Carter Netflix
© Son Ik-chung/Netflix

Carter

Carter Netflix
„Carter“ // Deutschland-Start: 5. August 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als Carter (Joo Won) zu sich kommt, kann er sich an nichts erinnern, weiß nicht, wer er ist, oder was ihn an diesen Ort gebracht hat. Zeit zum Nachgrübeln hat er jedoch nicht, dafür sorgt die Stimme in seinem Kopf. Diese befiehlt ihm, sich auf den Weg zu machen und ein Mädchen namens Jung Ha-na (Kim Bo-min) zu eskortieren. Tut er dies nicht, ist er tot. Macht er irgendwas anderes oder widersetzt sich den Anweisungen, ist er tot. Aber dafür gibt es einen guten Grund, weshalb das Mädchen beschützt werden muss: Sie ist das einzige Gegenmittel gegen ein Virus, das bereits in den USA und Nordkorea gewütet hat und nun auch Südkorea bedroht. Das wissen auch andere, weshalb Carter schon bald von zahlreichen Leuten verfolgt wird, die ihn kalt machen wollen …

Viel Action, kaum Inhalt

Wenn in Filmen oder Serien die Hauptfigur zu Beginn der Geschichte ohne jegliche Erinnerung zu sich kommt, dann ist die Absicht klar: Das Publikum soll parallel zum Protagonisten bzw. der Protagonistin Puzzleteile einsammeln, diese nach und nach zusammensetzen, bis sich am Ende ein Bild ergibt. The Girl In The Water war kürzlich ein Beispiel dafür, wie so etwas aussehen kann. Die Spannung besteht meistens darin, dass Spuren gesucht und dabei Rätsel gelöst werden müssen. Theoretisch geht der Netflix-Film Carter in eine ähnliche Richtung, wenn auch hier die Titelfigur an Amnesie leidet und sich wirklich an nichts erinnern kann. Und doch könnte das hier unterschiedlicher kaum sein, wenn aus einem ruhigen Mystery-Thriller ein Actionspektakel wird.

Am Anfang darf noch ein bisschen geplaudert werden, so zur Exposition. Aber schon kurze Zeit später wird das Tempo drastisch angehoben. Zum Reden ist dann keine Zeit mehr. Zum Überlegen sowieso nicht. Regisseur und Drehbuchautor Jung Byung-gil (The Villainess) hat daran aber auch kein Interesse, wie er früh unter Beweis stellt. Anstatt sich um die Frage zu kümmern, wie denn die Vorgeschichte unseres gedächtnislosen Carter aussieht, lässt er diesen lieber im Sekundentakt gegen neue Feinde antreten. Auch das Drumherum mit dem Virus ist erstaunlich nebensächlich. Es wird lediglich als Anlass gebraucht, warum es diese ganzen Actionszenen gibt. Man hätte die Einleitung sogar gleich ganz weglassen können, ohne dass es einen nennenswerten Unterschied gemacht hätte.

Mehr Computerspiel als Film

Nun müssen Actionfilme natürlich nicht zwangsläufig ausgefeilte Geschichten erzählen. Der Zielgruppe solcher Streifen ist es wichtiger, dass es optisch einiges geboten bekommt. Bei Carter ist das durchaus der Fall, auch wenn der Anblick gewöhnungsbedürftig ist. Jung versucht sich hier an einer One-Shot-Optik, sprich ohne erkennbare Schnitte. So etwas kann ganz aufregend sein, wie es beispielsweise der deutsche Thriller Victoria vorgemacht hat. Richtig angewandt entsteht das Gefühl einer Echtzeit und einer damit verbundenen Rastlosigkeit. Bei der südkoreanischen Produktion ist das Ergebnis jedoch nicht so ganz überzeugend. Zum einen sind die Tricks recht offensichtlich. Insgesamt sieht das hier alles ein bisschen billig aus – und extrem künstlich. Das hat mehr von einem Computerspiel als von einem Film.

Phasenweise kann das unterhaltsam sein. Auf über zwei Stunden ausgedehnt wird dieses Gimmick aber vor allem anstrengend. Auch wenn der Verzicht auf Ruhepausen oder narrative Passagen gewollt und legitim war, Jung tat damit weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen. Die an und für sich abwechslungsreichen Settings, wenn sich Carter durch das ganze Land kämpft, verschwimmen zu einem Brei aus Farben, der schon weit vor Schluss nach nichts mehr schmeckt. Immerhin, aus dem Gros der Genrebeiträge sticht dieser Actionfilm schon hervor. Er ist nur nicht unbedingt besser, zumal die Kämpfe vor allem auf Hektik setzen anstatt auf Choreografie. Da hat das diese Woche gestartete Bullet Train doch mehr zu bieten. Und auch im Hinblick auf die Spannung wäre hier mehr wünschenswert gewesen.

Credits

OT: „Carter“
Land: Südkorea
Jahr: 2022
Regie: Byung-gil Jung
Drehbuch: Byung-gil Jung, Byeong-sik Jung
Besetzung: Won Joo, Sung-jae Lee, So-ri Jeong, Bo-min Kim

Bilder

Trailer

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Carter
Fazit
Wenn sich ein Mann ohne Gedächtnis durch das Land kämpft, bedeutet das in erster Linie Action. Phasenweise macht das Non-Stop-Gekloppe schon irgendwie Spaß. Mit der Zeit ist „Carter“ aber in erster Linie anstrengend, zumal die zahlreichen sehr künstlich aussehenden Kämpfe in erster Linie auf Hektik setzen, weniger auf Choreografie.
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