Kritik

Das machst du schon Ahí te Encargo You’ve Got This Netflix

„Das machst du schon“ // Deutschland-Start: 2. Oktober 2020 (Netflix)

Werbedesigner Alex (Mauricio Ochmann) träumt schon seit längerem davon, endlich Vater zu werden. Dummerweise will seine Frau Ceci (Esmeralda Pimentel) davon jedoch so gar nichts wissen, ist sie doch gerade beruflich auf der Überholspur. Ihr wurde sogar eine Stelle in Hongkong angeboten! Während für sie klar ist, dass sie diese Chance nutzen muss und beide dafür umziehen werden, tut sich Alex schwer mit dem Gedanken, alles aufgeben zu müssen. Als dann tatsächlich ein Kind in sein Leben tritt, bedeutet das für beide die Frage: Wie sollen sie bei diesen unterschiedlichen Zielen und Plänen noch ein gemeinsames Leben führen?

Die Männer gehen als Familienversorger zur Arbeit und verdienen das Geld, die Frauen bleiben zu Hause, um sich um Kinder und Heim zu kümmern. Diese klassische Rollenteilung wird zumindest in einigen Teilen der Welt zunehmend in Frage gestellt. Nicht nur, dass Frauen jetzt auch Karriere machen können und dürfen – sieht man einmal von der Ungleichbehandlung ab –, es wird auch langsam normaler, wenn Männer sich der Kinder annehmen, anstatt alles nur den Frauen zu überlassen. Die mexikanische Netflix-Komödie Das machst du schon nimmt das zum Anlass, einmal die Rollen zu wechseln: Während dem Klischee nach Frauen immer Nachwuchs wollen und die Männer sich dagegen sträuben, ist es hier einmal umgekehrt.

Zwei Ziele, kein Austausch
Das ist einerseits sympathisch, zumindest teilweise aber auch fragwürdig umgesetzt. Wenn Alex seine Frau immer wieder dazu drängt, ihm doch endlich mal ein Kind zu schenken und dabei auf die natürliche Mutterrolle der Frau verweist, dann ist das natürlich schon sexistisch. Doch Das machst du schon ist keine eindeutige Verurteilung des Mannes, da Ceci in der Hinsicht nicht besser ist. Während ihre Entscheidung, lieber ihre Karriere weiter zu verfolgen, anstatt ein Kind zu bekommen, noch im Rahmen der Selbstbestimmung liegt, wird sie an anderen Stellen ebenso übergriffig wie ihr Mann: Für sie gibt es nicht einmal eine Diskussion darüber, dass beide ihre Heimat verlassen und nach Hongkong gehen. Das ist in ihrem Kopf bereits ausgemachte Sache, ohne dass Alex ein Mitspracherecht hat.

Einerseits ist es löblich, wenn das Drehbuch beiden letztendlich dieselben Fehler zuschreibt. Andererseits macht es die Begegnungen der zwei sehr anstrengend, weil niemand in der Lage ist, sich auf eine tatsächliche Diskussion einzulassen und tatsächlich mit den Wünschen des anderen auseinanderzusetzen. Es ist sogar so anstrengend, dass man sich fragt, wie diese Beziehung überhaupt so viele Jahre halten konnte – von den trüben Zukunftsaussichten ganz zu schweigen. Nicht einmal mit dem Umfeld kommt es zu Gesprächen. Dort wird allein die bereits bestehende Ansicht bestätigt, was zwangsläufig jegliche Form der Entwicklung untergräbt.

Klamauk statt Tiefgang
Dass die Geschichte beim grundsätzlichen Konflikt nicht vorankommt, liegt aber auch daran, dass Das machst du schon irgendwann ein anderes Kind einführt, um das sich die Männer zu kümmern haben. Das erinnert teilweise an den französischen Komödienhit Drei Männer und ein Baby, als drei völlig überforderte Freunde sich auf einmal um Windelwechseln und Fläschchengeben kümmern mussten. Der mexikanische Film ist an der Stelle zwar komisch gemeint, ist es aber nicht wirklich, auch weil diese Witze eben schon Jahrzehnte alt sind. Wenn Alex dieses Baby geheim halten muss, damit Ceci nichts davon erfährt, wird es nicht wirklich besser, da ist schon viel Klamauk dabei.

Insgesamt holt Das machst du schon damit zu wenig aus dem eigentlich interessanten Stoff heraus. Dass es zum Schluss auf ein Happy End hinauslaufen wird, das weiß man natürlich schon: Trotz der plötzlichen tragischen Elemente, die sich in der zweiten Hälfte häufen, wollte das mexikanische Team schließlich einen Wohlfühlfilm mit einer positiven Message. Man hatte nur keine Lust, dafür wirklich arbeiten zu müssen. Also wird dann nur ein bisschen geradegebogen und ein Kompromiss hineingezwungen, damit es irgendwie aufgeht. Wen das nicht stört, der kann sich mit dieser netten Tragikomödie berieseln lassen, die sich zwar schon progressiv gibt, der jedoch Mut und Ambition fehlen für mehr als seichte Unterhaltung.

Credits

OT: „Ahí te Encargo“
IT: „You’ve Got This“
Land: Mexiko
Jahr: 2020
Regie: Salvador Espinosa
Drehbuch: Tiaré Scanda, Leonardo Zimbrón
Musik: Franco Medina-Mora
Kamera: Andrés León Becker
Besetzung: Mauricio Ochmann, Esmeralda Pimentel, Matteo Giannini, Regina Reynoso, Tato Alexander, Moisés Arizmendi

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Das machst du schon
Ein Mann will unbedingt Kinder, seine Frau die Karriere: „Das machst du schon“ dreht die alten Geschlechterbilder um und macht daraus eine Komödie mit später tragischen Elementen. Während die Idee an sich sympathisch ist, ist die fehlende Auseinandersetzung enttäuschend bis ärgerlich. Anstatt tatsächlich die Diskussion zu suchen, gibt es Klamaukhumor und ein erzwungenes Happy End.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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