Kuntilanak

„Kuntilanak“ // Deutschland-Start: 12. Oktober 2018 (Netflix)

Er sieht aus wie ein ganz normaler, alter Spiegel. Etwas, das man in jedem Haus finden könnte. Aber der Eindruck trügt: Der Spiegel ist das Zuhause einer Kuntilanak, ein weiblicher Geist, der unschuldige Kinder anlockt und mit in sein Reich nimmt. Das muss auch der junge Anja erkennen, als er eines Nachts entführt wird, in dem Glauben, seine verstorbene Mutter vor sich zu sehen. Als der Spiegel später in dem Heim von fünf Waisenkindern landet, die für eine Reality-TV-Show Beweise für die Existenz der Kuntilanak suchen, geht der Spuk von vorne los.

Auch wenn es ja eigentlich schön ist, dass Netflix zuletzt immer häufiger Filme aus Asien importiert, die unter normalen Umständen nie das Licht unserer Fernsehwelt erblickt hätten, im Horrorbereich sind diese Ausflüge bislang überschaubar. Quantitativ wie auch qualitativ. Vor zwei Wochen bescherte uns der Streamingdienst das unterirdische Machwerk Das dritte Auge aus Indonesien, in dem eine junge Frau Geister sieht. Nun steht erneut ein Ausflug zum südostasiatischen Inselstaat an – mit leider ähnlich ernüchternden Ergebnissen.

Ein bisschen Exotik schadet nicht
Der größte Vorteil, den Kuntilanak im Vergleich zu seinem Kollegen jüngst hat: Der Film basiert auf einer alten Legende der indigenen Bevölkerung in Südostasien. Zumindest für das westliche Publikum bekommt das hier dadurch eine leicht exotische Note, um sich von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben. In Indonesien selbst ist die Figur jedoch recht gewöhnlich, war bereits Teil einer ganzen Reihe von Filmen. Darunter befindet sich eine nach dem Kuntilanak benannte Trilogie, die wie dieser Streifen hier von Rizal Mantovani inszeniert wurde.

Erfahrung hat der indonesische Regisseur also jede Menge mit dem Material – leider jedoch keine Idee, wie er etwas aus diesem herausholen kann. Ein Großteil von Kuntilanak besteht aus der üblichen Ansammlung von Schreckmomenten und Gruselzutaten: ein aus dem Nichts kommendes Flüstern, ein vorbeihuschender Schatten im Hintergrund, die ominöse Musik, die immer dann rechtzeitig anschwillt, wenn etwas Wichtiges ansteht. Und dass langhaarige, bleiche Frauen echter Horror sein können, das ist uns seit Ring ja bestens bekannt.

Ein Überbleibsel vergangener Tage
Insgesamt wirkt das hier dann auch sehr altmodisch, nicht zuletzt weil die Spezialeffekte nicht auf dem neuesten Stand sind. Ein Film, der einem auch vor zehn Jahren in der Videothek nicht weiter aufgefallen wäre, der seine anfängliche Exotik unter dem Staub zahlreicher anderer Horrorwerke begräbt, die dasselbe wie hier schon gemacht haben. Oftmals auch besser. Dass keine echte Spannung aufkommen will, liegt aber auch an den gelegentlichen Versuchen, die Geschichte mit etwas Humor aufzumotzen, komische Musik eingeschlossen. Lustig sind diese Momente nicht, höchstens irritierend. Und zwiespältig: Auf der einen Seite reißen sie aus der Monotonie heraus, andererseits machen sie die wenigen gelungeneren Horrormomente wieder zunichte.

Auffallend an diesem so wenig bemerkenswerten Film ist neben dem immer wieder gern gesehenen leichten Dschungelsetting vor allem, dass hier ausschließlich Kinder die Hauptrolle übernahmen. Das gibt Kuntilanak einen Hauch von The Goonies, nur ohne dessen Charme und Persönlichkeit. Denn dafür hätte doch ein wenig mehr in die Kinder investiert werden müssen, die letzten Endes genauso farblos und frei von Persönlichkeit sind wie das Drumherum. Wie das deutlich besser geht, das zeigt das zeitgleich auf Netflix gestartete Spuk in Hill House, das vormacht, wie man mit den Knirpsen mitzittert, wenn mal wieder ein Geist im Rücken auftaucht. Kuntilanak weckt hingegen nur wenig Gefühle, außer dem leichten Ärger, mal wieder 105 Minuten seines Lebens verschenkt zu haben.

Kuntilanak
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Kuntilanak
Fünf Waisenkinder träumen vom großen Geld und finden stattdessen bloß einen verfluchten Spiegel, in dem ein kinderklauender Geist hockt. Das ist bitter, manchmal lustig, soll es zumindest sein. Spannend ist „Kuntilanak“ jedoch sicher nicht, da aus der Vorlage so gar nichts gemacht wurde. Da hilft auch der Exotenbonus, hier eine alte südostasiatische Legende verarbeitet zu haben, nichts mehr.
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