Inhalt / Kritik

Xtremo Netflix

„Xtremo“ // Deutschland-Start: 4. Juni 2021 (Netflix)

Lange genug hat Lucero (Óscar Jaenada) im Schatten seines Vaters gestanden, der erfolgreiche Anführer einer Verbrecherorganisation. Als dann auch noch klar wird, dass nach dessen Rücktritt der Auftragskiller Maximo (Teo García) die Geschäfte übernehmen soll, der Stiefbruder von Lucero, sieht er endgültig rot. Erst tötet er seinen Vater. Als nächstes soll Maximo daran glauben. Doch stattdessen stirbt nur dessen Sohn. Zwei Jahre sind seither vergangen, in denen Maximo und seine Schwester Maria (Andrea Duro) sich im Verborgenen aufhielten und an ihrer Rache arbeiteten. Als dann auch noch die Familie von Leo (Óscar Casas) ermordet wird, um den sich Maximo gekümmert hat, ist die Zeit reif zurückzuschlagen: Nach und nach schaltet er die Handlanger des inzwischen selbst zum Gangsterboss aufgestiegenen Lucero aus, mit dem Ziel, diesen zum Schluss für seine Taten zahlen zu lassen …

Dafür will ich Rache!

Der Mensch an sich ist schon ein sehr rachsüchtiges Wesen. Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen bei einem Blick auf das, was in Filmen so geschieht. Gerade im B-Movie-Bereich wimmelt es vor Actionthrillern, in denen jemand ein Unrecht zugefügt wurde, was dieser nun geraderücken will. Und das bedeutet meistens, dass jeder um die Ecke gebracht wird, der irgendwie mit der Sache zu tun hatte oder zur falschen Zeit am falschen Ort war. Und damit dieser Rachefeldzug möglichst effektiv ist, darf diese Hauptfigur auf die eine oder andere Weise bereits im Töten geübt sein. Man will ja schließlich keine Zeit verlieren. Oft sind es ehemalige Elitesoldaten, alternativ auch ehemalige Agenten. Hauptsache es gibt die Lizenz zum Töten.

In dem spanischen Netflix-Genrebeitrag Xtremo ist es nun ein Auftragskiller, der ausnahmsweise mal aus einer persönlichen Motivation heraus morden will anstatt des Geldes wegen. Das macht die Sache mit den Sympathiepunkten natürlich ein wenig schwieriger als sonst. Während die obigen Beispiele vom Staat aus toten dürfen, ist das bei Maximo normalerweise eher nicht der Fall. Aber um Moral geht es in dem Film ohnehin nicht. Zwar wird immer wieder mal über Konzepte wie Ehre gesprochen. Aber das ist in einem reinen Verbrecherumfeld nur mit Anführungszeichen möglich. Wenn überhaupt gibt es lediglich das kleinere Übel. Ein Mann, der des Geldes wegen tötet, ist nicht so schlimm wie einer, der das aus Spaß und Geltungsverlangen tut – so zumindest wird impliziert.

Wuchtige Action ohne viel drumherum

Dieser Gedanke wird von Drehbuchautor Ivan Ledesma aber ebenso wenig vertieft wie die Darstellung der Unterwelt. Zwar erzählt Xtremo davon, dass es innerhalb dieser mehrere Organisationen gibt, die unter sich den Kuchen aufteilen – teils auch mit dem Messer an der Kehle. Das dient letztendlich aber nur dazu, die Entschlossenheit und Skrupellosigkeit von Lucero verdeutlichen zu dürfen. Denn der will nicht nur den Platz vom Papa übernehmen, sondern auch alle anderen vom Banketttisch verscheuchen. Die Idee einer solchen Kriminellenvereinigung könnte bei manchen die Erwartungen wecken, es hier mit einer Art John Wick zu tun zu haben, einem der bekanntesten Rachethriller der letzten Jahre. Auf dessen Niveau findet das hier aber nicht statt.

Wobei auch Xtremo seine Qualitäten hat. Die Actionszenen haben zwar nicht den Einfallsreichtum des berühmten Kollegen. Dafür sind sie oft schön wuchtig und beschränken sich nicht allein darauf, dass irgendwelche Leute in der Gegend herumstehen und rumballern, wie man es bei US-amerikanischen Actionfilmen oft zu sehen bekommt. Hier darf noch richtig Hand angelegt werden, zwischendurch auch mal das Schwert, mit teils recht blutigen Folgen. Das kann sich durchaus sehen lassen, ist von Regisseur Daniel Benmayor (Tracers) dynamisch inszeniert. Auch die Darsteller machen ihre Sache ordentlich. Óscar Jaenada ist zwar manchmal etwas nah dran an der Karikatur eines solchen Verbrechers, ist aber so überzeugend widerlich, dass man wider besseren Willens dann doch den Auftragskiller anfeuert.

Credits

OT: „Xtremo“
Land: Spanien
Jahr: 2021
Regie: Daniel Benmayor
Drehbuch: Ivan Ledesma
Musik: Lucas Vidal
Kamera: Juanmi Azpiroz
Besetzung: Teo García, Óscar Jaenada, Óscar Casas, Andrea Duro, Sergio Peris-Mencheta, Alberto Jo Lee

Bilder

Trailer

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Xtremo
In „Xtremo“ will ein Auftragskiller sich für einen von seinem eigenen Stiefbruder befohlenen Mord an seinem Sohn rächen. Inhaltlich hat der Actionthriller nicht wirklich viel zu bieten, was gerade bei der Unterwelt schade ist. Die Actionszenen an sich sind aber sehenswert genug, damit Genrefans auf ihre Kosten kommen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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