei-Film gespielt wird: Das tiefe Einatmen einer Frau, auf welches erwartungsgemäß ein lauter Schrei folgen sollte, mündet mittels elegant eingesetztem Crossfading im Klang der Sirene eines Streifenwagens. Visuell wird das von flackernden Farben auf verschwommenen Hintergrund begleitet, bis sich blau-rotes Licht der Rundumkennleuchte eines mexikanischen Polizeiautos herauskristallisiert. Das alleine rechtfertigt natürlich noch keinen Silbernen Bären für einen herausragenden künstlerischen Beitrag auf der Berlinale, weshalb nach einer viel zu langen Minute noch ein Gedicht eingeblendet wird.

Für die nächsten paar Minuten bleiben wir mit der Kamera auf dem Rücksitz, während sich das Geschehen vor uns entfaltet, bevor wir dann endlich aussteigen und eine Polizistin in einen Hinterhof begleiten, nur um kurz danach die Tür vor der Nase zugeschlagen zu bekommen – immerhin können wir noch durch die Glasscheiben äugeln. Weder wir noch die Kamera noch die Beamtin sollten überhaupt hier sein, schließlich hat die bertoffene Familie während der letzten zwei Stunden versucht, einen Krankenwagen anzufordern: Eine Frau liegt in den Wehen. Angesichts der Dringlichkeit bleibt es nicht nur beim Freund, die Polizistin wird kurzerhand zum Geburts-Helfer.

Ein bisschen viel auf einmal

Das ist nur der Auftakt zum ersten Kapitel, I. Teresa. Spätestens im zweiten Kapitel, welches ihrem Lebenspartner gewidmet ist, wird wohl auch dem letzten Zuschauer klar werden, dass in Ein Polizei-Film nicht alles so ist, wie es zunächst scheint, für den Fall, dass das nicht bereits wesentlich früher festgestellt wurde. Schließlich blickt die Polizistin öfter direkt in die Kamera und erzählt von ihrem Werdegang, während um sie herum Szenen nachgestellt werden. Das wird in II. Montoya zwar beibehalten, es ist aber eher eine unrealistische Sequenz, welche dazu führt, der Sache auf die Schliche zu kommen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit beiden als Paar, mit der „Liebes-Streife“, wie sie intern genannt werden. Nach etwa einer Stunde kommt aufgrund eines (fingierten) Generatorausfalls die große Enthüllung, welche gleichsam das vierte Kapitel einleitet. Teresa und Montoya gibt es zwar wirklich, in Ein Polizei-Film hat der Zuschauer bisher allerdings nur Mónica Del Carmen beziehungsweise Raúl Briones gesehen – Schauspieler, welche in die Rollen der Vorgenannten schlüpften. Die Vorbereitung dauerte 101 Tage, während derer sie etwa das Training an einer echten Polizeiakademie absolvierten oder Beamte auf Streife begleiteten.

Der passendere Titel wäre Drei Polizei-Filme gewesen, vielleicht war Ruizpalacios aber nur zu faul und hat deshalb alles in ein Werk gepackt statt eine Trilogie daraus zu machen (oder er wurde Opfer einer „defund the police movie maker“-Kampagne). Das ist alles allerdings keineswegs inkompetent oder langweilig, es ist handwerklich sogar fraglos solide gemacht; die Einzelteile sind geschickt miteinander verwoben, die Übergänge flüssig. Einblicke in das mexikanische Polizeisystem, samt Vorurteilen und Fakten, dramatisierte Szenen, Einblicke in die Rollenvorbereitung von Schauspielern – es fühlt sich am Ende doch alles ein wenig zu viel an.

Credits

OT: „Una película de policías“
Land: Mexiko
Jahr: 2021
Regie: Alonso Ruizpalacios
Drehbuch: David Gaitán, Alonso Ruizpalacios
Musik: Javier Nuño, Joe Rodriguez
Kamera: Emiliano Villanueva
Mitwirkende: Mónica Del Carmen, Raúl Briones

Bilder

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„Ein Polizei-Film“ ist ein solider Mix aus Mockumentary, Dokumentation und Drama. Das Werk fühlt sich in jedem der Genres wohl, insgesamt ist es aber vielleicht doch ein wenig überfrachtet.
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