Inhalt / Kritik

Sweet Tooth Netflix

„Sweet Tooth – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 4. Juni 2021 (Netflix)

Zehn Jahre ist es her, dass die Menschheit von einem tödlichen Virus heimgesucht wurde, der weltweit zahlreiche Opfer forderte. Gleichzeitig kam es zu einem weiteren Phänomen: Überall wurden Hybridwesen geboren, halb Mensch, halb Tier. Eines davon ist Gus (Christian Convery), ein kleiner Hirschjunge, der zusammen mit seinem Vater (Will Forte) versteckt in den Wäldern lebt. Dort, wo ihn die Menschen nicht finden sollen, die von Anfang an Jagd auf die Hybriden gemacht haben. Doch die Neugierde von Gus ist größer, weshalb er eines Tages auf einen fremden Mann (Nonso Anozie) trifft. Auch die ehemalige Therapeutin Aimee Eden (Dania Ramirez) versucht, den verfolgten Halbmenschen eine Heimat zu geben, indem sie diese in einem ehemaligen Zoo versteckt. Zeitgleich sucht der Arzt Aditya Singh (Adeel Akhtar) noch immer nach einer Heilung für die Krankheit, unter der auch seine Frau Rani (Aliza Vellani) leidet. Denn das Virus droht immer wieder zurückzukommen …

Die Suche nach dem nächsten Comic-Hit

Schon seit einer ganzen Weile mischt Netflix in dem lukrativen Markt um Comic-Adaptionen mit, immer in der Hoffnung, den nächsten großen Hit zu landen. Dann und wann findet sich darunter auch mal ein tatsächlich sehenswerter Titel wie etwa The Umbrella Academy um eine Adoptivfamilie voller Quasi-Superhelden oder das Mysterydrama Homunculus. Doch die meisten Beiträge des Streaminggiganten sind dann doch nur Durchschnittsware. Filme und Serien, die man sich zwar schon irgendwie anschauen kann, bei denen man aber auch nicht allzu viel verpasst. Mit Sweet Tooth steht nun der nächste Versuch an, etwas auf die Beine zu stellen, und wurde dabei bei dem Kanadier Jeff Lemire fündig und seinem bei DC Comics veröffentlichten Werk.

Genauer war es Jim Mickle, der die gedruckte Vorlage zu einer Serie ausarbeitete. Der hatte sich einst mit Horrorfilmen wie We Are What We Are einen Namen gemacht, enttäuschte zuletzt jedoch ein wenig mit dem ebenfalls für Netflix gedrehten Thriller In the Shadow of the Moon. Mit Sweet Tooth kehrt er nun zu alter Stärke zurück, liefert vielleicht sogar den besten Titel seiner bisherigen Karriere hin. Und das obwohl die Comic-Adaption sehr viel weniger düster ist, als man es von dem US-Amerikaner gewohnt ist. Denn auch wenn natürlich Themen wie Viruspandemien gerade in der aktuellen Lage alles andere als fröhlich stimmen, die Verfolgen von Andersartigen ebenfalls nicht geeignet ist, um gute Laune zu erzeugen: Da ist doch oft auch ein lebensbejahender bis märchenhafter Ton.

Die gefährliche Welt aus Sicht eines Kindes

Zum Teil erinnert die Geschichte klar an die diversen Filme und Serien rund um Menschen mit Superfähigkeiten, die aus Angst vom Rest der Menschheit gejagt werden. Nur dass die Hybride in Sweet Tooth in der Hinsicht eher weniger überragende Eigenschaften haben. Meistens beschränkt sich das analog zu den Tieren, mit denen sie gekreuzt werden, auf stärker entwickelte Sinne. Gus zum Beispiel kann sehr gut riechen, was er mit Vorliebe nutzt, um alle möglichen Süßigkeiten zu suchen – daher auch der Titel. Dass der Junge wie alle anderen Hybride auch noch ein Kind ist, verstärkt die Abenteuerstimmung, gerade wenn im weiteren Verlauf Gus und „großer Mann“ zusammen durch die Welt reisen und an den unterschiedlichsten Orten vorbeikommen.

Während diese beiden die Hauptfiguren der Geschichte sind, lernen wir während der acht Folgen der ersten Staffel noch eine Reihe weiterer Charaktere kennen. Zum Teil überschneiden sich deren Schicksale. Ansonsten dient das vor allem dazu, immer mehr Puzzleteile zusammenzuführen. Denn auch wenn das Unglück zu Beginn von Sweet Tooth bereits Jahre zurückliegt, viele Fragen bleiben offen. Nach und nach folgen Erklärungen und Kontexte. Was anfangs noch völlig ohne Zusammenhang wirkt, ergibt mit der Zeit Sinn. Das ist durchaus spannend, da das Abenteuer so noch eine leichte Mysteryrichtung einschlägt. Woher kam das Virus? Wie sind die Hybride entstanden? Und was ist mit der Mutter von Gus passiert?

Kurzweilig und schön anzusehen

Das ist, einiger etwas ausgetretener Pfade zum Trotz, sehr kurzweilig. Dabei lebt die Serie nicht nur von der Geschichte, sondern auch den Figuren. Gus selbst ist in seiner Naivität so charmant und liebenswert, dass man allein deshalb schon dabei sein will, wie er durch die Wälder streift. Und auch die Dynamik innerhalb des Ensembles ist gut gelungen, gerade wenn Bear (Stefania LaVie Owen) hinzustößt und ein Machtkampf entsteht, wer sich denn um Gus kümmern darf. Abgerundet wird das Vergnügen durch wunderbare Bilder, welche die Welt wie einen Märchenpark wirken lassen. Dass manches etwas künstlich aussieht, fällt in diesem Zusammenhang daher weniger negativ auf. Auch dass zwischendurch die Überraschungen etwas mager ausfallen, kann das Vergnügen nicht ernsthaft mindern. Bleibt nur zu hoffen, dass die zwischen Warmherzigkeit und Horror schwankende Geschichte bald eine Fortsetzung erhält, zumal die Staffel erwartungsgemäß an einer besonders gemeinen Stelle endet.

Credits

OT: „Sweet Tooth“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Jim Mickle, Alexis Ostrander, Toa Fraser, Robyn Grace
Drehbuch: Jim Mickle, Beth Schwartz, Michael R. Perry, Justin Boyd, Haley Harris, Christina Ham, Noah Griffith, Daniel Stewart
Idee: Jim Mickle
Vorlage: Jeff Lemire
Musik: Jeff Grace
Kamera: Aaron Morton, Dave Garbett, John Cavill
Besetzung: Christian Convery, Nonso Anozie, Adeel Akhtar, Stefania LaVie Owen, Dania Ramirez, Aliza Vellani, Will Forte, Neil Sandilands, Naledi Murray

Bilder

Trailer

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Sweet Tooth – Staffel 1
In „Sweet Tooth“ wird die Menschheit von einem tödlichen Virus heimgesucht, gleichzeitig werden Kinder geboren, die halb Mensch, halb Tier sind. Die Comicadaption ist dabei märchenhaftes Abenteuer, das zwar mit bekannten Elementen arbeitet, aber mit den Figuren und einer tollen Optik punktet. Hinzu kommen die Mysteryelemente, wenn viele Fragen offen bleiben.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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