Kritik

Project Power Netflix

„Project Power“ // Deutschland-Start: 14. August 2020 (Netflix)

Drogen gab es zuvor in New Orleans natürlich nicht zu knapp. Doch diese ist anders: Wer die Pillen einnimmt, der erhält für fünf Minuten spezielle Superkräfte. Für die Stadt wird das schnell zu einem Problem, geht mit diesen Kräften doch auch eine gesteigerte Kriminalitätsrate einher. Polizist Frank (Joseph Gordon-Levitt) versucht dem Treiben ein Ende zu setzen. Aber auch andere werden in die Geschichte hineingezogen, darunter der Ex-Soldat (Jamie Foxx), der seine entführte Tochter befreien will, und die drogendealende Robin (Dominique Fishback), die eigentlich von einer Karriere als Rapperin träumt. Denn sie alle haben ihre Gründe, um die Hintermänner dieser Pille ausfindig zu machen …

Wer keine großen Superhelden zur Verfügung hat, der schafft sich einfach seine eigenen. Das zumindest scheint das Motto von Netflix zu sein: In regelmäßigen Abständen stellt der Streamingdienst neue Serien und Filme vor, in denen die Figuren über irgendwelche übermenschlichen Kräfte verfügen. Dafür werden gerne mal Comics ausgegraben, wie etwa bei The Old Guard oder The Umbrella Academy, in der Hoffnung, dass man zumindest ein wenig von dem lukrativen Markt abbekommt, den Marvel und DC unter sich aufteilen. Dann und wann versucht man sich aber auch an Originalstoffen, peppt diese dann gern mit etwas größeren Namen auf.

Der Drang ins Rampenlicht
Project Power ist so ein Beispiel. Knapp drei Jahre ist es bereits her, dass Netflix das Skript in einem Bieterwettbewerb für sich gewinnen konnte. Und das obwohl dessen Autor Michael Simmonds zu dem Zeitpunkt ein unbeschriebenes Blatt war. Dafür konnte man zwei Hochkaräter für die männlichen Hauptrollen gewinnen: Jamie Foxx, der 2005 für seine Darstellung der Rhythm and Blues Legende Ray Charles in Ray einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann, sowie Joseph Gordon-Levitt, der unter anderem durch Inception bekannt wurde, sich in den letzten Jahren aber rar gemacht hat und überwiegend im Independent-Bereich unterwegs war.

Was nun Gordon-Levitt dazu bewegt hat, ausgerechnet hiermit zum Blockbuster-Format zurückkehren zu wollen, bleibt dabei jedoch ebenso ein Geheimnis wie das gesteigerte Interesse an der Geschichte. Sicher, Superhelden sind immer attraktiv. Die Idee, dass die Kräfte zeitlich sehr beschränkt sind und zudem unvorhersehbar, ist ebenfalls nicht ohne Reiz. Während bei Filmen aus diesem Bereich die Gimmicks um die jeweiligen Fähigkeiten zuweilen schnell aufgebraucht sind, werden sie bei Project Power nach dem Zufallsprinzip angewendet. Dadurch weiß man vorher nie so genau, was passieren wird, welche Kräfte der nächste Gegner an den Tag legen wird – oder eben die Helden.

Viele kräfte, wenig Kreativität
Soweit die Theorie. Leider nutzt der Film die Möglichkeiten einer solchen Kräftelotterie jedoch wenig aus. Das Potenzial, komplett durchgeknallte Fähigkeiten anzuwenden, und sei es eben nur für das eine Mal, das verkümmert hier etwas lieblos. Stattdessen gibt es doch nur das Übliche, sowohl in Hinblick auf die Talente wie auch die Figuren. Project Power ruht sich auf vielen Klischees aus, anstatt aus Szenario und Setting mehr zu machen. Gleiches gilt für die Gegenseite, für die man sich nicht wirklich viel Langweiligeres hätte einfallen lassen können. Es fehlt die Persönlichkeit, es fehlt auch eine Aussage, wie man sie in einem solchen Drogenspektakel und der Sehnsucht nach Besonderheit leicht hätte treffen können.

Stattdessen gibt es Actionszenen, die mit der Zeit irgendwie kleiner und unscheinbarer werden, anstatt immer weiter aufzudrehen. Das fängt eigentlich noch recht spaßig an. Es ist auch nicht so, als würde das Tempo an sich nachlassen, von einigen ruhigeren Momenten einmal abgesehen passiert immer was. Nur passiert eben zu wenig, für das es sich unbedingt lohnen würde, hier einmal reinzuschauen. Gerade in der zweiten Hälfte wird aus dem explosiven Drogencocktail ein tendenzieller Schlummertrunk, der nicht wirklich dazu anregt, dem Trio bis zum Ende zu folgen. Aufgrund der Besetzung und einiger anfänglicher Ideen kann man sich Project Power zwar anschauen. Der zu lang geratene Actionfilm hätte aber deutlich mehr bieten können und müssen.

Credits

OT: „Project Power“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
Drehbuch: Mattson Tomlin
Musik: Joseph Trapanese
Kamera: Michael Simmonds
Besetzung: Jamie Foxx, Joseph Gordon-Levitt, Dominique Fishback, Rodrigo Santoro, Courtney B. Vance, Amy Landecker, Colson Baker

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Project Power
In „Project Power“ ist eine Pille im Umlauf, die für fünf Minuten Superkräfte verleiht. Das ist als Idee witzig, macht anfangs auch Lust auf mehr, versumpft später dann aber in Klischees und macht auch bei den Figuren zu wenig. Gerade in der zweiten Hälfte schleicht sich trotz eines an und für sich hohen Tempos zu oft Langeweile ein.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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