Wanna Marchi: Die Fernsebetrügerin Netflix
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Wanna Marchi: Die Fernsehbetrügerin

„Wanna Marchi: Die Fernsebetrügerin“ // Deutschland-Start: 21. September 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Wanna Marchi ist 79 Jahre alt (mittlerweile 80) und behauptet von sich selbst, dass Dinge zu verkaufen das einzige ist, was sie kann. Als der Interviewer ihr einen Stift aushändigt, fängt sie nach minimaler Bedenkzeit ihr Verkaufsgespräch an und liefert ein überzeugendes Argument dafür, diesen nun plötzlich gar nicht mehr so gewöhnlichen Stift unbedingt besitzen zu wollen – zumindest in der englischen Sprachfassung. Wie bei Netflix leider üblich, ist bei der Dokuserie Wanna Marchi: Die Fernsehbetrügerin in der englischen beziehungsweise der deutschen Version die neue Tonspur einfach über die italienische Originalfassung gelegt worden.

Ohne zu wissen, was Marchi denn nun wirklich gesagt hat, können die beiden Übersetzungen nicht gleichzeitig zutreffen, da sie völlig unterschiedliche Szenarien wiedergeben. Die deutsche ergibt dabei zwar inhaltlich schon einen Sinn, die darin getroffene Aussage ist im Vergleich zur englischen aber eher seltsam und würde wohl dazu führen, dass sich der potentielle Käufer mehr Fragen stellt als dass er sofort zugreifen möchte. Außerdem sind die deutschen Untertitel für diese Szene deutlich näher an der englischen Sprachfassung dran. Wer also des Italienischen nicht mächtig und darüber hinaus nicht darauf angewiesen ist, die deutsche Sprache zu hören, sollte nach Möglichkeit zur englischen Version greifen oder Untertitel lesen.

Betrug als System

Nachdem die Sprachbarrieren überwunden sind, können wir uns ja ruhig noch ein wenig dem Inhalt zuwenden. Wanna Marchi: Die Fernsehbetrügerin betrachtet in vier Folgen mit einer Laufzeit von 45 bis 52 Minuten den Fall von Wanna Marchi, welche in eine italienische Bauernfamilie hineingeboren wurde, früh heiratete, irgendwann ihre erworbenen Kenntnisse im Bereich Kosmetik nutzte, um einen eigenen Beautyshop zu eröffnen, dessen Produkte sie im Fernsehen bewarb und dadurch schließlich das Teleshopping für sich entdeckte. Zunächst fokussierte sie sich auf so genannte Schönheitsprodukte, welche Frauen dabei helfen sollten, abzunehmen, attraktiver zu werden, und welche Versprechungen sonst noch so bei verzweifelten Hausfrauen helfen, die nur zu gerne auf so etwas hereinfallen. Da sind sie auch keinesfalls alleine mit; wie viele Bauchmuskelgürtel schon an faule oder unbedarfte Männer verkauft wurden oder wie viele Leute die „Dienste“ von Medien wie Tyler Henry in Anspruch nehmen, ist oftmals nicht zu glauben.

Im Gegensatz zu Henry darf Marchi allerdings ganz hemmungslos des Betrugs bezichtigt werden, da sie offiziell eine verurteilte Betrügerin ist. Natürlich nicht ihrer verkauften Kosmetika wegen – das bewegte sich alles noch im Rahmen des ganz normalen Teleshoppingramsches. Mit ihrem Plunder generierte Marchi in den 1980er-Jahren schon ein kleines Vermögen, allerdings schien die Geldquelle gegen Ende des Jahrzehnts langsam zu versiegen. Das wahre Problem ist jedoch ihre Unternehmensführung – 1990 wird Marchi wegen Insolvenzbetrug verurteilt. Bald aber hat Marchi, die sich trotz vieler Widrigkeiten in ihrem Leben nie hatte unterkriegen lassen, schon die nächste Geschäftsidee. Gemeinsam mit ihrer Tochter Stefania Nobile verkaufte sie nun ein neues (nichtexistentes) Produkt: Glück. Das geht zwar eine Weile gut, aber die rechtlichen Probleme lassen nicht ewig auf sich warten …

Wenig zimperlich

In Wanna Marchi: Die Fernsehbetrügerin kommen nicht nur die beiden Damen zu Wort, sondern auch Ermittler oder Opfer. Während die Serie insgesamt ein wenig zu lang geraten ist, sind Marchis Ausstrahlung und Attitüde allein doch schon Grund genug, dranzubleiben – die Frau ist nicht zimperlich und es wird deutlich, wie es ihr gelingen konnte, so viele Menschen zu betrügen. Neben talking heads setzt die Doku vor allem auch auf Archivmaterial und da müssen wir nun wieder zum Formalen zurückkehren, denn während die Zeitzeugeninterviews auditiv übertragen sind, stehen für die Videoausschnitte nur Untertitel zur Verfügung.

Credits

OT: „Wanna Marchi“
IT: „Fortune Seller: A TV Scam“
Land: Italien
Jahr: 2022
Regie: Nicola Prosatore
Drehbuch: Alessandro Garramone, Davide Bandiera
Musik: Don Antonio
Kamera: Vito Frangione
Mitwirkende: Wanna Marchi, Stefania Nobeli

Bilder

Trailer

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fazit
„Wanna Marchi: Die Fernsebetrügerin“ arbeitet den Fall einer italienischen Teleshopping-Verkäuferin auf, die ihr rhetorisches Talent dazu nutzte, den Leuten Geld für nichts abzuknüpfen. Das ist insgesamt etwas zu lang und in der deutschen Sprachversion teilweise falsch wiedergegeben, Marchis Persönlichkeit allerdings verleitet zum Dranbleiben.
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