Lionheart

„Lionheart“ // Deutschland-Start: 4. Januar 2019 (Netflix)

Mit viel Schweiß und Mühe hat Ernest Obiagu (Pete Edochie) sein Transportunternehmen Lionheart aufgebaut. Doch nun steht dieses vor einem doppelten Umbruch. Ernest leidet seit einiger Zeit bereits an gesundheitlichen Problemen und überlässt seine Firma deshalb seiner Tochter Adaeze (Genevieve Nnaji) und seinem Bruder Godswill (Nkem Owoh). Und damit auch gewaltige Probleme: Lionheart steht vor dem Bankrott, nur wenig Zeit bleibt noch, um den Untergang zu verhindern. Also versuchen die zwei jeweils auf eigene Weise, an das benötigte Geld zu kommen. Aber das ist leichter gesagt denn getan, immer wieder stoßen sie dabei auf Schwierigkeiten und machen die seltsamsten Erfahrungen.

Während Netflix bei den Versuchen, die Welt zu erobern, regelmäßig neuen Content aus den USA, Europa und zunehmend aus Asien und Südamerika mitbringt, ist Afrika dabei nach wie vor ein Terra Incognita. Es gab die Dokumentation City of Joy über eine Fraueneinrichtung im Kongo und die südafrikanische Liebeskomödie Catching Feelings. Das war dann aber auch schon die Ausbeute der letzten Monate. Allein deshalb schon durfte man ein bisschen auf Lionheart neugierig sein, der erste nigerianische Film des Streaminganbieters.

Universelles aus Afrika
Wer sich allerdings davon erhoffte, einen wirklichen Einblick in das Leben Afrikas zu erhalten, der wird enttäuscht. Vielmehr erzählt Lionheart, das auf dem Toronto International Film Festival 2018 seine Premiere feierte, eine recht gewöhnliche Geschichte, wie man sie auf allen Erdteilen vorfinden könnte. Wobei es genau genommen zwei Aspekte sind, die der Regisseurin, Co-Autorin und Hauptdarstellerin Genevieve Nnaji hier wichtig sind und die sie miteinander zu verknüpfen versucht.

Der spannendere der beiden – und der deutlich aktuellere – ist der Umgang mit Frauen. Der lässt bekanntermaßen häufiger zu wünschen übrig, gerade auch im geschäftlichen Umfeld. Erschwerend kommt bei Lionheart hinzu, dass das Transportgewerbe nicht unbedingt mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht wird. Geringschätzung ist dabei noch das geringere Problem Adaeze. An vielen Stellen wollen Männer ihre Position ausnutzen, um sich von der schönen Leiterin sexuelle Gefälligkeiten zu erpressen – ohne jegliche Scham, versteht sich.

Rettung streng nach Regeln
Während dieser leicht feministische Ansatz, dass sich eine Frau in einer Männerdomäne durchzusetzen lernt, ein paar Sympathiepunkte bringt, ist der eigentliche Kampf um die Rettung des Unternehmens ziemlich langweilig. Dass am Ende alles gut ausgeht, steht ohnehin fest. Dem immerhin fünf Köpfe starken Drehbuchteam fiel aber nichts ein, um den Weg dorthin irgendwie interessant zu gestalten. Weder die einzelnen Versuche sind originell, noch das obligatorische Scheitern. Es ist noch nicht einmal so, dass einem die Charaktere so wahnsinnig ans Herz wachsen würden, um ihretwegen bis zum Ende durchzuhalten.

Zudem leidet Lionheart darunter, dass man sich hier mal wieder für nichts wirklich entscheiden wollte. Ein bisschen Humor ist drin, ohne aber komisch zu werden. Die ernsteren Phasen führen zu keinem packenden Drama. Bei diesem Film fährt immer eine leichte Monotonie mit, wie eine routinierte Busfahrt, die man jeden Tag zu erledigen hat. Man kommt an, der Job ist erledigt. Wirklich viel Spaß macht es aber nicht und beim Blick aus dem Fenster findet man nichts, was man nicht zuvor schon viele Male gesehen hat.

Lionheart
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Lionheart
Wenn die Tochter und der Bruder eines Transportunternehmers gemeinsam die Familienfirma retten müssen, dann schlingert das anderthalb Stunden zwischen Komödie und Drama hin und her, ohne jemals irgendwo anzukommen. Das feministische Plädoyer, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen, ist sympathisch. Ansonsten ist „Lionheart“ aber kaum erwähnenswert.
5von 10

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