Kritik

Coffee Kareem Netflix

„Coffee & Kareem“ // Deutschland-Start: 3. April 2020 (Netflix)

Endlich hat James Coffee (Ed Helms) auch einmal Glück in seinem Leben, ist er doch mit der heißen Vanessa (Taraji P. Henson) zusammen. Eine Sache trübt das Vergnügen jedoch merklich: ihr 12-jähriger Sohn Kareem (Terrence Little Gardenhigh). Der ist so gar nicht glücklich darüber, dass seine Mutter einen Neuen hat. Und dann auch noch einen weißen Cop! Also tut er, was jeder in seiner Situation tun würde, und heuert ein paar Kriminelle an, die dem unerwünschten Nebenbuhler so richtig einen Schrecken einjagen sollen. Zu seinem eigenen Schrecken muss er jedoch feststellen, dass alles dabei schief geht und die Kriminellen nun hinter ihm her sind. Und ausgerechnet Coffee ist seine einzige Chance, aus der Sache wieder heil herauszukommen …

Der Zeitpunkt war eigentlich gut: In einer Phase, in der die meisten aufgrund der Virus-Isolation eine Aufmunterung oder Ablenkung gut gebrauchen können, sind Komödien gern gesehen. Und da Netflix dieses Wochenende praktisch nichts anderes veröffentlicht, war Coffee & Kareem auch eine gewisse Grundaufmerksamkeit sicher. Gleichzeitig waren die Vorzeichen nicht die besten. Regisseur Michael Dowse hatte zuletzt das eher langweilige Stuber – 5 Sterne Undercover inszeniert, Taraji P. Henson war unlängst in der grausamen Pseudo-Komödie Was Männer wollen zu sehen und Ed Helms ist nun auch nicht gerade ein Garant für hochwertige Filmkunst.

Plumpe Version des Buddy Movies
Doch selbst die eher bescheidenen Erwartungen unterbietet Coffee & Kareem am Ende mühelos. Dabei ist das Konzept eigentlich idiotensicher – sollte man meinen. Zwei ungleiche Menschen müssen sich zusammenraufen, um gemeinsam eine Situation durchzustehen? Solche Buddy Movies gibt es zu Hunderten. Hier kam man auf die Idee, einen schwarzen Jungen und einen weißen Cop zu kombinieren. So etwas könnte kontrovers sein, nimmt man doch das Thema rassistisch motivierte Polizeigewalt zur Grundlage. Gleichzeitig signalisiert aber schon der Titel – Kareem steht für „Cream“, also Sahne –, dass man lieber einen etwas plumperen Humor verwendet, dessen originellster Einfall noch der ist, den Weißen Kaffee zu nennen und den Schwarzen Schlagsahne.

Lässt man die Hautfarbe einmal außen vor, bleibt als Kontrast nur noch der, dass Coffee ein Duckmäuser ist, den man nach Belieben herumschubsen kann, während Kareem die Bezeichnung „vorlaut“ für sich neu definiert. Es gibt eigentlich keine Szene, in der der Junge nicht herumschreit oder andere Leute beleidigt. Doch er ist nicht der einzige, später gesellt sich die von Betty Gilpin verkörperte Kollegin von Coffee hinzu, die offensichtlich selbst so viel Kaffee intus hat, dass sie hysterisch durch die Gegend brüllt und keinen Moment Ruhe findet. Das ist anstrengend, es ist abwechslungsarm und das ziemliche Gegenteil dessen, was eine Komödie sein sollte.

Humor ist, wenn man woanders lacht
Aber das gilt für den kompletten Film. Selbst wer gezielt danach sucht, wird an der Aufgabe scheitern, in dem von Shane Mack verfassten Drehbuch etwas Lustiges zu finden. Mag sein, dass der bislang nur mit Kurzfilmen befasste Neuling noch nicht so weit war, einen ganzen Spielfilm betexten zu wollen und sich deshalb nicht anders zu helfen wusste, als sich immer wieder selbst zu wiederholen. Doch das macht die Sache für das Publikum nicht weniger schmerzhaft. Knapp anderthalb Stunden nur damit füllen zu wollen, dass ein Junge billig-derbe Sprüche ohne Ende hinausfeuert, in der Hoffnung, dass ihn jemand ernst nimmt, das ist schon gewagt. Oder faul.

Dass Coffee & Kareem zum Ende hin noch ein bisschen Herz für sich entdecken will, macht den Film nicht besser, ist er an der Stelle doch genauso einfallslos wie beim Humor. Wie es solche Komödien verlangen, läuft es auf die obligatorische Annäherung hinaus. Nur weil ein Junge einem erwachsenen Mann den Tod wünscht, heißt das schließlich nicht, dass sie keine Freunde werden können. Da ist man wirklich dankbar für jede Actionszene, steigert das doch die Chance, zumindest für einen Moment den grausamen Dialogen zu entkommen. Aber selbst das ist nicht gesagt, manchmal hielt man es hier für eine gute Idee, das Tempo rauszunehmen, um doch die Figuren quasseln zu lassen. Was ziemlich gemein ist, zögert es doch das Elend nur noch weiter hinaus.

Credits

OT: „Coffee & Kareem“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Michael Dowse
Drehbuch: Shane Mack
Musik: Joseph Trapanese
Kamera: Brian Burgoyne
Besetzung: Ed Helms, Terrence Little Gardenhigh, Taraji P. Henson, Betty Gilpin, Andrew Bachelor, RonReaco Lee

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Coffee & Kareem
3.57 (71.43%) 7 Artikel bewerten

Coffee & Kareem
„Coffee & Kareem“ ist der neueste Versuch, mit zwei möglichst unterschiedlichen Figuren für Unterhaltung zu sorgen. Leider scheitert die Komödie komplett an dieser Aufgabe. Die Figuren sind anstrengend bis unerträglich, der Humor auf eine schmerzhafte Weise unkomisch, auch der emotionale Faktor funktioniert nicht.
2von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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