„Gojira: Kessen Kidō Zōshoku Toshi“, Japan, 2018
Regie: Kobun Shizuno, Hiroyuki Seshita; Drehbuch: Gen Urobuchi; Musik: Takayuki Hattori

Godzilla Eine Stadt am Rande der Schlacht

„Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ ist seit 18. Juli 2018 auf Netflix verfügbar

Für einen Moment sah es so aus, als hätten die Menschen nach ihrem 20.000 Jahre alten Exil tatsächlich über das mächtige Wesen Godzilla gesiegt, das inzwischen die Erde beherrscht. Aber weit gefehlt, kurz nach dem vermeintlichen Sieg sehen sie sich einer noch viel größeren Version der Echse ausgeliefert. Viele müssen für diesen Irrtum mit ihrem Leben bezahlen. Doch Haruo Sakaki hat Glück gehabt, im letzten Moment wird er von Miana gerettet, Mitglied eines indigenen Stammes, der im Verborgenen lebt. Die Houta sind es auch, die den Rückkehrern aus dem All die Idee geben, wie sich Godzilla vielleicht doch noch zerstören lässt: mithilfe des sogenannten Nanometalls, das ganz besondere Fähigkeiten hat.

Die Idee klang eigentlich naheliegend und vielversprechend: Das japanische Ungetüm Godzilla würde erstmals in Animeform in Erscheinung treten, basierend auf einer Idee von Gen Urobuchi, der für düstere Science-Fiction-Werke wie Psycho-Pass und Expelled from Paradise bekannt ist. Zudem sollte die Filmtrilogie eine Zusammenarbeit der Godzilla-Erfinder Toho sowie Netflix sein. Das versprach viel Expertise und auch genügend Geld, um dem Unternehmen gerecht zu werden. Doch wirklich überzeugend war der Anlauf Godzilla: Planet der Monster nicht. Das Feedback der Fans war gemischt, an den japanischen Kinokassen war der Film sogar eine herbe Enttäuschung – gerade auch im Vergleich zum zuvor gestarteten Blockbuster Shin Godzilla.

Die Echse, die aus der Zukunft kam
Beim zweiten Teil Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht waren die Erwartungen daher von Anfang an niedriger. Im Land der Sonne wollte den Film niemand sehen, dank des amerikanischen Streaminggiganten hat nun immerhin der Rest der Welt die Gelegenheit dazu. Ganz so desaströs, wie an mancher Stelle behauptet, ist das Ergebnis ist. Einige Punkte an dem Anime sind sogar recht interessant, wie es auch beim Vorgänger schon der Fall gewesen war. Stärker als in den meisten Teilen der mittlerweile über 30 Filme umfassenden Reihe werden hier die Science-Fiction-Komponenten betont. Raumschiffe, das Exil im Weltall, das sind ebenso reizvolle Komponenten wie die Idee, dass Godzilla Jahrtausende allein auf der Erde herrschte.

Dieses Szenario dann jetzt auch noch mit einem indigenen Volk zu verbinden, das im Verborgenen lebt und an einen von Godzilla getöteten Gott glaubt, das trägt ebenfalls dazu bei, dass Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht kein Teil wie jeder andere ist. Wo die Reihe sonst meistens eine Mischung aus Action und Katastrophenfilm ist, da ähnelt das hier klassischen Abenteuergeschichten, in denen es die Helden auf verlassene Inseln verschlägt, siehe etwa Kong: Skull Island. Nur dass dieser verlassene Ort eben weit in der Zukunft angesiedelt ist, Mythologie und Futuristik hier Hand in Hand gehen.

Am Anfang war die gute Idee …
Ein Szenario reicht aber nun mal leider nicht aus, damit auch der gesamte Film interessant ist. Und irgendwie hat Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht bei dem gesamten Rest so seine Probleme, etwas Nennenswertes auf die Beine zu stellen. Ungewohnt für die Fans ist beispielsweise, wie wenig Action es hier gibt. Nach dem verheerenden Ende des ersten Teils heißt es für die Überlebenden erst einmal ein bisschen Wunden lecken, überlegen, was denn nun zu tun ist. Das ist grundsätzlich in Ordnung, hier aber auf nur wenig spannende Weise umgesetzt. Über weite Strecken werfen die Figuren nur mit irgendwelchen pseudowissenschaftlichen Begriffen um sich, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Vor allem die religiösen Exif und die Houta können nicht so wahnsinnig viel miteinander anfangen. Solche Konflikte hat es im Vorgänger auch schon gegeben, waren da aber noch mit tatsächlichen inhaltlichen Streitpunkten verbunden. Teil zwei hat da nichts wirklich Interessantes zu erzählen, hat auch erneut keine Figuren, die es wert wären, dass man ihnen zuhörte.

Visuell ist der Anime ohnehin wieder sehr gemischt. Auf der einen Seite stimmt das Ambiente und die Ausgestaltung der Welt, die wie eine Mischung aus Alien und traditionellem Dschungelabenteuer daherkommt. Auch die prinzipiell eher einseitige Farbgestaltung, die vor allem aus Grau- und Blautönen besteht, lässt man sich gefallen. Enttäuschend ist aber, wie leblos die Welt dann im Detail ist. Das Animationsstudio Polygon Pictures (Blame!, Ronja Räubertochter) verlässt sich erneut auf die eigene CGI-Expertise. Als Standbild sieht das auch gut aus. Die Animationen sind hingegen enttäuschend, die Hintergründe sind fast völlig frei von sich bewegenden Elementen – gerade bei einem computergenerierten Anime ist da doch deutlich mehr möglich. Auch die finale Schlacht leidet unter dieser Behäbigkeit. Immerhin, ganz zum Schluss, noch nach dem Abspann gibt es ein kleines Geschenk für Fans, das dann doch neugierig auf den dritten und letzten Teil macht, der Ende des Jahres veröffentlicht werden soll.

Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht
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Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht
„Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ schließt nahtlos an den ersten Teil an und fügt dem ohnehin schon interessanten Szenario noch ein paar weitere spannende Elemente hinzu. Allerdings macht der Anime zu wenig draus. Die ausgedehnten Dialoge führen zu nichts, die Figuren sind nichtssagend und der große Endkampf leidet wie der Rest darunter, dass der Film als Standbild zwar atmosphärisch ist, aber zu statisch und leblos ausfällt.
5von 10

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