Penny Dreadful Staffel 1
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Penny Dreadful – Staffel 1

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(„Penny Dreadful – Season 1“ directed by Juan Antonio Bayona, Dearbhla Walsh and others, 2014)

Penny Dreadful erste Season
„Penny Dreadful – Die komplette erste Season“ ist seit 9. April auf DVD und Blu-ray

Das Publikum liegt ihm zu Füßen, vor allem das weibliche. Einen wirklichen Grund hat der amerikanische Scharfschütze Ethan Chandler (Josh Hartnett) daher nicht, Aufträge von wildfremden Leuten anzunehmen. Wäre da nicht die geheimnisvolle Aura, welche Vanessa Ives (Eva Green) umgibt. Und so schließt er sich allein aus Neugierde ihr und dem wohlhabenden Forscher Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton) an, um gemeinsam mit ihnen Murrays verschwundene Tochter Mina zu finden. Doch zunächst einmal führt sie diese Suche zu einer Reihe grotesker Monster und sehr eigenwilligen Menschen.

Als „Penny Dreadful“ bezeichnete man jene Groschenromane, die mit Schauergeschichten da breite Publikum das Fürchten lehren wollten. Und oft auch taten. Eine Serie danach zu benennen, das schreit geradezu nach Trash, umso mehr, wenn man sich die Zusammenfassung durchliest. Figuren aus Bram Stokers „Dracula“ tauchen ebenso auf wie Dorian Gray von Oscar Wilde und Victor Frankenstein aus Mary Shelleys „Frankenstein“. Abgerundet wird der Horrormix durch altägyptische Mythologie, Werwölfe und okkulte Elemente à la Rosemaries Baby. Solche Crossover werden gerne mal mit einem Augenzwinkern versehen, wie der Superhelden-Laufsteg Marvel’s The Avengers oder auch das Märchen-Musical Into the Woods. Zur großen Überraschung nimmt sich Penny Dreadful trotz der lächerlichen Prämisse ernst und macht dabei eine richtig gute Figur. Meistens zumindest.

Stimmungsvoll ist die britisch-amerikanische Koproduktion definitiv: Wenn wir nachts durch die dunklen Gassen des Viktorianischen Londons schleichen, in Zoos oder einem Theater unterwegs sind, will man oft gar nicht so genau wissen, was da hinter der nächsten Ecke lauert. Gerade der Auftakt verströmt schaurig-schönes Gruselflair – was kein Wunder ist, denn die ersten zwei der insgesamt acht Episoden wurden von Juan Antonio Bayona inszeniert. Und der durfte sein Händchen für furchteinflößende Momente schon in Das Waisenhaus und The Impossible zeigen. Überhaupt sind die größeren Namen hier eher abseits des Bildschirms versteckt: Serienschöpfer John Logan und Produzent Sam Mendes, das war das Kreativduo hinter Skyfall und dem kommenden Spectre, Logan war als Drehbuchautor gleich dreimal für einen Oscar nominiert (Gladiator, Aviator, Hugo Cabret).

Oscarverdächtig ist seine Gruselmär sicher nicht, dafür knirscht es an zu vielen Stellen. So verrucht-abgründig die Szenen mit Dorian Gray (Reeve Carney) auch sind, sie haben mit der eigentlichen Handlung kaum etwas zu tun. Und dieses Problem zieht sich wie ein roter Faden durch Penny Dreadful: Man hat nie wirklich das Gefühl, eine durchgängige Geschichte anzuschauen. Eine ganze Folge ist beispielsweise dem Hintergrund von Ives reserviert, wo es ein kurzer Rückblick auch getan hätte. Gerade weil auch die erste Staffel nur acht Folgen hat, wäre ein stärkerer Fokus schön gewesen, anstatt sich in den vielen Nebenschauplätzen zu verlieren und unnötig viele Charaktere einzuführen. Denn so wartet man oft recht lange darauf, dass es mit der Suche nach Mina endlich einmal weitergeht.

Immerhin, trotz der vielen Fäden findet Staffel eins ein relativ schlüssiges Ende, das zwar diverse Wege offen lässt, ohne sich aber in übertriebene Cliffhanger zu stürzen. Und spannend ist Penny Dreadful ohnehin: Gerade weil man zu Beginn in so viele kalte Wasser auf einmal geworfen wird und so gar keine Ahnung hat, was hier eigentlich gespielt wird, bleibt man gern dabei – der Neugierde wegen. Zwischendurch wird die zwar weniger befriedigt, doch auch während des gelegentlichen Leerlaufs gibt es einiges zu sehen. Ausstattung, Kostüme und Einrichtung sind auf einem hohen Niveau, die schauspielerischen Leistungen passen ebenfalls. Gerade Eva Green darf in vielen beeindruckenden Szenen ihren inneren Wahnsinn nach außen kehren, auch Harry Treadaway (Cockneys Vs. Zombies) gefällt als sehnsüchtig-morbider Doktor Frankenstein. Schön daher, dass wir in der bald startenden Staffel zwei diese beiden und auch den Rest des gut besetzten Casts wiedersehen werden und wir noch etwas tiefer in die Horrorhistorie eintauchen dürfen.



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Vampirjäger treffen auf Frankenstein, Dorian Gray und ägyptische Gottheiten? Das klingt nach Trash, ist aber eine stimmungsvolle und weitestgehend spannende Horrorserie. Manchmal verheddert sich „Penny Dreadul“ jedoch, weniger Charaktere und Nebenhandlungen wären da ganz gut gewesen.
7
von 10