Diorama Netflix
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Diorama

Diorama Netflix
„Diorama“ // Deutschland-Start: 6. September 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als Frida (Pia Tjelta) und Björn (David Dencik) sich kennenlernen, könnten sie glücklicher kaum sein. Da haben sich zwei fürs Leben gefunden, so denken sie zumindest. Sie werden ein Paar, heiraten, wollen eine Familie gründen und ihr Leben lang füreinander da sein. Die anfängliche Euphorie macht mit der Zeit jedoch Ernüchterung Platz. Spätestens als mehrere Kinder da sind, ist von der großen Leidenschaft nicht mehr viel zu spüren. Monotonie hat ihren Einzug erhalten, statt Liebesbekundungen gibt es Streitigkeiten und Zweifel. Und so müssen sie sich irgendwann mit der Frage befassen: Wollen und können sie überhaupt noch zusammenbleiben?

Was nach der Liebe kommt

An Liebesfilmen mangelt es auf Netflix bekanntlich eher weniger. So erschienen zuletzt etwa Love In The Villa, That’s Amor oder Royalteen. Und auch wenn diese natürlich unterschiedliche Geschichten erzählen, sie zudem von der Tonalität her sehr verschieden sein können – von humorvoll bis ernst –, eines haben sie fast immer gemeinsam: Es geht um zwei Menschen, die am Anfang des Weges stehen, den sie zusammen zurücklegen wollen. Da geht es um erste Gefühle und Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen, bevor sie ein Paar werden können. Sehr viel seltener sind Filme, bei denen es um bereits bestehende Paare und ihren Alltag geht. Aus gutem Grund: Das ist oft sehr viel weniger romantisch, wie auch der neue Film Diorama beweist.

Genauer befasst sich Tuva Novotny, die als Schauspielerin bekannt geworden ist, aber auch bei Filmen wie Britt-Marie war hier Regie führte, mit zwei Leuten, deren glückliche Tage von sehr begrenzter Dauer sind. So darf das Publikum am Anfang zwar sehen, wie die zwei sich kennenlernen und dabei kräftig die Funken fliegen. Aber das ist eben nur ein vorübergehender Zustand. Diorama erzählt überwiegend von der Zeit, wenn das alles nicht mehr so toll zwischen ihnen läuft. Mit den üblichen Liebesfilmen, die der Streamingdienst im Dutzend verkauft, hat das wenig zu tun. Was die schwedische Regisseurin und Drehbuchautorin hier zu erzählen hat, ist mindestens ernüchternd, teils deprimierend und zumindest an manchen Stellen tieftraurig.

Ruhig und traurig

Dabei verzichtet sie auf manipulative Melodramatik. Stattdessen ist ihr Film bemerkenswert sachlich und betont unspektakulär. Die große Ausnahme sind die recht skurrilen Verweise auf die Tierwelt, die zwischendurch eingebaut werden. Diese dienen dem Vergleich mit dem menschlichen Verhalten und gehen mit der Frage einher: Ist das mit der Monogamie eigentlich sinnvoll und natürlich? Schließlich sind Zweierbeziehungen im Tierreich nicht die Norm. Man sollte in der Hinsicht aber nicht zu viel erwarten. Auch wenn Diorama das Thema von offenen oder polygamen Beziehungen anspricht, ist das nicht der eigentliche Fokus. Wichtiger ist das Paar, das von Tag zu Tag weniger wird und dem wir dabei zusehen, wie es mit sich selbst bzw. einander zu kämpfen hat.

Das wird sicherlich nicht allen Zuschauern und Zuschauerinnen gefallen. Als wäre das Thema einer zerbrechenden Beziehung nicht auch so schon traurig genug, ist das Tempo des Films ziemlich gering. Diorama ist nicht für ein Publikum geeignet, das es eilig hat oder auch definitive Antworten braucht. Die hat Novotny gar nicht. Dafür aber ein Ensemble, das der Geschichte die notwendige Menschlichkeit mitgibt. Pia Tjelta und David Dencik (Der Kastanienmann) funktionieren sehr gut als zwei Leute, die nicht miteinander funktionieren. Wie bei „echten“ Dioramen, die beispielsweise Tiere in einer nachgestellten Landschaft zeigen, wird das Drama zu einer Art Ausstellung menschlichen Verhaltens. Nur ist es eines, bei dem man am Ende weniger fasziniert ist als vielmehr mitgenommen und enttäuscht darüber, dass das Leben dann doch nicht so funktioniert wie in einem Liebesfilm.

Credits

OT: „Diorama“
Land: Schweden
Jahr: 2022
Regie: Tuva Novotny
Drehbuch: Tuva Novotny
Kamera: Sophie Winqvist
Besetzung: Pia Tjelta, David Dencik, Morgan Alling, Anna Lagerkvist, Dag Andersson, Sverrir Gudnason, Claes Bang, Gustav Lindh

Trailer

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Diorama
Fazit
„Diorama“ beginnt als Liebesrausch, aus dem immer mehr ein Kater danach wird. Weitgehend unspektakulär und langsam erzählt, ist das Drama das Porträt eines Paares, das sich zunehmend auseinanderlebt und an der Monotonie zugrunde geht. Schön ist das nicht, aber gut gespielt und zumindest an manchen Stellen tieftraurig, ohne sich billiger Manipulationen bedienen zu müssen.
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