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Eric

„Eric“ // Deutschland-Start: 30. Mai 2024 (Netflix)

Inhalt / Kritik

Eigentlich ist es Vincent (Benedict Cumberbatch) gewohnt, mit seinen im Fernsehen gezeigten Handpuppen Freude in das Leben anderer zu bringen. Sein eigenes Leben gibt derzeit jedoch viel weniger Anlass zu Freude. So kriselt es bei der Arbeit. Zu Hause läuft es keinen Deut besser, praktisch jeden Tag kommt es inzwischen zu Streit mit seiner Frau Cassie (Gaby Hoffman). Und dann wäre da noch der Alkohol, der bei ihm in zu großen Mengen fließt. Als auch noch sein Sohn Edgar (Ivan Morris Howe) auf dem Weg zur Schule spurlos verschwindet, droht der zunehmend labile Vincent endgültig abzustürzen. Eine Hoffnung bleibt ihm jedoch: Eric, ein Monster, welches Edgar entworfen hat und das Vincent in seine Show übernehmen will. So hofft er, den Jungen zu erreichen und zu einer Rückkehr zu bewegen …

Das Monster im Kopf

Diesen Monat hat Netflix eine Reihe ziemlich düsterer Stoffe veröffentlicht. Da war beispielsweise Monster über zwei Kinder, die sich aus dem Haus ihres Entführers befreien müssen. The 8 Show erzählt von acht Menschen, die in einer menschenverachtenden Spielshow gefangen sind. Bei Bionische Schwestern lernen wir zwei konkurrierende Schwestern kennen, von denen eine für ein technologisches Bein zu allem bereit ist. Und dann war da noch die Romanadaption Farben des Bösen: Rot um einen Staatsanwalt, der gemeinsam mit einer trauernden Mutter den Mörder ihrer Tochter sucht. Wem das noch nicht reicht, kann nun einen Blick auf Eric werfen. Denn auch bei der zwischen Thriller und Drama schwankenden Serie erwarten das Publikum eine Reihe finsterer Themen, die einen zuweilen den Glauben an das Gute im Menschen verlieren lassen.

Der Titel bezieht sich dabei etwas überraschend weder auf den Protagonisten noch auf dessen verschwundenen Sohn. Stattdessen ist er nach dem Monster benannt, das zum ständigen Begleiter von Vincent wird. Das erinnert ein wenig an das kürzlich gestartete IF: Imaginäre Freunde. Während dort das Konzept des eingebildeten Begleiters jedoch für eine humorvolle Familiengeschichte genutzt wird, ist Eric hier ein ambivalentes Wesen. Auf der einen Seite ist es bedrohlich und spart nicht mit abschätzigen Kommentaren, mit denen es Vincent und alle anderen attackiert. Gleichzeitig ist es für den kriselnden Vater die einzige Verbindung zu seinem Sohn. Schließlich hat Edgar Eric entworfen und wird zu seiner Hoffnung, wieder einen Kontakt zu dem Jungen herstellen zu können – wortwörtlich und im übertragenen Sinn.

Viele Abgründe in kurzer Zeit

Die Serie ist deshalb mehr als der Thriller um einen verschwundenen Jungen, wie man anfangs meinen könnte. Vielmehr wird der Aspekt mit vielen dramatischen Elementen verbunden. Da ist die gescheiterte Ehe des Protagonisten, die schwierige Beziehung zu den Eltern, berufliche Probleme, Alkoholismus und die angeknackste Psyche. Und selbst abseits von Vincent liegt da in Eric einiges im Argen, wenn unter anderem Rassismus und Homophobie angesprochen werden. AIDS spielt zwischendurch eine Rolle, selbst Gentrifizierung kommt vor, was für eine Geschichte, die in den 1980ern schon früh ist. Der Vermisstenfall wird so auch zu einem Zeit- und Gesellschaftsporträt, welches viele Missstände anspricht und Abgründe aufzeigt.

Ein bisschen überfrachtet ist dann schon. Die Themen sind für sich genommen alle wichtig, in Kombination wird es aber viel – gerade auch für eine Serie mit nur sechs Folgen. Zwischendurch weiß man dann auch schon gar nicht mehr, worum es überhaupt in Eric gehen soll, wenn dann noch weitere Nebenstränge aufgemacht werden. Aber da sind so viele starke Szenen drin, dass das nicht allzu sehr ins Gewicht fällt. Vor allem Benedict Cumberbatch darf endlich mal wieder seine schauspielerische Klasse demonstrieren in der Rolle eines zunehmend auseinanderbrechenden Manns, der keine Kontrolle mehr hat. Abi Morgan nimmt uns in ihrer Serie mit einen Trip in die tiefsten Abgründe, persönliche wie gesellschaftliche, bei denen es schon ein Monster braucht, um wieder herauszufinden.

Credits

OT: „Eric“
Land: UK
Jahr: 2024
Regie: Lucy Forbes
Drehbuch: Abi Morgan
Idee: Abi Morgan
Musik: Keefus Ciancia
Kamera: Benedict Spence
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Gaby Hoffmann, McKinley Belcher III, Roberta Colindrez, Jeff Hephner, Dan Fogler, Adepero Oduye, Ivan Morris Howe

Bilder

Trailer

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Eric
fazit
„Eric“ erzählt zunächst von einem verschwundenen Jungen, bis die Geschichte mit vielen weiteren düsteren Stoffen verbunden wird. Das ist zwar etwas überfrachtet, aber durchaus sehenswert. Vor allem die schauspielerische Stärke trägt dazu bei, dass die Mischung aus Thriller, Drama und Zeit- bzw. Gesellschaftsporträt sehenswert ist.
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