Kritik

Love Wedding Repeat Netflix

„Love Wedding Repeat“ // Deutschland-Start: 10. April 2020 (Netflix)

Obwohl sie sich gerade erst kennengelernt haben, ist da sofort eine ganz spezielle Verbindung, davon ist Jack (Sam Claflin) überzeugt. Aber noch bevor er Dina (Olivia Munn) etwas sagen kann, muss er schon weg, weiter zum Flieger. Ein Jahr ist seither vergangen, aber noch immer grübelt er der verpassten Gelegenheit wegen nach. Da trifft es sich doch eigentlich ganz gut, als sie sich bei der Hochzeit von Jacks Schwester Hayley (Eleanor Tomlinson) wiedersehen. Aber schon wieder geht alles schief: Mal nervt Jacks Ex-Freundin Amanda (Freida Pinto), dann deren neuer und überaus eifersüchtiger Freund Chaz (Allan Mustafa) oder andere Hochzeitsgäste. Und dann geht auch noch der Einsatz eines heimlichen Mittelchens nach hinten los …

Geschichten rund um Zeitschleifen sind doch immer wieder gern gesehene Formen der Unterhaltung. Die Ereignisse wieder und wieder zu erleben, kann komische Folgen haben, wie in dem Kultfilm … und täglich grüßt das Murmeltier. Man kann daraus mysteriöse Science-Fiction-Thriller à la Steins;Gate machen. Im Fall von The Endless wurde das Prinzip für einen Horrorfilm genommen, nachdenklich und tragisch. Die Beispiele könnten unterschiedlicher nicht sein, sind aber alle auf ihre Weise sehenswert, weil sie die sich wiederholenden Szenen sehr effektiv und zugleich individuell nutzen. Ein Selbstläufer sind solche Titel jedoch nicht, man kann sie auch ziemlich verhauen.

Eine verpasste Chance von Film
Die neue Netflix-Liebeskomödie Love Wedding Repeat ist einer dieser Filme, die aus dem eigentlich beliebten Format nichts zu machen verstehen. Wobei der Vergleich ohnehin ein wenig hinkt, auch wenn das im Vorfeld so angekündigt wurde. Hier geht es eben nicht darum, dass Figuren bewusst ein und die selbe Szene mehrfach durchmachen, auf der Suche nach der „richtigen“ Version. Dieser Aspekt findet lediglich als Voice-over statt, die darüber informiert, wie sehr Einzelaugenblicke das eigene Leben bestimmen können – teilweise ohne dass man das merkt. Bis es so weit ist, dass überhaupt mal alternative Ereignisse aufgezeigt werden, da ist der Film schon zur Hälfte vorbei.

Nun ist es durchaus legitim, sich von den offensichtlichen Erzählstrukturen solcher Zeitschleifen-Werke zu lösen und sich mehr auf die Zufälligkeit zu konzentrieren. Mein Ende. Dein Anfang. hat letztes Jahr schön vor Augen geführt, wie ein Element das andere bedingen kann, das eigene Leben letztendlich nur das Ergebnis von nicht planbaren Momenten ist. Nur sollten diese Momente dann wenigstens in irgendeiner Form sehenswert sein, egal ob sie nun schön oder traurig sind, witzig oder schockierend. Bei Love Wedding Repeat trifft nichts davon zu. Schockierend ist hier eher, was Regisseur und Drehbuchautor Dean Craig für erzählenswert hielt.

Ich will diese Leute nicht sehen …
Ein entscheidendes Problem des Films sind dabei die Figuren. Am ehesten geht noch Jack durch, der sich um seine Schwester kümmert und sich etwas ungeschickt dabei anstellt, seine Traumfrau anzusprechen. Das ist irgendwie süß. Ansonsten schwanken die Charaktere zwischen langweilig und nervig, einige sind sogar eine absolute Zumutung. Jede Szene mit Chaz ist beispielsweise eine Szene zu viel. Gleiches gilt für Marc (Jack Farthing) als psychopathische Bekanntschaft von Hayley. Damit einher gehen reihenweise Witze, die nun wirklich nicht hätten sein müssen. Mal kündigen sie sich – aufgrund mangelnder Abwechslung – viel zu früh an, mal verstehen sie Humor so, dass jemand sich irgendwie peinlich verhält. Muss reichen.

Tut es aber nicht, ebenso wenig die eher alibimäßig eingestreuten Gedanken zu Liebe und Zufälligkeit. Am Ende nutzt Love Wedding Repeat den alternativen Ablauf lediglich, um dem Publikum mit auf den Weg zu geben: Verpasse deine Chancen nicht! Das ist jedoch so dünn, dass man hierbei kaum von einer Erkenntnis sprechen kann. Es reibt eher Salz in die Wunde, dass man nicht vorzeitig, etwa beim ersten unerträglichen Witz, ausgeschaltet hat. Über weite Strecken ist der Film glücklicherweise nicht ganz so schlimm, wie sich hier das anhört. Es gibt eher viel öden Leerlauf, der durch vereinzelte Tiefpunkte unterbrochen wird. Wer mag, schaut sich das hier des attraktiven Ensembles wegen an. Ansonsten ist es schwierig, dieser Liebeskomödie etwas abzugewinnen, die weder komisch noch romantisch ist, auch nicht ansatzweise so clever, wie sie für sich in Anspruch nimmt.

Credits

OT: „Love Wedding Repeat“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Dean Craig
Drehbuch: Dean Craig
Kamera: Hubert Taczanowski
Besetzung: Olivia Munn, Sam Claflin, Freida Pinto, Eleanor Tomlinson, Jack Farthing, Allan Mustafa, Jack Farthing, Tim Key

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Love Wedding Repeat
3.92 (78.33%) 12 Artikel bewerten

Love Wedding Repeat
Stell dir vor, du musst eine Hochzeit mit lauter furchtbaren Leuten durchstehen. Hört sich schlimm an? Ist es auch. „Love Wedding Repeat“ versucht sich als Liebeskomödie über Zufälle und verpasste Chancen, ist aber letztendlich weder komisch noch romantisch. Vielmehr fällt das hier durch grausame Witze und lange Phasen der Langeweile auf.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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