Cambridge Analyticas großer Hack The Great Hack Netflix

„Cambridge Analyticas großer Hack“ // Deutschland-Start: 24. Juli 2019 (Netflix)

In Horrorfilmen sind die schrecklichsten Momente oft die, wenn ganz alltägliche Gegenstände, am besten noch aus der eigenen Wohnung, zur Tatwaffe werden. Gegenstände, die um einen herumliegen und von denen man nicht einmal wusste, dass sie eine Waffe sein könnten. So ähnlich muss es einigen auch ergangen sein, als der Skandal um Cambridge Analytica bekannt wurde. Damals wurden im großen Stil Nutzerdaten von Facebook zweckentfremdet, um gezielt Einfluss auf die US-Wahlen bzw. die Abstimmung über den Brexit zu nehmen – mit dem bekannten Ergebnis.

Wie sehr die Zahlen am Ende durch diese Maßnahmen beeinflusst wurden, ob Facebook wirklich „schuld“ an Trump und Brexit ist, das lässt sich so genau natürlich nicht rekonstruieren, auch wenn die Netflix-Doku Cambridge Analyticas großer Hack das aus naheliegenden Gründen behauptet. Erschreckend war der Vorfall aber durchaus. Schon das Prinzip, dass private Konversationen und persönliches Verhalten gesammelt und an andere verkauft werden können, ohne dass man je davon erfährt, ist einem nicht geheuer. Aber auch die Vorstellung, dass wir so leicht und gezielt mittels nicht immer erkennbarer Anzeigen manipuliert werden können, greift uns in unserem tiefsten Inneren an.

Nicht vergessen: gefährlich!
Der Film wird dann auch nicht müde, diese Manipulationen hervorzuheben und die Gefahren, welche diese für die Demokratie haben. Dafür wird dann gern auch mal etwas dicker aufgetragen, sei es durch Aussagen voller Pathos oder visuelle Spielereien. Das Regieduo Karim Amer und Jehane Noujaim war es offensichtlich nicht genug, sich allein auf den Inhalt zu beschränken. Da wird mit Spezialeffekten die Digitalisierung und Entwendung auch vorgeführt, symbolisch versteht sich. Das kann man dann schick finden oder verächtlich als Effekthascherei abtun, zumindest eine Weile sorgt das bei Cambridge Analyticas großer Hack, alternativ unter The Great Hack bekannt, für Unterhaltung.

Relevanter sind jedoch die Auftritte der Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Thema zu tun haben, darunter eine investigative Journalistin und ein Professor, der sich dafür einsetzt, das Recht auf die eigenen Daten als grundlegendes Menschenrecht anzusehen. Aber auch Brittany Kaiser wird jede Menge Sprechzeit eingeräumt. Die nutzt sie teilweise für spannende Aussagen, wenn sie über die Arbeit bei ihrem früheren Arbeitgeber redet – besagte Skandalfirma Cambridge Analytica. Aus irgendeinem Grund hielten Amer und Noujaim aber auch die belanglosen Szenen mit ihr für sehenswert. Von den nicht ganz glaubwürdigen Momenten ganz zu schweigen, wenn sie sich als geläuterte Kämpferin für den Datenschutz gibt.

Das sind Aufnahmen, die Cambridge Analyticas großer Hack nur unnötig in die Länge ziehen. Vielleicht waren die Macher des Dokumentarfilms, der auf dem Sundance Filmfestival 2019 Premiere hatte, aber auch einfach der Ansicht, dass der Stoff – so wichtig er auch ist – keinen ganzen Film ausfüllt. Ganz unrecht hätten sie damit nicht. Nach dem Schock über die Systematik, mit der man zur Sache ging, geschieht hier nur noch wenig, was man nicht ohnehin schon aus den Nachrichten seinerzeit wusste. Am wirkungsvollsten ist das hier dann auch für die, die zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen oder zuvor nur am Rande davon mitbekommen hatten. Der Rest darf sich zumindest daran erinnern und weiter sensibilisieren lassen, welche Gefahr hier lauert – selbst wenn niemand so genau sagen kann, wie groß sie ist.

Cambridge Analyticas großer Hack
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Cambridge Analyticas großer Hack
„Cambridge Analyticas großer Hack“ erinnert an den schockierenden Vorfall, dass Facebook-Daten im großen Stil weitergegeben wurden, um damit Wahlen und Abstimmungen zu beeinflussen. Wirklich neue Erkenntnisse bringt der Dokumentarfilm nicht mit sich, ist als Thema aber doch wichtig genug – selbst wenn manche der Szenen bzw. Protagonisten die Diskussion nicht immer voranbringen.
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