Der Fotograf und der Postbote Der Mord an Jose Luis Cabezas El Fotografo y el Cartero: El Crimen de Cabezas Netflix
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Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas

Der Fotograf und der Postbote Der Mord an Jose Luis Cabezas El Fotografo y el Cartero: El Crimen de Cabezas Netflix
„Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas“ // Deutschland-Start: 19. Mai 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Als ein Hobbyangler wie jeden Morgen im (argentinischen) Sommer auf dem Weg zu seiner Fischfangstätte die Straße entlangfährt, kommt er an einem brennenden Auto vorbei, um das eine Handvoll Leute stehen. Der Vorfall scheint nicht besonders ungewöhnlich zu sein, weshalb der Petrijünger nach kurzem Zögern unbekümmert weiter zu seinem Zielort zieht. Als er sich am Abend desselben Tages, dem 25. Januar 1997, jedoch auf der Heimreise befindet, ist das Auto immer noch da, nun in Gesellschaft von deutlich mehr Personen sowie Hubschraubern und jeder Menge Streifenwagen. Der Mobilist ist nicht irgendjemand, es handelt sich um den (damaligen) Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Eduardo Duhalde. Daher wird ihm auf seine Frage nach dem Grund der Versammlung bereitwillig Auskunft erteilt: Im ausgebrannten Fahrzeug wurde eine Leiche gefunden. Die Sache ist eindeutig kein Unfall, es war Brandstiftung. Darüber hinaus wurde dem Toten, bevor er ins Gefährt gesetzt wurde, zweimal in den Kopf geschossen.

Auch das Opfer ist nicht einfach irgendjemand – es handelt sich um den Journalisten José Luis Cabezas, welcher für Noticias schrieb, dem weltweit führenden spanischsprachigen Nachrichtenmagazin. Es ist der Auftakt eines Falles, in dessen Verlauf ein Korruptionsskandal in Argentinien zu Tage kommt, der bis in die höchsten Ebenen reicht. Die nun auf Netflix veröffentlichte True-Crime-Dokumentation Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas rollt ihn vornehmlich mithilfe von Archivmaterial und Zeitzeugeninterviews auf, neigt hier und da in ihrer Präsentation aber zur künstlichen Überdramatisierung. Mit 106 Minuten ist sie vielleicht ein wenig zu lang geraten, allerdings gibt es auch jede Menge aufzudecken.

Die Polizei, dein Feind und Verschlepper

Nach ungefähr einer halben Stunde Laufzeit lässt einer der Zeitzeugen verlauten, dass das Vorgehen und die Ausführung der Untersuchungen durch die Behörden „absolut dilettantisch“ waren. So etwas dürfe „bei polizeilichen Ermittlungen nicht passieren – außer es geschieht mit Absicht.“ Ob der gute Mann bezogen auf dieses spezielle Verbrechen Recht hat, soll hier nicht beantwortet werden, er hat aber anscheinend noch nie von Fällen gehört, die in Dokumentationen wie Wo ist Marta?, Dig Deeper: Das Verschwinden von Birgit Meier oder Ermordet: Tatort Times Square behandelt wurden. Beispiele wie die genannten, aber auch sonst die meisten True-Crime-Dokus, mögen uns sicher Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche geben, mögen uns aufzeigen, wozu Menschen in der Lage sind, was wir nie für möglich gehalten hätten und so weiter.

Aber gefühlt immer häufiger scheint es bei Dokumentationen dieser Art das best case scenario zu sein, dass kein Vertrauen in die Polizei aufgebaut wird. Die Alternative ist dann nämlich, dass besagtes Vertrauen nicht nur (gegebenenfalls weiter) erschüttert wird, sondern gar in offenes Misstrauen umschlägt. Inkompetenz ist ja eine Sache: Die Polizei ist nicht in der Lage, Beweise richtig zu sichern beziehungsweise gesicherte Beweise auszuwerten, Zeugenaussagen ernst zu nehmen oder Hinweisen nachzugehen – na ja, bitte sehr, sicher nicht ideal, aber damit muss man dann wohl leben. Korruption jedoch ist etwas gänzlich anderes. Ist die Polizei sehr wohl in der Lage zu all diesen Dingen, entscheidet sich allerdings bewusst dagegen, dann haben wir ein Problem. Sonderlich ermutigend ist dieser Aspekt von Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas jedenfalls nicht.

Credits

OT: „El Fotografo y el Cartero: El Crimen de Cabezas“
Land: Argentinien
Jahr: 2022
Regie: Alejandro Hartmann
Musik: Lea Sujatovich
Kamera: Alejandra Martín

Bilder

Trailer

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Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas
Fazit
In „Der Fotograf und der Postbote: Der Mord an José Luis Cabezas“ wird der skandalöse Fall eines ermordeten Journalisten aufgearbeitet. Was mehr oder weniger einer öffentlichen Hinrichtung gleichkommt, ist nur der Auftakt eines Falles, der vieles über die Korruption in Argentinien zu Tage fördert, was bis dahin im Verborgenen geblieben war. Die geringe Überlänge und der marginale Hang zur Überdramatisierung wären vermeidbar gewesen, lenken aber auch nicht zu sehr vom Inhalt ab.
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