Jusquici tout va bien Thicker Than Water Netflix
© Ismaël Bazri/Netflix

Jusqu’ici tout va bien – Staffel 1

Jusquici tout va bien Thicker Than Water Netflix
„Jusqu’ici tout va bien“ // Deutschland-Start: 7. April 2023 (Netflix)

Inhalt / Kritik

An Ambitionen mangelt es Fara Bentayab (Nawell Madani) nicht. Die Journalistin träumt davon, als erste Frau mit arabischen Wurzeln in Frankreich Nachrichtensprecherin zu werden. Doch immer wieder muss sie sich mit Hindernissen herumplagen. Obwohl sie bereits seit Jahren für 24 Info arbeitet, wird sie übergangen, wenn es um Beförderungen beim Fernsehsender geht. Als sie genug von diesem Blödsinn hat, macht sie ihrem Frust Luft und beschimpft vor laufender Kamera ihren Arbeitgeber – der sie kurz darauf fristlos entlässt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, wären da auch noch die familiären Probleme, mit denen sie sich auseinandersetzen muss. So wird ihr Bruder Selim (Radouan Leflahi) vermisst, nachdem er offensichtlich in einen Fall von Fahrerflucht verwickelt war. Doch als Fara und ihre Schwestern Souhila (Kahina Carina) und Yasmina (Carima Amarouche) der Sache nachgehen, machen sie eine überraschende Entdeckung …

Frauen im Kampf gegen die Unterdrückung

Einige Wochen ist es her, dass man sich mal wieder über die Veröffentlichungspolitik von Netflix wundern durfte. So wurde der Film Le Roi des Ombres zwar auf Deutsch synchronisiert, der Originaltitel aus irgendeinem Grund aber nicht übersetzt. Nun folgt mit Jusqu’ici tout va bien kurze Zeit später ein weiterer Titel, bei dem ebenso verfahren wurde. Erneut handelt es sich um eine französische Produktion irgendwo zwischen Krimi und Thriller. Erneut hielt man es offensichtlich nicht für nötig, der Synchronisation auch eine Übersetzung des Titels folgen zu lassen. Das ist nicht nur bizarr. Es ist sogar ziemlich schade, weil die Serie auf diese Weise eventuell nicht die Aufmerksamkeit erhalten wird, die sie sich anderweitig durchaus verdient hat.

Zunächst meint man noch, dass Nawell Madani (8 Rue de l’Humanité), die hier die Hauptrolle spielte, Regie führte, an den Drehbüchern mitschrieb und gemeinsam mit Simon Jablonka die Serie entwickelt hat, mit Jusqu’ici tout va bien in erster Linie von schweren, ernsten Themen erzählen will. Da geht es um eine Frau arabischer Herkunft, die sich in einer Gesellschaft durchsetzen muss, bei denen Frauen noch immer benachteiligt sind und Rassismus allgegenwärtig ist. Die Kombination aus beidem ist natürlich besonders heftig, da braucht es schon richtig viel Durchsetzungskraft, um überhaupt etwas erreichen zu können. Die hat Fara auch, so wie ihre Schwestern und ihre eigene Tochter über viel Willensstärke verfügen. Tatsächlich sind es vor allem die Frauen, die hier etwas reißen müssen, was der Serie automatisch eine feministische Note gibt.

Unterhaltsam, aber wenig glaubwürdig

Um ein realistisches Gesellschaftsporträt handelt es sich dabei aber kaum. So geht die Serie nach dem eher allgemeinen Auftakt in eine völlig andere Richtung. Madani und die anderen erzählen davon, wie die Schwestern sich mit dem organisierten Verbrechen arrangieren müssen, nachdem ihr Bruder sie in die Sache hineingezogen hat. Wobei die Frauen dabei eine eigene Schuld tragen. Allgemein ist es schön, wie Jusqu’ici tout va bien nicht versucht, die Schwestern zu strahlenden Heldinnen hochzustilisieren, denen immer alles gelingt. Eigentlich geht sogar dauernd etwas schief, wenn sie zwar viel Einsatz zeigen, dabei aber an ihre jeweiligen Grenzen stoßen. Zumal sie bei ihren Rettungsversuchen gefangen sind zwischen den Verbrechern und den Polizisten und selbst nicht wissen, was richtig ist.

Das ist schon ganz spannend, zumal die Serie angenehm kurz ist. Bei acht Folgen à etwa 30 Minuten bleibt kaum Zeit für Langeweile, zumal sich dauernd die Ereignisse überschlagen. An die Glaubwürdigkeit darf man hingegen keinerlei Ansprüche haben. Zwar wird das hier nicht ganz so absurd wie bei Drei Leben neulich, wo ebenfalls mehrere Frauen es mit finsteren Verbrechern aufnehmen. Überzogen ist Jusqu’ici tout va bien aber schon, weswegen die gesellschaftlichen Themen keine Wirkung erzielen. Obwohl Punkte wie das Arbeiten in den Medien oder auch das fragwürdige Verhalten der Polizei Anknüpfungspunkte an das reale Leben bieten, ist das in der Summe einfach zu viel, als dass man hier ganz mitgehen könnte. Unterhaltsam ist die französische Produktion aber schon und lässt zudem – wie so oft bei Netflix – Platz für eine Fortsetzung.

Credits

OT: „Jusqu’ici tout va bien“
IT: „Thicker Than Water“
Land: Frankreich
Jahr: 2023
Regie: Nawell Madani, Lionel Smila, Ludovic Colbeau Justin
Drehbuch: Nawell Madani, Jean-Chaels Paugam, Stéphanie Tchou-Cotta, Fanny Talmone, Raphaelle Richet, Mehdi Ouahab
Idee: Simon Jablonka, Nawell Madani
Musik: Bonjour Meow
Besetzung: Nawell Madani, Kahina Carina, Carima Amarouche, Paola Locatelli, Aida Ghechoud, Mayane Sarah El Baze, Djebril Zonga, Paul Hamy, Vincent Rottiers, Radouan Leflahi

Bilder

Trailer

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Jusqu’ici tout va bien – Staffel 1
fazit
„Jusqu'ici tout va bien“ beginnt als Gesellschaftsdrama, wenn eine Französin mit arabischen Wurzeln bei ihrer Arbeit für einen Nachrichtensender übergangen wird. Danach eskaliert die Serie aber kräftig, wenn die Schwestern durch ihren Bruder in die Welt des organisierten Verbrechens hineingezogen werden. Glaubwürdig ist das kaum, unterhaltsam aber schon.
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von 10