Persona Netflix

„Persona – Kollektion 1“ // Deutschland-Start: 11. April 2019 (Netflix)

Netflix beschenkt einen bekanntlich regelmäßig mit allerlei Stoff aus Fernost. Oft auch sehr ungewöhnlichem Stoff. So ungewöhnlich, dass der Streamingdienst meistens darauf verzichtet, die Filme und Serien synchronisieren zu wollen, zu klein ist die Zielgruppe. Von der koreanischen Zombie-Serie Kingdom und diversen Animes einmal abgesehen heißt es bei der filmischen Weltreise daher immer Untertitel lesen. So auch bei Persona aus Südkorea, einem der seltsamsten asiatischsten Projekte, die ihren Weg ins Angebot gefunden haben – was schon etwas heißen will. Dieses Mal hat das Unternehmen eine Sammlung von vier Kurzfilmen eingekauft, jeder von unterschiedlichen Regisseuren bzw. Regisseurinnen umgesetzt. Die einzige Konstante: Die in ihrer Heimat immens populäre Sängerin Ji-eun Lee, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen IU, spielt die Hauptrolle.

In dem ersten Abschnitt Spiel, Satz und Sieg von Kyoung-mi Lee verkörpert sie eine Teenagerin, die unbedingt verhindern will, dass ihr Vater eine neue Frau heiratet. Daher misst sie sich mit der Konkurrentin in einem Tennisspiel: Die Gewinnerin darf ihn behalten. Der Film ist eine kuriose Kleinigkeit, die in Ansätzen lustig ist, zu lang jedoch und ausschließlich aus mäßig sehenswerten Tennisszenen besteht.

Der Traum von Liebe
Sammlerin von Pil-sung Yim ist da schon interessanter, spielt mit surrealen Elementen, um von einer Beziehung zwischen Liebe und Obsession zu sprechen. Lee ist hier eine junge Frau, die nichts anbrennen lässt, mit anderen Männern Zeit verbringt, sie auch küsst, was ihren Quasi-Freund (Hae-soo Park) in den Wahnsinn treibt. Aufgrund der seltsamen Atmosphäre, gerade zum Ende hin, ist der Kurzfilm vielleicht der sehenswerteste, auch wenn er sich durch umständliche Dialoge selbst im Weg steht.

Dialoge spielen in Ist Küssen ein Verbrechen? von Go-woon Jeon keine wirkliche Rolle. Dieses Mal ist Lees Alter Ego auf Rache aus. Genauer will sie mit ihrer Freundin (Dal-gi Shim) deren Vater dafür bestrafen, dass er ihre Haare kurz geschnitten hat – als Strafe für ihr Knutschen. Nein, ernstnehmen muss man weder die Motive noch den Kurzfilm. Amüsant ist das schwarzhumorige Segment aber schon, auch weil die diversen Versuche der beiden, den Vater zu ermorden, jedes Mal fehlschlagen.

Der Tod ist nicht tiefsinnig
Schwarz wird es auch im vierten und letzten Beitrag Abendlicher Spaziergang von Jong-kwan Kim. Genauer schwarzweiß. Der Kurzfilm handelt von einer jungen Frau, verkörpert von Lee, die nach ihrem Tod im Traum ihres Freundes (Joon-won Jung) auftaucht. Das ist schön anzusehen, von einer Stimmung zwischen mysteriös und melancholisch, wenn das getrennte Paar noch ein letztes Mal Zeit miteinander verbringen darf. Eine nennenswerte Geschichte ist damit jedoch nicht verbunden. Oder spannende Figuren.

Allgemein ist der Inhalt von Persona ein bisschen dünn. Es ist nicht einmal so, dass die Kollektion ihrem Titel wirklich gerecht würde: Anstatt mit dem Verhältnis von innerer Einstellung und äußerer Erscheinung zu arbeiten, gibt es hier nur die Oberfläche. Dafür sind die vier Filme auch einfach nicht gut genug miteinander verbunden. Über das eine oder andere kann man etwas mehr nachdenken, wenn man möchte. Richtig viel Anlass gibt die Anthologie jedoch nicht dazu. Das Ergebnis ist vorrangig für Fans der südkoreanischen Sängerin und Teilzeit-Schauspielerin interessant, die hier in verschiedenen Rollen auftritt. Der Rest findet eine Sammlung von soliden Kurzfilmen, die zusammen Spielfilmlänge haben.

Persona – Kollektion 1
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Persona – Kollektion 1
In der Kurzfilmsammlung „Persona“ tritt die als IU bekannte Sängerin Ji-eun Lee in vier verschiedenen Rollen auf. Das hört sich als Konzept interessant an, bleibt jedoch ohne den notwendigen Zusammenhang, um dem Titel gerecht zu werden. Die einzelnen Beiträge sind mal amüsant, mal stimmungsvoll, insgesamt aber nur solide.
6von 10

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