Trailer Park Boys The Animated Series Netflix

„Trailer Park Boys: The Animated Series – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 31. März 2019 (Netflix)

Das hatten sich Julian, Ricky, Bubbles und die anderen ein wenig anders vorgestellt. Sicher, dass ihre Pläne nicht ganz aufgehen und sie am Ende im Knast landen, das sind sie schon gewohnt. Eigentlich passiert ihnen das andauernd. Doch dieses Mal ist etwas anders: Sie sind zu Cartoon-Figuren geworden. Haben sie vielleicht doch den einen oder anderen Pilz zu viel genommen? So oder so, irgendwie müssen sie es schaffen, zurück in das normale Leben zu kommen. Wobei es zugegeben auch den einen oder anderen Vorteil hat, nur eine animierte Figur zu sein, wie sie bald feststellen dürfen …

Jemand hat mal gesagt, dass wann immer den Autoren von fortlaufenden Komödien – egal ob nun Sitcom oder Filmreihen – nichts Neues mehr einfällt, schicken sie ihre Protagonisten auf Reisen. Wenn es schon keine neuen Witze mehr gibt, können wir ja vielleicht die alten in einer neuen Umgebung erzählen? Der Verdacht drängt sich auch bei Trailer Park Boys: The Animated Series auf, handelt es sich doch offiziell um die nunmehr 13. Staffel der kanadischen Serie Trailer Park Boys. Und solche Dauerbrenner gehen bekanntlich oft mit kleinen Ermüdungserscheinungen einher.

Moment, was machen wir hier?
Zumindest die erste Folge der Netflix-Serie stimmt dann aber doch optimistisch, dass der Mediumwechsel tatsächlich eine Inspirationsquelle für neue Gags sein könnte. Die Jungs sind nämlich nicht einfach nur animiert. Sie sind sich auch bewusst, dass sie animiert sind. Das ist für sie verständlicherweise eine äußerst verwirrende, sogar eine klein wenig beängstigende Erfahrung. Gleichzeitig ist sie aber auch aufregend, schließlich können sie dadurch Dinge tun, die ihnen vorher nicht möglich waren. Also heißt es, eigene Grenzen austesten, ein bisschen wie es Shazam! gerade im Kino tut.

Dieser Meta-Aspekt geht jedoch sehr schnell wieder verloren. Entweder haben es die Jungs später völlig vergessen, dass sie ja eigentlich zurück in die Realität wollten. Oder es ist ihnen egal. So oder so ist es schade, dass nach dem vielversprechenden Auftakt diese Idee gleich wieder fallengelassen wird. Das Potenzial einer Animationsserie wird im Anschluss kaum noch genutzt, allenfalls um Dinge optisch umzusetzen, welche im Original nicht funktioniert hätten – darunter eine absurde Begegnung mit einem Bandwurm.

Hi hi, er hat Schwanz gesagt!
Das alleine macht Trailer Park Boys: The Animated Series aber nicht sehenswert. Oder auch witzig. Es ist sogar der äußerst schwache Humor, der die Serie zu einer ziemlichen Tortur werden lässt. Witze bedeutet bei dem Drehbuchteam in erster Linie, irgendwelche Flüche einzubauen, verpixelte Geschlechtsteile oder dass irgendwer irgendwem irgendwie in den Arsch fickt. Und sei es verbal. Für diese Form des pubertären Humors gibt es mit Sicherheit eine Zielgruppe, vor allem in Ländern, in denen schon der bloße Gedanke an Sex ein Kichern bis Grölen auslöst. Der Rest darf sich fragen, wann die 10-folgige Dauerlangeweile denn auch mal komisch wird, so wie versprochen.

Wenn wenigstens die Optik irgendetwas Interessantes anstellen würde. Aber auch da ist Trailer Park Boys: The Animated Series letztendlich nur billig zusammengeschusterte Wegwerfware. Animationen sparte man sich wie so oft in diesem Segment, Detailarbeit an den Hintergründen sollen doch andere machen. Hätte man die Steilvorlage der dauernden Drogendelikte wenigstens zum Anlass genommen, visuell mal die Sau rauszulassen und ein bisschen verrückt zu werden. Fehlanzeige, die Macher zeigen sich an der Stelle ebenso einfallslos und altbacken, diesen Comedy-Ausflug ins kanadische Hinterland kann man sich getrost sparen.



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Trailer Park Boys: The Animated Series – Staffel 1
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Trailer Park Boys: The Animated Series – Staffel 1
„Trailer Park Boys“ als Animationsserie, wozu? Anfangs wirkt die Variante des kanadischen Dauerbrenners tatsächlich vielversprechend, wenn der Wechsel ins andere Medium mit einigen Meta-Gags einhergeht. Doch damit ist bald schon Schluss, danach gibt es nur noch Drogen-Sex-Gewalt-Witze, die ebenso einfallslos und langweilig sind wie die billig zusammengeschusterte Optik.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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