Inhalt / Kritik

Space Sweepers Netflix

„Space Sweepers“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2021 (Netflix)

Im Jahr 2092 ist die Erde nahezu unbewohnbar geworden, zu groß sind die Auswirkungen der Umweltzerstörung inzwischen. Zwar hat auch die Technologie enorme Fortschritte gemacht. So ist es James Sullivan (Richard Armitage) und seinem Unternehmen UTS gelungen, im All neue Lebensräume zu erschließen. Doch der Platz ist beschränkt, weswegen nur ein relativ kleiner Teil der Menschheit dort leben kann. Zumal auch das Leben im Weltraum so seine Tücken hat, überall schwebt Schrott herum, die Folgen früherer Unfälle. Aber wo eine Not, da auch jemand, der von dieser profitiert. Und so verdienen sich Tae-ho (Song Joong-ki), Captain Jang (Kim Tae-ri), Tiger Park (Jin Seon-kyu) und der Roboter Bubs ihren Lebensunterhalt damit, dass sie mit ihrem Raumschiff Victory die Gegend nach Schrott absuchen. Das klappt mehr schlecht als recht, bis sie eines Tages das Roboter-Mädchen Dorothy (Park Ye-rin) finden und darin das Geschäft ihres Lebens wittern …

Eine filmische Lücke im Weltall

In den letzten Jahren hat das südkoreanische Kino international stark an Beachtung gewonnen. Nicht erst seit dem Triumphzug von Parasite werden regelmäßig Titel aus dem fernöstlichen Land bei uns veröffentlicht, das sich zu einem der bedeutendsten und umsatzstärksten Filmnationen überhaupt entwickelt hat. Dennoch gibt es nach wie vor einige größere Lücken in dem Angebot. Während einige Genres wie der Actionthriller oder Komödien sehr stark verfolgt werden, sieht es bei anderen noch recht schwach aus. Eines davon ist der Science-Fiction-Bereich, der allgemein als Live-Action-Variante in Ostasien ein Schattendasein fristet – nicht zuletzt wohl wegen der astronomisch hohen Kosten, die solche Geschichten oft mit sich bringen.

Umso erfreulicher ist, dass man bei Space Sweepers, das aufgrund der schwierigen Kinolage bei Netflix erscheint, nun doch das Wagnis eingegangen ist. Sicher, ein Budget von umgerechnet 21 Millionen Dollar ist für Hollywood-Verhältnisse nichts. Das fällt dort schon fast unter Independent. Im Vergleich zu anderen südkoreanischen Filmen ist das aber durchaus eine ganze Stange Geld. Dass man hier ein bisschen in Richtung Westen geschielt hat und darauf hofft, dort auf den Siegeszug Südkoreas aufzuspringen, merkt man zudem an der Besetzung. Neben der südkoreanischen Hauptcrew gibt es doch eine Reihe westlicher Schauspieler und Schauspielerinnen. Für die Rolle von Sullivan konnte man dabei immerhin Richard Armitage gewinnen, unter anderem bekannt aus Der Hobbit und Ich schweige für dich.

Immer dem einfachsten Weg nach

Der Wunsch, hier wirklich einen Blockbuster für die Massen zu schaffen, bedeutete leider aber auch, dass Regisseur und Drehbuchautor Sung-hee Jo keine zu großen Risiken eingehen wollte. Während der Anfang noch auf eine Abenteuervariante des Animekults Planetes hoffen lässt, der ebenfalls von Weltraumschrott-Sammlern erzählte, muss es später mal wieder darum gehen, die Erde zu retten. An anderen Stellen zeigt sich die Geschichte ähnlich einfallslos. Ob es nun der Gegenspieler ist, der Ablauf der Handlung oder die Zuspitzung zum Ende hin: Space Sweepers klappert auf dem Weg in die heimischen Bildschirme so ziemlich alles ab, was zum Grundstock des Science-Fiction-Genres gehört – inklusive eines plappernden Robo-Sidekicks.

Wobei dieser durchaus unterhaltsam ist. Allgemein ist der wild zusammengewürfelte Haufen der Victory, allesamt auf ihre Weise Außenseiter und Outlaws, sympathisch. Wenn sie sich unterwegs immer mal wieder gegenseitig angehen, dann macht das schon Spaß. Die tragischen Vorgeschichten, die Jo ihnen hinterher wirft, hätte es da gar nicht gebraucht. Schön ist zudem, dass man zumindest bei der Sprache etwas mehr Mut bewies. Auch wenn ein Großteil der Dialoge auf Südkoreanisch und Englisch ist, so sind immer wieder andere zu hören. Der Grund: In der Zukunft trägt praktisch jeder eine Übersetzungsvorrichtung bei sich, weshalb in Space Sweepers jeder in seiner Landesprache sprechen kann. Das hätte noch konsequenter durchgezogen werden können, etwa bei der Crew als solchen. Nett ist es trotzdem.

