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Crime Stories India Detectives Netflix

„Crime Stories: India Detectives – Staffel“ // Deutschland-Start: 22. September 2021 (Netflix)

Gefühlt gibt es mittlerweile mehr True-Crime-Dokus als Verbrechen. Auch wenn das Genre als solches deutlich älter als der Streamingdienst selbst ist, scheint Netflix alles dafür unternehmen zu wollen, dass es irgendwann nicht mehr nur ein Gefühl bleibt. Dieses Mal sitzt allerdings niemand unschuldig im Gefängnis wie in Making a Murderer, wir werden auch nicht implizit Teil eines Kollektivs wie in Don’t F**k with Cats – Die Jagd nach einem Internet-Killer, um einen Tierquäler zu jagen. Um zu verschleiern, dass das Genre abgegrast ist, müssen einfach nur ein paar Rahmenbedingungen geändert werden. Ging es in Der göttliche João: Die Verbrechen eines Geistheilers nach Brasilien, wird es im neuesten Streich noch einen Tick exotischer. Crime Stories: India Detectives, der Titel nimmt es eventuell schon vorweg, spielt aus amerikanischer Sicht praktisch am anderen Ende der Welt, genauer auf dem tropischen Subkontinent, noch genauer in Bengaluru, dem indischen Pendant zum Silicon Valley.

Jede Folge ein neues Verbrechen

Die Zielgruppe um ein indisches Publikum zu vergrößern, ist nicht die schlechteste aller Entscheidungen. Kaum eine Zuschauerschaft ist enthusiastischer, wenn es um Bewegtbildproduktionen geht – es hat schon einen Grund, wieso die IMDb vor Jahren ihre Top-250-Liste überarbeiten und im Zuge dessen eine separate Top-Ranked-Indian-Movie-Liste einführen musste. Die ungewohnte Verortung ist jedoch nicht der einzige neue Anstrich. Die Serie beschränkt sich nicht wie der Großteil der bisherigen Vertreter auf einen einzelnen Fall, um diesen dann über zehn Folgen aufzurollen. Stattdessen begleitet jede Episode ein Ermittlerteam eines jeweils anderen Polizeireviers, welches jeweils ein eigenes Verbrechen aufzuklären hat. Dabei sind wir auch, im Vergleich zu den sonstigen Retrospektiven, so live dabei, wie es das Format erlaubt, quasi von der Anzeige bis zur Verurteilung – sinnbildlich wenigstens

„True Crime“ wird landläufig mit Mord assoziiert; auch wenn Mord nicht das einzige Verbrechen ist, so doch sicher das ultimative, zumindest wenn es um Einschaltquoten geht – die voyeuristische Neugier des Zuschauers lässt sich schließlich kaum besser befriedigen. Diesem Trend kann sich auch Crime Stories: India Detectives nicht entziehen, die ersten drei der vier Folgen behandeln Tötungsdelikte. Die letzte kriminelle Tat ist keineswegs besser, für viele vielleicht sogar abstoßender. Mit 36 Minuten handelt es sich um die mit Abstand kürzeste Episode, welche aber aufgrund des Inhalts einen starken Abschluss bildet und wohl am längsten im Gedächtnis bleiben wird.

Der Mensch hinter der Uniform

Nicht immer aber steht das Verbrechen im Mittelpunkt, vor allem die dritte Folge scheint eher an der ermittelnden Beamtin und ihrer Lebensgeschichte interessiert zu sein. Die subsequente Vermenschlichung der Polizei macht das Gezeigte natürlich etwas konsumierbarer und gibt im Laufe der Serie auch hier und da interessante Einblicke in die generellen Lebensumstände, die gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge in Bengaluru, wirkt aber insbesondere in der erwähnten Episode eher belehrend und stört mehr als dass es etwas von Wert beitragen würde. Produktionstechnisch gibt es allerdings kaum etwas zu bemängeln; Kameraführung und Musik sind nie aufdringlich, unterstützen lediglich das Narrativ.

Credits

OT: „Crime Stories: India Detectives“
Land: Indien
Jahr: 2021
Regie: N Amit, Jack Rampling, Jack Warrender
Musik: Antonio Pinto, Felipe Kim

Trailer

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Crime Stories: India Detectives – Staffel 1
„Crime Stories: India Detectives“ folgt in vier Episoden den Ermittlern ebensovieler Polizeireviere der Bengaluru City Police bei der Aufklärung verschiedener Verbrechen. Manchmal schweift die Serie etwas ab und legt den Fokus eher auf die Beamten selbst, liefert ansonsten aber nicht nur Einblicke in die Polizeiarbeit, sondern auch in eine andere Kultur.
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