Kritik

Crack: Kokain, Korruption und Konspiration Crack: Cocaine, Corruption & Conspiracy

„Crack: Kokain, Korruption und Konspiration“ // Deutschland-Start: 11. Januar 2021 (Netflix)

Beim Stichwort „Krieg gegen Drogen“ denkt man heutzutage vielleicht an die Philippinen, bei denen seit einer Weile mit unglaublicher Härte gegen alle vorgegangen wird, die auch nur irgendwie etwas mit Drogen zu tun haben – oder mit ihnen zu tun haben könnten. Da wird dann schon mal vergessen, dass in den USA in den 80ern ähnlich martialisch gegen Konsumenten und Dealer vorgegangen wurde. Vor allem Ronald Reagan war es, der seinerzeit beim Versuch, das saubere Amerika von früher wiederherzustellen, den verbotenen Substanzen den Kampf ansagte. Das geschah jedoch weniger aus Altruismus, sondern war gnadenloses Kalkül, ließ sich das doch gut bei Wahlen verwenden.

Doch er war nicht der einzige, wie die Netflix-Dokumentation Crack: Kokain, Korruption und Konspiration vorführt. Es gab einen regelrechten Wettstreit zwischen den Politikern der beiden Lager, wer der härteste und erfolgreiche Drogen-Sheriff war. Auch Reagans Nachfolger verfuhren nach diesem Motto. Über den Erfolg dieser Maßnahmen kann man sich jedoch streiten. Zwar wurden tatsächlich Zigtausende von den Straßen geholt und in die Gefängnisse gesteckt. An den Ursachen der Crack-Epidemie, die sich seinerzeit ausbreitete, änderte das jedoch recht wenig, führte vielmehr dazu, dass unzählige Familien und Viertel auseinandergerissen wurden.

Ein ungleicher Kampf

Regisseur Stanley Nelson (Miles Davis – Birth of the Cool) spricht von diesen Folgen in Crack: Kokain, Korruption und Konspiration und zeigt dabei gleichzeitig ein Ungleichgewicht auf: Bestraft wurden vor allem Schwarze, während bei Weißen schon mal weg geschaut wurde. Allgemein legt der Dokumentarfilm dar, wie selektiv und widersprüchlich das Vorgehen war. Da gab es Polizisten, die mit Drogendealern gemeinsame Sache machten. Auch bei den Händlern in Nicaragua drückte man das eine oder andere Auge zu, weil man sie anderweitig brauchte. Der Kampf gegen die Drogen betraf deshalb nie alle gleichermaßen, sondern war immer von Willkür und Heuchelei begleitet. Aber auch die Medien bekommen ihr Fett ab, da sie maßgeblich mit zu der damaligen Hysterie beitrugen und die Stimmung noch weiter aufheizten – Stichwort „Crackbabys“.

Für diese Rundschau setzt Nelson auf die übliche Mischung aus Archivaufnahmen und Interviews. Dabei sind es hier vor allem Leute, die selbst aus dem Drogenmilieu stammen, die zu Wort kommen. Ehemalige Dealer, Menschen, die unter der Sucht litten. Sie liefern besonders bestürzende Einblicke in die damalige Zeit und zeigen auf, wie es war, diese Situation hautnah zu erleben. Ihre persönlichen Anekdoten tragen dazu bei, dass der Film sehenswert ist, zumal die Auswirkungen des Kampfes bis heute zu spüren sind. Crack: Kokain, Korruption und Konspiration ist deshalb nicht nur ein historischer Rückblick, sondern gleichzeitig eine Art Spurensuche, die einiges über die heutigen USA zu sagen hat.

Credits

OT: „Crack: Cocaine, Corruption & Conspiracy“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Stanley Nelson
Kamera: Eli Gamson

Bilder

Trailer

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Crack: Kokain, Korruption und Konspiration
„Crack: Kokain, Korruption und Konspiration“ erzählt, wie in den 1980ern Crack zu einem gewaltigen Problem wurde, aber auch dem harten und teils willkürlichen Kampf dagegen. Das ist auch der diversen persönlichen Geschichten wegen sehenswert, die hier von ihren eigenen Erfahrungen während der damaligen Zeit erzählen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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