Solide Unterhaltung

„Nett im Sinn“ von „solide“ ist der Film dann auch als solcher. So wurde das Budget gut eingesetzt, die Bilder können sich alle sehen lassen. Die Innengestaltung des Raumschiffs gefällt ebenfalls, der eingesammelte Schrott und die Ausstattung geben sich da nicht viel. Wer zudem mal wieder ein paar Weltraumschlachten sehen möchte, der kommt hier ebenfalls in einer wenngleich nicht zu langen Sequenz auf seine Kosten. Zudem hält sich der Pathos im Vergleich zu Die wandernde Erde – der zweite große Science-Fiction-Film aus Fernost, den Netflix eingekauft hat – zurück. Ganz ohne Kitsch geht es zwar nicht, es wird jedoch nicht wirklich aufdringlich. Dass der Film ein bisschen lang ist für seine Geschichte und zu sehr an den Erwartungen klebt verhindern zwar, dass Space Sweepers tatsächlich hoch hinaus kommt. Man kann sich aber schon ganz gut einen Abend damit vertreiben.

Credits

OT: „Seungriho“
Land: Südkorea
Jahr: 2021
Regie: Sung-hee Jo
Drehbuch: Sung-hee Jo
Musik: Kim Tae-seong
Kamera: Byun Bong-sun
Besetzung: Song Joong-ki, Kim Tae-ri, Jin Seon-kyu, Richard Armitage, Park Ye-rin

Bilder

Trailer

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Space Sweepers
„Space Sweepers“ nimmt uns mit in eine kaputte Zukunft, wenn Weltraumschrott-Sammler ein Robo-Mädchen aufsammeln und dadurch in ein großes Abenteuer hineingezogen werden. Leider arbeitet der südkoreanische Science-Fiction-Film zu brav die üblichen Stationen ab, anstatt mal der Fantasie freien Lauf zu lassen. Unterhaltsam ist das hier aber schon, auch wegen der gelungenen Bilder und der sympathischen Crew.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

2 Responses

  1. Rainer Lanz

    Gerade gesehen, hatte mich auf eine schöne Weltraumgeschichte gefreut, etwa wie The Expanse, nur mit Humor. Die Bilder sind super, alles ist extrem ausgefüllt, mit vielen Steampunk-Anleihen. Im Maschinenraum der Victory dampft und zischt es, die Maschine muß von Hand auf Touren gebracht werden. Irgendwo steht ein offenes Funkgerät rum, mit einer leuchtenden Röhre. An dem liegt es also nicht, daß mich der Film schon nach kurzer Zeit genervt hat.
    Die Handlung ist natürlich hanebüchen, das zu rettende Kind hat null schauspielerisches Talent oder Ausstrahlung, es gibt Logiklöcher ohne Ende. Aber das ist es letzen Endes auch nicht, was mich gestört hat.
    Es hat wohl viel mit der unglaublichen Rasanz zu tun, mit der die meisten Weltraumszenen abgewickelt werden. Da kann sich einfach kein Gefühl von Weite und Entfernung einstellen. Alles wirbelt ständig durcheinander. In starkem Kontrast dazu, stehen lange Szenen, in denen nicht nichtsynchronisierte Monologe gehalten werden. Der Rezensent findet das mutig, ich finde es nervig. Warum ausgerechnet diese eine Sache irgendwie realistisch wirken muß, entzieht sich meiner Vorstellung. Zum Ausgleich hämmern die Maschinengewehrsalven im Vakuum des Weltraums mit voller Lautstärke.
    Mein Fazit: Es hätte so schön sein können, war’s aber leider nicht. Ich denke nicht, daß ich mir diesen Film ein zweites Mal ansehe.
    Mfg: Rainer

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  2. Peter

    Ich finde der Film hat echt Charme, klar kann man in jeder Suppe ein Haar finden.Jene die langsame und logisch durchdachte Sci-Fi, a la den alten Star Trek Filmen und Serien, suchen werden sicher keine große Freude daran haben, ich mag zum Glück diese ebenso wie die rasanteren Sci-Fi Abenteuer, wie zum Beispiel Guardians of the Galaxie und Star Wars. Mit Guardians finde lässt der Film sich ganz gut vergleichen. Er zeigt Witz und Charme und nimmt sich selbst nicht zu ernst dabei. Die Storry ist, vom Tiefgang sicher nichts für Kafka-Leser, aber ne coole Serie im Stile von Serenity- Firefly ließe sich daraus ganz bestimmt basteln….und sei es nur im eigenen Kopf.Für sowas braucht man aber leider Fantasie, also Leute, wer ein bierermster Typ ist und sich selbst für besonders tiefgründig, belesen oder irgendwie besonders bewandert darin hält was wirklich gute Kunst/Literatur/Filmographie* sind, der läßt lieber die Finger von dem Film….und versaut mit seiner Meinung den anderen nicht die Freude sich ne eigen zu bilden.

    * ich weiß das das kein Wort ist, mir viel kein besserer Begriff für die Kunst der Filmemacherei ein

    MfG Peter

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