Kritik

The Sleepover Netflix

„The Sleepover“ // Deutschland-Start: 21. August 2020 (Netflix)

Den Abend hatte sich Clancy (Sadie Stanley) nun wirklich anders vorgestellt. Eigentlich hatte die Jugendliche zusammen mit ihrer Freundin Mim (Cree Cicchino) auf die Party ihres Schwarms Travis gehen wollen, doch es gab mal wieder Zoff zu Hause. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, tauchen auf einmal so komische Leute bei ihnen auf, behaupten allen Ernstes, ihre spießige Mutter Margot (Malin Åkerman) wäre früher eine Meisterdiebin gewesen. Lächerlich. Als diese zusammen mit dem nichtsahnenden Ehemann Ron (Ken Marino) entführt wird, hat sich das mit dem Lachen aber erledigt. Und so bleibt Clancy nichts anderes übrig, als sich mit ihrem jüngeren Bruder Kevin (Maxwell Simkins) und dessen Freund Lewis (Lucas Jaye) an die Fersen ihrer Eltern zu heften und sie irgendwie zu befreien …

Kinder, lasst uns die Welt retten!
Es gehört zu den immer wieder gern genutzten Konzepten im Bereich des Familienfilms: Kinder werden in ein Abenteuer hineingezogen, das eigentlich viel zu groß für sie ist, schaffen es am Ende aber, alle Gefahren zu meistern und es dabei den Erwachsenen so richtig zu zeigen, die sie vorher nicht ernst genommen haben. Das freut die Zielgruppe, die sich auf diese Weise den alles bestimmenden Eltern mal überlegen fühlen darf. Bei guten Vertretern kann aber auch der Rest der Familie seinen Spaß haben, vor allem wenn man sich auf den humoristischen Aspekt eines solchen Szenarios konzentriert. Je absurder die Situationen sind, in die die Kinder geraten, je wahnwitziger die Rettungsaktionen, umso größer der Unterhaltungswert.

Darauf setzt auch The Sleepover, eine neue Netflix-Komödie rund um Kinder, die es auf einmal mit Verbrechern zu tun bekommen. Wobei der Humor sich nicht allein darauf beschränkt, dass das junge Quartett in brenzlige Situationen gerät. Zum Einstieg gibt es ein paar Witze, die sich mehr mit dem Zwischenmenschlichen beschäftigen, darunter einen unerwartet fiesen, durchaus komischen Spruch von Margot. Schön sind auch die Reaktionen der Familie, als diese feststellt, dass die Matriarchin nicht ganz die ist, für die sie sich ausgibt, und jahrelang ganz elementare Dinge geheim gehalten hat. Als kleiner Running Gag wird das auch später fortgesetzt, wenn Ron – aus verständlichen Gründen – so einiges in seiner Ehe in Frage stellt.

Den Witz kenne ich schon …
Es ist nicht der einzige Running Gag, den man in The Sleepover findet. Und während es grundsätzlich nicht verkehrt ist, einzelne Elemente immer mal wieder in einem Film aufzugreifen, führt es hier jedoch dazu, dass sich zu früh zu viel wiederholt. Wobei dieser Eindruck auch damit zusammenhängt, dass man sich beim Drehbuch nicht unbedingt kreativ verausgabt hat. Die Vergleiche mit Spy Kids liegen auf der Hand, gerade auch als diverse Gadgets ins Spiel kommen. Zwar sind die Eltern hier keine coolen Geheimagenten, das Prinzip funktioniert aber recht ähnlich. Da tritt jemand in die Fußstapfen der Erwachsenen und muss sich in diesen beweisen, was – wenig überraschend – nach anfänglichen Missgeschicken gut klappt.

Teilweise ist das ganz amüsant, auch weil die jungen Darsteller und Darstellerinnen schön miteinander harmonieren. Klar sind ihre Figuren überzeichnet, etwa Lewis, der das Kind und Opfer überfürsorglicher Eltern ist, weshalb vieles bei ihm nicht so geht wie gedacht. Da The Sleepover aber gar nicht versucht, irgendwie emotionale Szenen zu erzwingen, sondern sich allein auf den oberflächlichen Spaß konzentriert, wird das nicht zum Nachteil. Die Geschichte um eine absurde Rettungsaktion braucht keine wirklichen Charaktere. Sie hätte jedoch noch mehr Einfälle vertragen können. Zwar versucht der Film durch die Teilung in zwei Parallelstränge – die Kids suchen die Eltern, während die Eltern zu einem Raubzug genötigt werden – für mehr Abwechslung zu sorgen. Das ändert aber nicht daran, dass man hier das Gefühl hat, alles doch schon mal gesehen zu haben. Am Ende ist die Familienkomödie deshalb trotz vereinzelt gelungener Momente nicht mehr als eine dieser typischen Durchschnittsproduktionen, wie sie Netflix andauernd raushaut. Wem das reicht, der schaut rein, der Rest verpasst nicht viel.

Credits

OT: „The Sleepover“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Trish Sie
Drehbuch: Sarah Rothschild
Musik: Germaine Franco
Kamera: Conrad W. Hall
Besetzung: Sadie Stanley, Maxwell Simkins, Cree Cicchino, Lucas Jaye, Ken Marino, Joe Manganiello, Malin Åkerman

Bilder

Trailer

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The Sleepover
In „The Sleepover“ muss eine Familie feststellen, dass die Mutter nicht ganz die ist, für die sie sich immer ausgab. Teilweise macht die an einem jüngeren Zielpublikum ausgerichtete Komödie Spaß. Trotz vereinzelt guter Einfälle wiederholt sich hier aber einiges zu schnell, zumal der Film insgesamt jetzt auch nicht unbedingt mit Kreativität glänzt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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