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Sicherheit Security Netflix

„Sicherheit“ // Deutschland-Start: 16. Juni 2021 (Netflix)

In Forte Dei Marmi bleibt man gerne unter sich, die Nobelgegend ist geprägt von luxuriösen Villen. Als ausgerechnet dort eine junge Frau mit zahlreichen Verletzungen umherläuft, hält sich die Begeisterung der vermögenden Anwohner daher entsprechend in Grenzen. Eigentlich will man damit nichts zu tun haben. Ein Schuldiger ist schnell gefunden, zumindest für die Polizei. Schließlich ist Walter Spezi (Tommaso Ragno), der Vater der jungen Frau, schon einmal aufgefallen. Doch Roberto Santini (Marco D’Amore), der sich um die Sicherheit der Häuser kümmert und ein riesiges Überwachungsnetzwerk aufgebaut hat, ist sich nicht sicher, ob nicht vielleicht doch jemand anderes dahintersteckt …

Der Abgrund hinter der Fassade

Manchmal, so lehrt uns der Netflix-Film Sicherheit, kann das Äußere täuschen. Das gilt nicht nur für die Elite-Umgebung von Forte Dei Marmi, bei der hinter dem schicken Äußeren so mancher Abgrund wartet. Auch der Film selbst ist nicht ganz das, was man davon erwarten wollte. Vielfach als Thriller verkauft, geht die italienische Produktion eigentlich in eine andere Richtung. Oder besser: Sie geht in so viele Richtungen, dass am Ende nicht mehr viel bleibt von dem Ersteindruck. Dafür werden hier zahlreiche Fragen beim Publikum aufgeworfen. Manche davon sicherlich in der beabsichtigten Form, denn hier wollte man schon auch etwas mit Tiefgang liefern. Andere Fragen sind eher das Ergebnis weniger bewusster Vorgänge.

Zunächst hat es dabei den Anschein, als handele es sich bei Sicherheit um einen klassischen Whodunnit-Krimi. Eine Frau wurde brutal zusammengeschlagen, unter einer Reihe möglicher Täter muss der richtige ausgesucht werden. Eine wirkliche Lebensgefahr besteht dabei weder für Roberto noch die anderen Figuren. Es gibt keine Verfolgungsjagden oder anderweitige brisante Situationen. Stattdessen ist der Film relativ ruhig, sieht man einmal von den verbalen Auseinandersetzungen ab. Lediglich zum Ende hin wird dann doch einmal die Intensität erhöht, nachdem die Nerven dann so richtig blank liegen. Die Spannung des Films besteht jedoch eher in der Frage, was zuvor geschehen ist, weniger in dem, was aktuell geschieht.

Die Gesetze der Elite

Tatsächlich ging es Autor Stephen Amidon (Die süße Gier – Il Capitale Umano), auf dessen 2009 erschienener Roman Security der Film basiert, aber ohnehin um etwas anderes. Wie so oft nutzte der US-Amerikaner seine Geschichte, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Vor allem die Reichen und Schönen kommen bei ihm so gar nicht gut weg, wenn sie sich selbst längst eine eigene Realität geschaffen haben, in denen ganz eigene Regeln gelten. Wer Geld hat, kann in dieser eigentlich machen, was er will. Das bringt auch ein eigenes Menschenbild mit sich, wenn alle, die nicht Teil dieser Welt sind, als minderwertig angesehen werden. Ein bloßes Mittel zum Zweck, das man nach Belieben verwenden kann.

Regisseur Peter Chelsom (Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück) versucht dann auch, die Balance aus diesen beiden Grundbausteinen zu halten. So ist bei Sicherheit die Suche nach dem Täter zweifelsfrei der Antrieb für die Geschichte. Ohne den Vorfall der misshandelten Frau gäbe es keinen Anlass, hinter die Fassade zu schauen. Doch diese Suche rückt zwischenzeitlich schon sehr in den Hintergrund, wenn es in dem Film vorrangig darum geht, ein Porträt der in der Nobelgegend lebenden Menschen zu zeichnen – und damit eben von der gesamten Gesellschaftsschicht, für die man hier steht. Wenn hier jemand brutal zusammengeschlagen wird, dann ist das nicht allein ein Einzelfall, sondern vielmehr das Symptom einer grundsätzlichen Spaltung.

Zäh und verworren

Als Idee war das eigentlich ganz reizvoll. Der fertige Film ist es jedoch weniger. Ein Problem dabei ist, wie sehr sich Sicherheit in den vielen Nebengeschichten verzettelt. Auch wenn es natürlich schön ist, mehr über die Menschen zu erfahren und auf diese Weise die Themen noch weiter zu vertiefen: Das wird teilweise schon recht zäh und unnötig verworren, wenn die Hauptgeschichte nicht mehr vorankommt. Hinzu kommt, dass die Auflösung enttäuscht. Das betrifft jedoch weniger den Täter, der in der Hinsicht schon ganz gut passt. Der Ablauf der Tat ist aber so bescheuert, dass man sich im Nachhinein darüber ärgern darf, so lange darauf gewartet zu haben. Ein paar spannendere Einblicke gibt es durchaus, dazu schöne Bilder einer in sich abgeschlossenen Welt. Aber das reicht nicht aus, um aus dem italienischen Film mehr als Durchschnitt zu machen.

Credits

OT: „Security“
Land: Italien
Jahr: 2021
Regie: Peter Chelsom
Drehbuch: Peter Chelsom, Tinker Lindsay, Michele Pellegrini
Vorlage: Stephen Amidon
Musik: Andrea Farri
Kamera: Mauro Fiore
Besetzung: Marco D’Amore, Maya Sansa, Silvio Muccino, Valeria Bilello, Ludovica Martino, Giulio Pranno, Tommaso Ragno, Fabrizio Bentivoglio, Beatrice Grannò, Antonio Zavatteri

Trailer

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Sicherheit
„Sicherheit“ beginnt mit der Frage, wer eine junge Frau brutal zusammengeschlagen hat, und wandelt sich anschließend in das Porträt einer Eliteschicht, bei der Geld im Übermaß vorhanden ist, Moral dafür gar nicht. Die Balance aus Krimi und Gesellschaftsporträt ist nicht immer ganz ausgewogen. Und auch das Ende trägt dazu bei, dass die Romanadaption enttäuscht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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