Kritik

Pokemon Mewtwo Strikes Back Evolution

„Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2020 (Netflix)

Das hatten sich Dr. Fuji und sein Team anders vorgestellt: Eigentlich war der Plan gewesen, das legendäre Pokémon Mew zu klonen, um auf diese Weise eine mächtige Waffe herstellen zu können. Doch hatte keiner von ihnen damit gerechnet, dass diese Waffe ein Bewusstsein entwickeln und sich gegen den eigenen Schöpfer wenden könnte. Doch Mewtwo begnügt sich nicht damit, einfach nur das Labor dem Erdboden gleichzumachen. Vielmehr will er beweisen, dass er allen anderen Lebensformen überlegen ist und lädt zu diesem Zweck die stärksten Pokémon-Trainer aus aller Welt ein, darunter Ash, Rocko und Misty. Aber auch Team Rocket, die von der Einladung erfahren haben, machen sich auf den Weg zu der entlegenen Insel – ohne zu ahnen, was sie dort erwarten wird …

Bei jeder längeren Serie oder Reihe kommt irgendwann der Punkt, an denen den Machern nichts Neues mehr einfällt. So auch bei den Filmen rund um die beliebten Videospielmonster Pokémon. Bei Du bist dran!, dem 20. Teil der Reihe, erzählte man die Anfänge der zwanzig Jahre zuvor gestarteten Anime-Serie noch einmal neu. Bei Teil 22 schnappte man sich den ersten Film aus dem Jahr 1998 und machte daraus ein Remake. Und damit das mit der mangelnden Kreativität nicht ganz so auffällt, wählte man einfach eine andere Animationstechnik und produzierte mit Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution den ersten CGI-Film, der dank Netflix jetzt auch hierzulande verfügbar ist.

Alles beim alten
Wer das Original schon kennt, weiß daher ziemlich genau, was einen hier erwartet. An der Geschichte selbst hat sich praktisch nichts geändert, wodurch Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution die Stärken und die Schwächen gleichermaßen beibehalten hat. Interessant sind beispielsweise die existenziellen Fragen, die Mewtwo umtreiben. Geboren aus einer Maschine, von Menschenhand geschaffen, um ihnen als Werkzeug zu dienen, was genau macht das aus ihm? Wenn Mewtwo sich Gegner aus aller Welt herbeischafft, um ihnen die Überlegenheit von Klonen zu demonstrieren, dann auch als Akt der Selbstbestimmung: Ich siege, also bin ich. Mehr als zwanzig Jahre später ist das noch immer ein prinzipiell spannendes Thema, das inzwischen im Umfeld von künstlicher Intelligenz zum Dauerbrenner im Science-Fiction-Bereich wurde.

Es bleiben aber auch die Nachteile, die schon damals den Film plagten. Mewtwo ist als Figur derart stark allen anderen überlegen, von Mew einmal abgesehen, dass daraus kein spannendes Duell werden kann. Ein Antagonist, der alle anderen kontrollieren kann, an dem jeder Angriff ohne Schaden vorbeirauscht, dem sogar das Wetter hörig ist? Das ist eine zu starke Diskrepanz. Das Ende ist ebenfalls ernüchternd, ist auf der einen Seite sehr abrupt, setzt zudem auf eine dicke Portion Kitsch. Sicher, Pokémon war inhaltlich nie ein Schwergewicht, weder als Spiel noch als Anime. Die Serie war aber zumindest in sich stimmig.

Licht und Schatten
Der Reiz der Anime-Serie ist hier dann auch nur noch vereinzelt zu erahnen. Die Persönlichkeiten der Figuren, sowohl bei den Menschen wie auch den Pokémon, wurden stark reduziert. Es ist nicht einmal so, dass der Kampf so wahnsinnig viel hermachen würde. Die Geschichte erlaubt nicht nur bei den nicht einmal sekundenlangen Auseinandersetzung keine Spannung, das Großaufgebot beim Finale bleibt ebenfalls unter seinen Möglichkeiten, wenn aus der Vielfalt der Wesen und Attacken nichts gemacht wird. Immerhin sehen die Kämpfe hier ein bisschen besser aus als bei der Zeichentrickvariante, der Computermöglichkeiten sei Dank.

Insgesamt ist die Optik jedoch zwiespältig. An manchen Stellen hat sich die Neuauflage bezahlt gemacht, beispielsweise bei den dynamischen Kamerafahrten, Wasser- und Spiegeleffekten oder auch den Spezialfähigkeiten, die zum Einsatz kommen. Außerdem gab sich das Studio OLM Mühe, die Designs der Animes beizubehalten, was mal mehr, mal weniger gelingt. Allerdings provoziert Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution auf diese Weise die Vergleiche mit den US-CGI-Animationsfilmen und ist da doch einige Stufen drunter angesiedelt. Außerdem fehlt teilweise der Charme der Zeichentrickvarianten. Insgesamt reicht das für das Mittelfeld, die für Pokémon untypisch düstere Geschichte ist zumindest eigenständig, was man von vielen anderen Filmen zu Animeserien nicht sagen kann. Gebraucht hätte es die Neuauflage aber nicht, zumindest nicht in dieser Form.

Credits

OT: „Mewtwo no Gyakushū Evolution“
IT: „Pokémon: Mewtwo Strikes Back – Evolution“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: Kunihiko Yuyama, Motonori Sakakibara
Drehbuch: Takeshi Shudo
Vorlage: Satoshi Tajiri
Musik: Shinji Miyazaki
Animation: OLM

Bilder

Trailer



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Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution
4.05 (80.95%) 21 Artikel bewerten

Pokémon: Mewtwo schlägt zurück – Evolution
„Pokémon: Mewtwo Strikes Back – Evolution“ nimmt sich den ersten Teil der langlebigen Filmreihe rund um die Kultmonster und setzt diesen noch einmal als CGI-Variante neu um. Die visuellen Änderungen sind teils Verbesserungen, teils Verschlechterungen. Beim Inhalt ist hingegen alles gleich geblieben, inklusive aller Stärken und Schwächen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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