Die Kreidelinie Jaula Netflix
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Die Kreidelinie

Die Kreidelinie Jaula Netflix
„Die Kreidelinie“ // Deutschland-Start: 24. Oktober 2022 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß bei Simon (Pablo Molinero) und Paula (Elena Anaya), als sie eines Nachts mit dem Auto unterwegs sind und dabei ein Mädchen (Eva Tennear) finden, das allein auf der Straße entlangläuft. Sie beschließen, dieses erst einmal ins Krankenhaus mitzunehmen und gründlich untersuchen zu lassen. Während das Kind bald darauf körperlich wieder fit ist, scheint es große psychologische Probleme zu haben. Clara, so heißt es offensichtlich, redet nicht, meidet den Kontakt zu anderen und bewegt sich nicht vom Fleck. Da sich nach und nach aber eine Beziehung zwischen dem Paar und dem Mädchen bildet und nach wie vor jede Spur fehlt, wer Clara ist und was mit ihren Eltern ist, darf sie vorläufig zu Simon und Paula ziehen, in der Hoffnung, dass ein normales und stabiles Umfeld ihr gut tun wird. Tatsächlich scheint die Situation sich weiter zu verbessern – bis es zu eigenartigen Vorfällen kommt …

Ein Thriller mit düsteren Geheimnissen

Gerade erst veröffentlichte Netflix die Serie Heilige Familie, nun folgt mit Die Kreidelinie bereits der nächste spanische Thriller, bei dem sich alles um eine Familie und düstere Geheimnisse dreht. Wobei sich die beiden Produktionen natürlich deutlich unterscheiden. Wo der erstgenannte Titel eine Hochglanz-Seifenoper ist mit hohem Trash-Anteil, da gibt sich der Film ernster und düsterer. Da laufen keine grotesk überzogenen Figuren herum, die einem Groschenroman entnommen sein könnten, sondern überwiegend solche, die schwere Traumata mit sich herumtragen oder an ihrem Leben verzweifeln. Das Drama, welches bei den obigen Kollegen und Kolleginnen bis zur Unkenntlichkeit herausgeputzt wurde, ist hier näher an den Menschen dran.

Das bedeutet aber nicht, dass der Film übermäßig glaubwürdig wäre. Gerade im weiteren Verlauf muss man hier schon einiges schlucken und als gegeben hinnehmen. So verhalten sich die Figuren zum Teil willkürlich. Dass das Paar Clara einfach so mit nach Hause nehmen darf, darf man in Frage stellen. Die Ermittlungen von Paula, die unbedingt herausfinden möchte, wer denn das Mädchen ist, sind jetzt auch nicht gerade die plausibelsten. Bei Die Kreidelinie muss man schon das eine oder andere Auge zudrücken. Das gilt gerade für die späteren Ereignisse, wenn sich alles komplett überschlägt und Figuren zuweilen genau zur richtigen – oder falschen – Zeit auftauchen. Die üblichen Zufälligkeiten eben, denen man vor allem in Drehbüchern begegnet, wo Sachen immer dann geschehen, wenn es gerade notwendig ist.

Nicht subtil, aber recht spannend

Während man an diesen Stellen mit den Augen rollen darf, sind andere Passagen durchaus spannend. So möchte man als Zuschauer bzw. Zuschauerin nicht minder gerne wissen, was es mit Clara auf sich hat. Wer ist das Mädchen? Wo kam es in der Nacht auf einmal her? Und wie kommt es, dass es nirgends vermerkt ist, offensichtlich niemand sie vermisst gemeldet hat? Das größte Geheimnis ist aber sicher das, was im deutschen Titel Die Kreidelinie bereits angekündigt wird. So bewegt sich das Kind ausschließlich innerhalb von Linien, die zuvor mittels Kreide auf den Boden gezeichnet wurden. Sie weigert sich, einen Schritt nach außen zu machen, reagiert sehr aggressiv auf die Versuche, sie dazu zu bringen. Ihr Bewegungsradius wird nur dadurch erweitert, indem Paula und Simon selbst die Kreidelinien erweitern und fortführen.

Dieses sonderbare Verhalten zusammen mit der düsteren Stimmung sorgen dafür, dass Die Kreidelinie zumindest phasenweise ein sehenswerter Thriller ist. Zumal lange nicht klar wird, ob Clara nun Opfer oder Täterin ist, etwa im Stil von Orphan: Das Waisenkind. Sonderlich subtil geht Regisseur und Co-Autor Ignacio Tatay dabei zwar nicht vor, der extreme Blaustich hätte zum Beispiel nicht unbedingt sein müssen. Schauspielerisch ist der spanische Film hingegen in Ordnung. Wer mal wieder in der Stimmung ist für eine Geschichte mit hohem Mystery-Anteil und tiefen Abgründen, der kann hierauf mal einen Blick riskieren. Mit bekannten Genre-Kollegen wie Der unsichtbare Gast oder Sleep Tight kann es das Werk zwar nicht aufnehmen. Für sich genommen ist das hier aber durchaus solide und ein vielversprechender Einstand für Tatay, der nach mehreren Kurzfilmen sein Langfilmdebüt gibt.

Credits

OT: „Jaula“
IT: „The Chalk Line“
Land: Spanien
Jahr: 2022
Regie: Ignacio Tatay
Drehbuch: Ignacio Tatay, Isabel Peña
Musik: Snorri Hallgrímsson
Kamera: Oriol Barcelona
Besetzung: Elena Anaya, Pablo Molinero, Eva Tennear, Eva Llorach, Carlos Santos, Esther Acebo, Eloy Azorín

Trailer

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fazit
„Die Kreidelinie“ ist ein durchaus solider und abgründiger Thriller um ein Paar, das eines Nachts ein rätselhaftes Mädchen findet. Das Rätsel um dessen Herkunft und Vorgeschichte sorgt für Spannung, zusammen mit der nicht gerade subtil erzeugten düsteren Stimmung. Man sollte jedoch keine größeren Ansprüche an die Glaubwürdigkeit haben.
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