Kritik

Fast Furious Spy Racers Netflix

„Fast & Furious: Spy Racers – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 26. Dezember 2019 (Netflix)

Für Tony Toretto zählen nur zwei Dinge im Leben: schnelle Autos und seine Familie! Als sein Cousin Don entführt wird, fackelt er deshalb auch nicht lange und macht sich mit seinen Freunden auf die Suche nach dem Verschwunden. Tatsächlich schaffen sie es, ihn ausfindig zu machen, nur um dann festzustellen, dass das Ganze fingiert war. Der eigentliche Zweck: Don wollte Mrs. Nowhere davon überzeugen, die Kids für einen Undercover-Einsatz anzuheuern. Denn schon seit einer Weile nutzt eine Organisation namens SH1FT3R Straßenrennen als Vorwand für irgendwelche kriminellen Machenschaften. Tony und die anderen sollen sich dort nun einschleichen, die Ziele herausfinden und dabei allem noch ein Ende bereiten …

Dieses Jahr pausierte Fast & Furious zwar offiziell, ganz mussten Fans aber nicht auf die rasende Familie verzichten, welche seit einigen Jahren für pralle Kinokassen sorgt. Erst genehmigte man sich mit Hobbs & Shaw ein Spin-off, welches zwei der beliebtesten Figuren der Reihe einen eigenen Film bescherte. Nun folgt mit Fast & Furious: Spy Racers ein weiteres Nebenprodukt, um das Publikum ein bisschen bei Laune zu halten. Wobei die Serie nur bedingt mit dem Vorbild zu vergleichen ist. Beispielsweise tauchen die Figuren der Filme praktisch gar nicht auf, lediglich Vin Diesel, der auch als Executive Producer mitwirkte, lieh in einigen Szenen seine Stimme.

Animation für Jüngere
Die größeren Unterschiede betreffen aber Inhalt und Umsetzung. Dieses Mal entschied man sich eben nicht für die übliche Live-Action-Variante. Stattdessen durfte DreamWorks Animation für Netflix eine Animationsvariante des Franchises entwerfen. Die Idee ist an und für sich nicht verkehrt. Waren die Filme zunächst noch mit tatsächlichen Straßenrennen beschäftigt, verwandelten die sich mit der Zeit immer mehr in völlig überzogene, humorvolle Action-Spektakel, die Cartoons ohnehin recht ähnlich waren. Da kann man auch gleich den letzten Schritt gehen und sich auf diese Weise von lästigen Vorgaben der realen Welt lösen. Wer braucht noch Naturgesetze, wenn er Autos durch die Luft fliegen lassen kann?

Leider ist die konkrete Umsetzung jedoch nur teils schön anzuschauen. Dass eine Animationsserie nicht dasselbe Budget erhalten würde wie die Hauptreihe, das war abzusehen. Mehr als ein Nebenprodukt war bei Fast & Furious: Spy Racers nie wirklich im Gespräch. Trotzdem hätte da mehr fürs Auge geboten werden können. An vielen Stellen sind die Hintergründe recht spärlich, die Figuren sind in erster Linie anhand ihrer Frisuren zu erkennen – was den so gar nicht bemerkenswerten Tony zum Verhängnis wird. Außerdem sind die Animationen wie so oft bei westlichen CGI-Produktionen Gummibällen nachempfunden, die einfach irgendwie durch die Gegend springen, was die Stunts sehr viel weniger wirkungsvoll werden lässt. Immerhin, bei den Lichteffekten hat man ein bisschen was investiert.

Ein bisschen langweilig
Außerdem dürfte die Zielgruppe die tendenziell eher preisgünstigere Optik ohnehin nicht stören, denn die ist hier deutlich jünger angesetzt als bei den Filmen. Tatsächlich erinnert Fast & Furious: Spy Racers eher an die Reihe Spy Kids vor einigen Jahren, wenn ganz junge Menschen so tun, als wären sie ausgewachsene Spione. Da trifft Unerfahrenheit auf technische Finesse, jugendlicher Übermut auf jede Menge Chaos. Richtig spannend ist das weniger, da irgendwie niemand bedrohlich wirkt. Selbst Mrs. Nowhere ist als Witzfigur angelegt, der man kaum abnimmt, dass sie eine so wichtige Funktion innehat.

Grundsätzlich ist das nicht verkehrt, der letzte Film Fast & Furious 8 beispielsweise lebte vielmehr von den Figuren und ihren Interaktionen als von einer ernstzunehmenden Geschichte. Der Spaß bestand ja vielmehr darin, dass das alles ganz furchtbarer Quatsch ist. Nur hat Spy Racers eben nicht den Charme und den Witz dieses nahen Verwandten. Die Figuren sind viel zu sehr auf Klischees aufgebaut, entwickeln nicht die Persönlichkeit, welche die Filme auszeichnet. Ein Ersatz für die Originale ist das Spin-off daher nicht, es ist nicht einmal wirklich als Lückenfüller zu gebrauchen. Dafür versucht die Serie, im Laufe der acht aufeinander aufbauenden Folgen tatsächlich ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, im Sinn der Filme, und so auf eine etwaige zweite Staffel vorzubereiten. Sollte die tatsächlich kommen: Da ist noch Luft nach oben.

Credits

OT: „Fast & Furious: Spy Racers“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Bret Haaland, Micah Gunnell, James Yang, Leo Riley
Drehbuch: Tim Hedrick, Josh Hamilton, Mitch Iverson, May Chan
Idee: Tim Hedrick, Bret Haaland
Musik: Ryan Lofty, Jay Vincent
Animation: DreamWorks Animation

Bilder

Trailer



(Anzeige)

Fast & Furious: Spy Racers – Staffel 1
3.76 (75.24%) 21 Artikel bewerten

Fast & Furious: Spy Racers – Staffel 1
„Fast & Furious: Spy Racers“ verwandelt die beliebte Filmreihe in ein animiertes Spin-off, das sich an ein jüngeres Publikum richtet. Auch in der Serie wird es sehr übertrieben, zudem spielt ein Gemeinschaftsgefühl eine große Rolle. Leider sind die Figuren aber deutlich weniger unterhaltsam, bei der Optik wäre ebenfalls mehr möglich gewesen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.