Kritik

The Christmas Chronicles 2 Netflix

„The Christmas Chronicles 2“ // Deutschland-Start: 25. November 2020 (Netflix)

Zwei Jahre ist es her, dass Kate Pierce (Darby Camp) mit ihrem Bruder Teddy (Judah Lewis) Weihnachten gerettet hat. Zwei Jahre, in denen sehr viel geschehen ist. Aus der großen Weihnachtsliebhaberin ist ein mürrischer Teenager geworden, der es seiner Mutter nicht verzeiht, einen neuen Freund zu haben. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass damit das Andenken an ihren verstorbenen Vater beschmutzt wird. Zu allem Überfluss müssen sie alle zusammen Urlaub in Cancun machen. Und wer verbringt denn bitteschön Weihnachten am Strand? Als Kate daraufhin beschließt abzuhauen, läuft sie dem verzauberten Elfen Belsnickel (Julian Dennison) über den Weg, der sie und ihren zukünftigen Stiefbruder Jack (Jazhir Bruno) unversehens zu Santa Clause (Kurt Russell) und seiner Frau (Goldie Hawn) bringt. Dabei geht es ihm jedoch nicht um die feierliche Stimmung. Vielmehr hat Belsnickel noch eine Rechnung mit den beiden offen …

Weihnachten ist das Fest der Liebe! Zumindest bei Netflix legt man großen Wert auf das Zwischenmenschliche und romantische Gefühle, wenn pünktlich zum Jahresendspurt eine Vielzahl von Liebeskomödien veröffentlicht werden. Dann und wann ist da mal etwas Sehenswertes dabei, wie bei der charmanten Serie Dash & Lily. Die meiste Zeit über gibt es aber Fließbandware mit Fertigmodels, die von tiefer Emotionalität säuseln, ohne etwas dafür tun zu wollen. Da darf man für die gelegentlichen Weihnachtstitel dankbar sein, die in eine andere Richtung gehen, siehe das skurrile Stop-Motion-Abenteuer Alien Xmas kürzlich, in dem Außerirdische das Weihnachtsdorf überfallen wollen.

Hilfe, die Elfen kommen!
In The Christmas Chronicles 2 geht es da etwas irdischer zu. Immerhin: Wild gewordene Elfen, die wie Zombies auf Speed durch die Gegend rasen, auf der Suche nach dem geliebten Cookies, sieht man in dem Segment eher selten. Einen Hang zu etwas anderem Humor hatte es natürlich auch schon beim Vorgänger The Christmas Chronicles gegeben, der vor zwei Jahren zu einem Überraschungshit für den Streamingdienst avancierte. Beim Nachfolger wurde da noch ein bisschen was oben drauf gesetzt. Gerade auch die Auftritte von Belsnickel als diabolischem Anti-Weihnachts-Mastermind bringen ein paar schön bescheuerte Ideen mit sich, wenn man sich auf einmal in einem Agentenfilm wähnt.

An Tempo mangelt es hier dann auch nicht. Wie beim ersten Teil sind die Figuren viel auf Achse, müssen brenzlige wie kuriose Situationen überstehen, um am Ende Weihnachten noch retten zu können. Chris Columbus, der als Drehbuchautor (Die Goonies) bzw. Regisseur (Kevin – Allein zu Haus) einer der großen Familienfilmemacher der 80er und 90er war, hat offensichtlich keine Absicht, es mit den Jahren vielleicht etwas ruhiger angehen zu lassen. Nur zum Ende gibt es die obligatorisch besinnlichen Momente, wenn sich The Christmas Chronicles 2 ganz ungehemmt dem Kitsch hingibt. Schließlich sollen alle lernen, worauf es wirklich im Leben ankommt: die Familie.

Zwischen Rückschritt und Bereicherung
Das darf man natürlich schön finden, gerade in so turbulenten Zeiten wie diesen, in denen nichts mehr wirklich Bestand zu haben scheint und wir unsere Liebsten kaum sehen können. Da ist eine Rückbesinnung auf das Altmodische vielleicht gar nicht verkehrt. Jedoch hätte sich Columbus doch mehr Mühe geben dürfen bei der konkreten Ausgestaltung. Wenn Kate am Ende des Films auf einmal Jack und dessen Vater in die Arme fällt, obwohl sie während des Abenteuers überhaupt keine Zeit mit diesen verbracht hat, dann ist das schon sehr konstruiert. Bei Belsnickel hat man ebenfalls nur das Notwendigste getan, um ans Ziel zu kommen. Das ist auch deshalb schade, weil der Vorgänger doch von den Figuren und den Interaktionen profitierte. In der Hinsicht ist The Christmas Chronicles 2 ein klarer Rückschritt, zumal auch Santa Clause dieses Mal sehr viel traditioneller ausfällt.

Als Wiedergutmachung darf dafür Goldie Hawn beim zweiten Abenteuer eine deutlich größere Rolle spielen. Beim letzten Mal hatte die Partnerin von Kurt Russell nur einen relativ kleinen Auftritt, jetzt ist sie ganz vorne mit dabei – und tut dem Film damit wirklich gut. Running Gags wie die besonderen Backkünste von Mrs. Clause lockern das Geschehen auf, es macht Spaß der inzwischen nur noch selten auftretenden Leinwandheldin zuzusehen. Dennoch reicht das in der Summe wieder nur fürs Mittelfeld, da zu den besagten inhaltlichen Schwächen erneut technische kommen: Teilweise sieht The Christmas Chronicles 2 schon recht billig aus, gerade im Hinblick auf die CGI-Kreaturen gruselt es einen zuweilen. Da hätte es doch mehr gebraucht, um wirklich in Festtagsstimmung zu kommen.

Credits

OT: „The Christmas Chronicles 2“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Chris Columbus, Matt Lieberman
Musik: Christophe Beck
Kamera: Don Burgess
Besetzung: Kurt Russell, Goldie Hawn, Darby Camp, Jazhir Bruno, Julian Dennison

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The Christmas Chronicles 2
„The Christmas Chronicles 2“ setzt den erfolgreichen Weihnachtstitel fort und erzählt erneut, wie zwei junge Menschen Weihnachten retten müssen. Das ist erneut ohne großen Überraschungsfaktor, dafür mit viel unverdientem Kitsch. Zumindest teilweise macht es aber aufgrund einiger schön bescheuerter Einfälle und einer gut aufgelegten Goldie Hawn wegen Spaß, bei diesem Abenteuer dabei zu sein.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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