Inhalt / Kritik

Kojoten Coyotes Netflix

„Kojoten“ // Deutschland-Start: 2. Dezember 2021 (Netflix)

Es ist wieder so weit, das Sommercamp öffnet seine Pforten. Das bedeutet für die jungen Pfadfinder und Pfadfinderinnen jede Menge Gelegenheit, sich zu beweisen und an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Nur hat Kevin (Louka Minnella) darauf überhaupt keine Lust, nicht so wirklich zumindest. Und so nutzt er dann auch die erste Gelegenheit, um sich abzusetzen und in die nächste Stadt zu fahren, auf der Suche nach ein paar Drogen, die ihm den Alltag erleichtern. Dabei trifft er auf Marie (Dara Tromboff), mit der es auf Anhieb so richtig funkt. Noch folgenreicher ist aber ein anderer Fund, der ihm später in die Hände fällt: ein Haufen Diamanten. Dass diese auf nicht ganz legale Weise dorthin geraten sind, das ist ihm schon bewusst. Das bedeutet aber nicht, dass er und der Rest der Kojoten, so der Name seiner Gruppe, diese nicht zu Geld machen können …

Hilfe, ein Sommercamp!

Ein Sommercamp, das in einem Wald gelegen ist? Da werden Horrorfans natürlich hellhörig. Ob es nun der Klassiker Freitag der 13. ist oder Filme neueren Datums wie Camp Evil oder Nobody Sleeps in the Woods Tonight, da gab es eine ganze Reihe von Beispielen, wie das idyllische Setting zum Schauplatz brutaler Morde wurde. Mit der Netflix-Serie Kojoten kommt nun der nächste Titel, der ein solches Setting für sich nutzen will, wenn sich eine Pfadfindergruppe auf eine Geschichte einlässt, die gar nicht gut ausgehen kann. Es dauert jedoch eine ganze Weile, bis die belgisch-luxemburgische Produktion tatsächlich mal ein bisschen zur Sache geht. Es handelt sich zudem nicht um ein Horrorwerk, sondern einen Thriller – und selbst bei dieser Genreeinteilung muss man zuweilen ein Fragezeichen dahinter stellen.

Tatsächlich ist Kojoten eine immer wieder irgendwie verwirrende Serie. Grundsätzlich sollte man meinen, dass die Sache ganz einfach ist: Auf der einen Seite haben wir die Pfadfindergruppe, auf der anderen Seite die Verbrecher. Da weiß das Publikum normalerweise, für wen es sein muss. Nur dass diese Pfadfinder und Pfadfinderinnen keinen übermäßig großen moralischen Kompass haben und stattdessen lieber mit gestohlenen Diamanten ein Vermögen machen wollen. Richtig kompliziert wird es aber durch die anderen Gruppierungen, die im Laufe der sechs Folgen mitmischen und alle eigene Ziele verfolgen. Da gibt es Verbrecher, die Verbrecher hintergehen. Einen Pfarrer, der ein unerwartetes Kampftalent mitbringt. Und natürlich noch die indische Oberböse, die ihren persönlichen Killer losschickt. Wer da mit wem was gegen wen macht, kann da schon mal etwas schwer zu durchschauen sein.

Ein Genremix ohne Sinn und Verstand

Vor allem aber ist Kojoten im Hinblick aufs Genre ein einziges Chaos. Grundsätzlich passt das mit dem Thriller – als solcher verkauft Netflix den Einkauf – zwar schon, verbunden mit Krimielementen. Gleichzeitig wird aber, wie bei so vielen Serien mit jugendlichen Protagonisten, ganz viel Drama eingebaut. Da geht es um Liebe und enttäuschte Hoffnungen. Die Pfadfinderin mit dem etwas unpassenden Namen Panda (Victoria Bluck) hadert mit den Machenschaften, die ihrem strengen Glauben zuwider sind. Manchmal zumindest. Und da ist ja noch Furet (Kassim Meesters), der beste Freund von Kevin, der eigentlich gern mehr wäre als nur ein Freund, was aber niemand wissen darf und zu schmerzhaften Szenen führt.

Und als wäre das nicht schon verwirrend genug, finden sich in Kojoten auch immer wieder Szenen, bei denen sich der Eindruck aufdrängt, die Serie hätte eigentlich eine Komödie werden sollen. Zumindest sind diese dann so absurd, dass man entweder ungläubig auf den Bildschirm starrt oder lauthals zu lachen beginnt. Welche dieser Reaktion beabsichtigt war, bleibt dabei offen. Vielleicht waren so groteske Abschnitte wie der „Endkampf“ oder der indische Killer auch tatsächlich ernst gemeint – was die Sache nicht weniger absonderlich macht. Das wird irgendwann so bescheuert, dass man nur darauf wartet, dass im nahegelegenen See auf einmal Nessie auftaucht. Das hätte dort zwar nichts zu suchen, aber das gilt für so einiges hier.

Kurzweilig und unbefriedigend

Wie viel Spaß man damit hat, hängt maßgeblich davon ab, ob man sich an einer solchen Wundertüte, die vermutlich gar nicht als solche konzipiert war, erfreuen kann. Unterhaltsam ist die Miniserie zumindest, aufgrund der kurzen Laufzeit bleibt auch wenig Gelegenheit zur Langeweile. Und eben weil vieles nicht so wirklich Sinn ergibt und die Figuren sich willkürlich verhalten, bleibt zumindest die Neugierde auf einem höheren Level. Schade ist dabei jedoch, wie wenig man bei Kojoten in die Figuren investiert hat. Auch der Schauplatz des Sommercamps wurde so gut wie gar nicht genutzt. Der muss zwar nicht immer für grausige Morde genutzt werden – die finden hier eh woanders statt –, wären aber auch für eine Diamantenjagd ein dankbares Setting gewesen. Das wäre für eine Serie jedoch wohl zu naheliegend gewesen, die einerseits zur Karikatur übersteigerte Klischees verwendet und gleichzeitig was ganz eigenes ist.

Credits

OT: „Coyotes“
Land: Belgien, Luxemburg
Jahr: 2021
Regie: Jacques Molitor, Gary Seghers
Drehbuch: Axel du Bus de Warnaffe, Vincent Lavachery, Anne-Lise Morin, Christophe Beaujean
Musik: Daniel Offermann
Kamera: Yvan Coene
Besetzung: Louka Minnella, Kassim Meesters, Sarah Ber, Dara Tombroff, Victoria Bluck, Anas El Marcouchi, Steve Driesen, Magaly Teixeira, Nilton Martins, Léo Moreau, Félix Vannoorenberghe, Tessa Balzano

Bilder

Trailer

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Kojoten
In „Kojoten“ folgen wir einer Pfadfindergruppe, die ganz untypisch nicht für das Gute kämpft, sondern lieber gestohlene Diamanten zu Geld machen will. Das ist prinzipiell ein Thriller mit Krimielementen, manchmal ein Jugenddrama und dann wieder auf eine Weise grotesk und komisch, bei der man nicht sagen kann, ob das so gewollt war oder nicht. Das kann Spaß machen, sofern man sich darauf einlassen kann, dass das hier alles irgendwie nicht so wirklich zusammenpasst und kaum etwas wirklich ausgearbeitet wurde.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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