Kritik

Dolly Parton's Christmas on the Square Netflix

„Dolly Parton’s Christmas on the Square“ // Deutschland-Start: 22. November 2020 (Netflix)

Es ist lange her, dass Regina Fuller (Christine Baranski) in ihrem Heimatort Fullerville gewesen ist, den sie damals voller Enttäuschung verlassen hat. Viel ist seither geschehen, Regina wurde zu einer knallharten Geschäftsfrau und ist dabei zu großem Reichtum gekommen. Und diesen will sie noch weiter mehren, als sie nach dem Tod ihres Vaters noch einmal in die alte Heimat fährt und diese an einen Investor verkaufen will. Das bedeutet für die Bürger und Bürgerinnen, ihre Häuser verlassen zu müssen – und das auch noch kurz vor Weihnachten! Dass sie dafür von allen gehasst wird, nimmt sie in Kauf, schließlich verbindet sie nichts mehr mit dem Dorf. Doch dabei hat sie Rechnung ohne die seltsame Obdachlose (Dolly Parton) gemacht, die sie von Anfang an verfolgt und ein ganz eigenes Ziel verfolgt …

Eine Ikone auf allen Kanälen
Fans von Dolly Parton wurden in den letzten Jahren bei Netflix reich beschenkt. Erst nahm der Streamingdienst die Dokumentation Here I Am ins Sortiment auf, dann folgte der Spielfilm Dumplin’, bei dem die Musik der Country-Ikone eine maßgebliche Rolle spielt. Letztes Jahr folgte Dolly Partons Herzensgeschichten, eine Anthologieserie, die acht ihrer Lieder zu ganzen Geschichten fiktionalisiert. Und wem das noch nicht reicht, der bekommt mit Dolly Parton’s Christmas on the Square jetzt rechtzeitig zu Weihnachten die volle Dröhnung. Nicht nur, dass die legendäre Entertainerin hier eine der Hauptrollen spielt, sie hat auch alle Lieder komponiert. Und das sind viele, 14 Stück an der Zahl, die im Format eines Musicals wiedergegeben werden.

Dabei ist es nicht Parton allein, die ihr Gesangstalent demonstrieren darf. Alle größeren Sprechrollen sind zugleich Singrollen. Tatsächlich sind die Szenen, in denen nicht gesungen wird, absolut in der Minderheit. Wer mit der Musik der Veteranin nicht viel anfangen kann, braucht deshalb bei Dolly Parton’s Christmas on the Square erst gar nicht vorbeizuschauen. Der Rest darf sich freuen: Selbst wenn hier vielleicht kein neues Jolene, 9 to 5 oder I Will Always Love You dabei ist, so zeigt die Singersongwriterin doch, warum sie selbst jenseits der 70 noch für vordere Chartspositionen gut ist. Die Lieder sind eingängig, zusammen mit den Choreografien der erfahrenen Regisseurin Debbie Allen und einer allgegenwärtigen dezenten Hektik ist da schon einiges a Schwung drin.

Manipulatives Ärgernis
Dafür ist Dolly Parton’s Christmas on the Square inhaltlich ein Totalausfall. Man nahm einfach das Prinzip von Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte, ersetzte den geizigen Geschäftsmann durch eine verbitterte Geschäftsfrau. Und statt der Geister der Weihnacht kommen hier Engel zum Einsatz, die Fuller davon überzeugen sollen, dass es mehr und Wichtigeres gibt als nur Geld. Langweiliger kann man einen Weihnachtsfilm nun wirklich nicht mehr aufziehen. Gleiches gilt für die obligatorische dramatische Zuspitzung, bei der es um ein Kind geht, damit auch richtig schön emotional manipuliert wird. Wobei das größere Verbrechen die diversen Wendungen sind, die sich um die Drehbuchautorin Maria S. Schlatter eingebaut hat und bei denen die Seifenoper-Zunft vor Neid erblasst.

Dann und wann wird das Ganze durch Humor wieder etwas aufgelockert. Das betrifft einerseits die Engelelemente, die schon etwas bizarr sein können. Vor allem aber Fuller selbst ist immer mal wieder für einen fiesen Spruch zu haben. Tatsächlich ist Christine Baranski (Mamma Mia!) als Biest ein willkommener Gegenpol zu dem süßlichen Einheitsbrei, in dem der Film immer mal wieder versumpft. Die gelegentlichen unterhaltsamen Momente und die Musik sind aber nicht genug, um gegen den ungenierten Kitsch und die aufdringliche Religiosität anzukommen, was inzwischen einfach nicht mehr zeitgemäß ist und schon sehr auf ein US-amerikanisches Publikum zugeschnitten. Wenn Weihnachtsmusical, dann doch lieber Jingle Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten!, das nicht nur von Magie spricht, sondern diese selbst etwas vermittelt.

Credits

OT: „Dolly Parton’s Christmas on the Square“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Debbie Allen
Drehbuch: Maria S. Schlatter
Musik: Dolly Parton
Kamera: Oliver Bokelberg
Besetzung: Dolly Parton, Christine Baranski, Treat Williams, Jenifer Lewis, Josh Segarra, Jeanine Mason, Mary Lane Haskell

Bilder

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Dolly Parton’s Christmas on the Square
„Dolly Parton’s Christmas on the Square“ erzählt von einer reichen, aber verbitterten Geschäftsfrau, die ihren Heimatort verkaufen will, bis sie dank der Menschen und eines Engels eines Besseren belehrt wird. Die Lieder der Country-Ikone sind schön, Christine Baranski macht Spaß als Biest. Ansonsten ist das unsagbar kitschige, emotional manipulative und völlig uninspirierte Musical aber kaum zu empfehlen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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