The Gray Man Netflix
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The Gray Man

„The Gray Man“ // Deutschland-Start: 14. Juli 2022 (Kino) // 22. Juli 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Court Gentry (Ryan Gosling), auch unter dem Codenamen Sierra Six bekannt, ist eine lebende Legende. Seitdem er von Donald Fitzroy (Billy Bob Thornton) für das CIA rekrutiert wurde, hat er unzählige Menschen getötet, einfach und effizient. Auch bei seinem neuesten Auftrag, der ihn bis nach Thailand führt, ist er erfolgreich. Und doch ist etwas anders. So drückt ihm sein sterbendes Opfer, das sich als ein Kollege von ihm herausstellt, einen USB-Stick in die Hand. Darauf befindet sich offensichtlich sehr brisantes Material. So brisant, dass ihm Denny Carmichael (Regé-Jean Page) eine Reihe weiterer Killer auf den Hals hetzt, um an den Stick zu bekommen – darunter der psychopathische Lloyd Hansen (Chris Evans). Aber auch seine Kollegin Dani Miranda (Ana de Armas) heftet sich an seine Fersen, fest dazu entschlossen, die Hintergründe herauszubekommen …

Teure Blockbuster für den Heimgebrauch

Nicht kleckern, sondern klotzen: Bei dem Versuch, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, setzt Netflix seit einiger Zeit auf eine Mischung aus viel Massenware und einzelner Aushängeschilder. Manche davon sind dazu gedacht, bei der Award Season abzuräumen und so für das begehrte Prestige zu sorgen. Andere sind hochpreisige und starbesetzte Blockbuster. The Gray Man fällt eindeutig in die zweite Sparte. Nicht nur dass hier eine Reihe namhafter Schauspieler und Schauspielerinnen vor die Kamera treten, darunter Ryan Gosling, der sich mit seinem ersten Film seit Aufbruch zum Mond (2018) zurückmeldet. Mit einem Budget von angeblich 200 Millionen US-Dollar muss der Film zudem keinen Vergleich mit Hollywood-Spektakeln scheuen. Zu gute Letzt wurden auch noch Anthony und Joe Russo für die Regie verpflichtet, die vor einigen Jahren mit dem Marvel-Event Avengers: Endgame reihenweise Rekorde aufstellten und damit den zwischenzeitlich erfolgreichsten Film aller Zeiten schufen.

Vergleichbare Zahlen wird The Gray Man natürlich nicht erreichen. Das kann er zum einen nicht wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen. Zwar wird der Film kurzzeitig auch in den Kinos zu sehen sein. Wer die Geschichte auf der großen Leinwand verfolgen möchte, was angesichts der gebotenen Schauwerte durchaus ratsam ist, sollte sich daher beeilen. Doch der Gang in die Lichtspielhäusr ist nicht mehr ein Marketingmittel, um für das Netflix-Angebot Werbung zu machen. Aber auch der Streifen selbst ist nicht wirklich dazu geeignet, um einen dauerhaften Eindruck in der Filmbranche zu hinterlassen. Denn dafür ist er trotz allen Bombasts letztendlich zu wenig bemerkenswert. Lässt man das Ganze drumherum weg, bleibt nicht sonderlich viel übrig. Es gibt hier einfach recht wenig, an das man sich im Anschluss unbedingt erinnern müsste.

Spaß-Karikatur inmitten von Nullnummern

Versucht hat man es natürlich, viele Male sogar während des etwas mehr als zwei Stunden langen Films. Doch das große Problem ist, dass die Adaption von Mark Greaneys zugrundeliegendem gleichnamigem Roman nichts und wirklich gar nichts Interessantes zu erzählen hat. Da gibt es die übliche Verschwörung, der zufolge die eigentlich schlimmen Leute bei den vermeintlich Guten hocken. Hier eben das CIA. Auch das Motiv des Killers, der selbst von Killern gejagt wird, ist nicht gerade das frischeste. John Wick war schließlich schon vor der halben Unterwelt auf der Flucht. Eine Unterwelt, die deutlich spannender ist als die, welche wir in The Gray Man zu sehen bekommen. Da machen sich zwar gleich mehrere Teams Jagd auf Six. Doch die sind überwiegend Kanonenfutter, sterben eines gewaltsamen Todes, noch bevor wir sie überhaupt wahrgenommen haben.

Zwei nennenswerte Ausnahmen gibt es. Da wäre zum einen der indische Superstar Dhanush, der zwar einen relativ kleinen Auftritt hat. Doch wenn er sich mit dem Antihelden und Miranda anlegt, dann gehört der schön choreografierte Kampf zu den Actionhöhepunkten des Films. Ebenfalls sehenswert ist Chris Evans in einer für ihn ungewohnten Rolle. Eigentlich ist der US-Amerikaner für Heldenfiguren wie Captain America bekannt. In The Gray Man hat er eine seiner seltenen Antagonistenauftritte – und genießt die Zeit sichtlich. Seine Figur ist zwar wie alle anderen sehr dünn gezeichnet. Eigentlich ist er nicht mehr als die Karikatur des psychopathischen Böses. Aber er hat jede Menge Spaß dabei, was sich auch auf das Publikum überträgt, sofern man diese Art überzogenen Superschurken mag. Nicht minder übertrieben ist so manche Actionszene, wenn die Russo-Brüder ihr Herz fürs Absurde entdecken und an der Grenze zur Parodie wandeln.

Schnittgewitter in aufwändigen Settings

Aber es sind eben auch viele sehr gewöhnliche Szenen in dem Film, die teilweise sogar langweilen. Da werden die übelsten Klischees und Konventionen abgearbeitet, so brav und profillos, dass man sich fragen darf: Wie kamen bei einem derartigen 08/15-Projekt so viele Leute zusammen? Und selbst wem Figurenzeichnung und Geschichte völlig egal sind, darf immer mal wieder enttäuscht sein, wenn auch die Actionszenen nicht unbedingt von kreativer Hand inszeniert wurden. Da gibt es die üblichen Schnittgewitter, bei denen man letztendlich praktisch nichts sieht. An manchen Stellen wird das durch die Settings wieder wettgemacht, die hier schon recht aufwändig und auch abwechslungsreich sind. Aber eben nicht immer. The Gray Man ist zwar durchaus unterhaltsam, nur eben weit von dem entfernt, was man bei dem versammelten Talent erwarten durfte. Viele wurden hier kaum bis gar nicht genutzt.

Credits

OT: „The Gray Man“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Joe Russo, Christopher Markus, Stephen McFeely
Vorlage: Mark Greaney
Musik: Henry Jackman
Kamera: Stephen F. Windon
Besetzung: Ryan Gosling, Chris Evans, Ana de Armas, Jessica Henwick, Regé-Jean Page, Wagner Moura, Julia Butters, Dhanush, Billy Bob Thornton

Bilder

Trailer

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The Gray Man
Fazit
Ein riesiges Budget, dazu bekannte Namen vor und hinter der Kamera: „The Gray Man“ will unbedingt ein Blockbuster sein, enttäuscht aber durch eine 08/15-Geschichte und nichtssagende Figuren, bei denen große Talente verschwendet wurden. Der Hang zum Absurden und ein Chris Evans, der seine Rolle als Schurken-Karikatur genießt, entschädigen aber für so manche Leerstelle.
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