© Erik Shirai/ Kohjiro Kinno

Sumo: Spirit Weighs Nothing

„Sumo: Spirit Weighs Nothing“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Sumo ist eine der traditionellen japanischen Sportarten und damit eng mit der Kultur des Landes verbunden. Seine Ursprünge lassen sich bis zum Shinto-Glauben zurückverfolgen, als die Kämpfe ausgetragen wurden, um die Gottheiten zu besänftigen oder sie zu ehren. Aufgrund dieser Bedeutung genossen Sumo-Ringer (Rikishi) ein hohes Ansehen beim Volk, da ihre Kämpfe beispielsweise über das Gelingen einer Ernte entscheiden konnten. Fürsten und reiche Geschäftsleute gehörten zu ihren Gönnern, sodass es nicht selten vorkam, dass ein Sumo-Wettkampf am Kaiserhof ausgetragen wurde. In der Edo-Zeit wurden erste Regeln für diese Kämpfe festgelegt, aber auch für die Ringer selbst, deren hohes Ansehen mit einer Vorbildfunktion für die nächste Generation einherging – eine Rolle, die Sumo-Ringer bis heute sehr ernst nehmen. Entsprechend beliebt wurde Sumo beim Volk, das in Scharen die Wettkämpfe der schwergewichtigen Kämpfer aufsuchte.

Die Popularität des Sumo ist ungebrochen, jedoch finden immer weniger junge Leute ihren Weg zu einem der traditionellen Sumo-Ställe (heya). Nach einem Höhepunkt der Anmeldungen zu Beginn der 1990er-Jahre ist die Zahl der Nachwuchsringer immer weiter zurückgegangen, nicht zuletzt wegen des Preises, den man mit seinem Körper für Sumo zahlen muss. Dennoch ist die Tradition des Sumo eine faszinierende Subkultur innerhalb Japans, vom harten Training der Ringer über ihre Wettkämpfe bis hin zur Hierarchie innerhalb des Sports. Diese Faszination versucht Regisseur Erik Shirai mit seiner Dokumentation Sumo: Spirit Weighs Nothing zu vermitteln. Wie schon in seinem Film The Birth of Saké (2015) verbindet er historische und kulturelle Aspekte des Sumo mit persönlichen Geschichten, in diesem Fall mit denen von vier Sumo-Ringern, die aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln auf den japanischen Nationalsport blicken.

Vom kleinen Giganten zum Yokozuna

Kosei Motomura hat eine der ersten großen Prüfungen vor sich. Der 15-Jährige kämpft verbissen gegen einen Gegner, der wesentlich größer und schwerer ist als er. Teils sieht es so aus, als würde sein Kontrahent ihn durch den Ring tragen, doch so leicht will sich Kosei nicht vorführen lassen – nicht vor seiner Familie, nicht vor seinen Freunden und schon gar nicht vor den anderen Schülern seines heya. Der Kampf ist lang und zäh, doch Kosei gewinnt die Oberhand und damit die Aufmerksamkeit eines Oyakata, eines Trainers in einem der Sumo-Ställe des Landes. Viele andere durchlaufen mit ihm danach die Aufnahmeprüfung und die ersten Stunden ihres Trainings, doch wahrscheinlich hätte sich Kosei nicht träumen lassen, dass eine der schwersten Prüfungen nicht im Ring, sondern vor ihm in einer Reisschüssel auf ihn warten würde. Mit nur 70 Kilo gilt der Jugendliche als Leichtgewicht und wird von einem Trainer wie auch den anderen jungen Männern zum Essen angetrieben. „Essen ist ein Talent“, gibt ihm der Oyakata zu verstehen und weist ihn an, das Essen auf keinen Fall mehr zu vergessen.

Sumo: Spirit Weighs Nothing ist das Porträt eines traditionsreichen Sports, das weder dessen Glanz noch seine Schattenseiten verdeckt. Neben Kosei kommen auch der Nachwuchsringer Daiki Yonezawaryu, der Aufsteiger Yuki Hiradoumi und der amtierende Champion Haruo Terunofuji zu Wort. Shirai begleitet die vier Männer beim Training und zu Wettkämpfen, spricht mit ihren Eltern und Freunden und erhält teils sehr intime Einblicke, wie der Sport ihr Leben und vor allem ihre Gesundheit bestimmt. Auch visuell versucht Shirai, die Faszination des Sumo einzufangen. Besonders die teilweise in Schwarz-Weiß gehaltenen Aufnahmen der Wettkämpfe verleihen den Bewegungen der Ringer eine beinahe zeitlose Qualität. Die Körperlichkeit des Sports, seine Rituale und die Konzentration der Kämpfer werden dabei ebenso hervorgehoben wie die enorme Anstrengung, die hinter jedem Kampf steckt. Erste Siege gehören ebenso zu seinem Porträt wie die ersten Niederlagen, der Aufstieg in eine höhere Liga wie auch der Abstieg nach einer Niederlagenserie. Genauso zeigt er persönliche Rückschläge, beispielsweise wie einer der jungen Männer einen folgenschweren Unfall erleidet.

Die ernüchternde Schattenseite des Sumo zeigt sich nach den Einblicken in die Gepflogenheiten des Sports. Während einer der Männer in die Liga der bezahlten Ringer aufgestiegen ist, können die angehenden Ringer nur davon träumen, es einmal so weit zu bringen und mit ihrer Passion Geld zu verdienen. Dabei ist es längst nicht allein das Training, das ihnen viel abverlangt, denn neben einem entsprechenden Auftreten sowie der Verantwortung für die jüngere Generation gehört nicht zuletzt das Essen zum Alltag der Männer. Kosei wird ermahnt, er solle sich ein paar Reisbälle in der Küche formen, die er dann essen könne, wenn er nachts aufwacht. Der junge Mann meint, er könne nicht mehr essen und ihm sei schon etwas schlecht, doch dann sieht man das Funkeln in seinen Augen. Es ist der gleiche Ausdruck wie bei dem kleinen Jungen, der einen vielfach schwereren Gegner in die Knie zwingt und über ihn triumphiert.

Credits

OT: „Sumo: Spirit Weighs Nothing“
Land: Japan, USA, UK
Jahr: 2026
Regie: Erik Shirai
Kamera: Hiroshi Hara, Erik Shirai
Musik: Rutger Hoedemaekers

Bilder

Trailer

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Sumo: Spirit Weighs Nothing
fazit
"Sumo: Spirit Weighs Nothing" ist eine faszinierende und zugleich nachdenklich stimmende Dokumentation über einen Sport, dessen jahrhundertealte Traditionen bis heute das Leben seiner Athleten bestimmen. Erik Shirai verbindet eindrucksvolle Aufnahmen der Wettkämpfe und des Trainings mit persönlichen Geschichten, die von Ehrgeiz, Disziplin und Gemeinschaft, aber auch von körperlichen und seelischen Belastungen erzählen. Gerade durch die Nähe zu seinen Protagonisten gelingt ihm ein vielschichtiges Porträt, das die Faszination des Sumo ebenso vermittelt wie den hohen Preis, den seine Ringer dafür zahlen müssen.
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