Kritik

Wie man Weihnachten verhunzt How to Ruin Christmas Nrtflix

„Wie man Weihnachten verhunzt – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 16. Dezember 2020 (Netflix)

Es ist ein ganz besonderer Anlass, der Tumi Sello (Busi Lurayi) wieder in den Schoß der Familie und ihre alte Heimat zurückführt. Nicht nur dass Weihnachten ist, ihre Schwester Beauty (Thando Thabethe) heiratet zudem – und Tumi soll die Brautjungfer sein! So lautete zumindest der Plan. Bald müssen sie aber alle feststellen, dass Pläne nicht besonders viel bedeuten. Daran hat Tumi einen größeren Anteil, da sie doch die Gabe hat, irgendwie alles zu ruinieren, vor allem wenn irgendwie Männer im Spiel sind. Was häufiger vorkommt. Aber auch sonst läuft vieles nicht so, wie es soll …

Eine Rückkehr mit Hindernissen
Es gibt im Leben meist drei große Anlässe, welche die Menschen dazu veranlassen, in großen Scharen in die Heimat zurückkehren zu lassen: 1. Jährliche, traditionelle Feste wie Weihnachten 2. Hochzeiten 3. Todesfälle. Besonders praktisch ist es natürlich, wenn gleich mehrere dieser Anlässe zusammenfinden. Wie in der Netflix-Serie Wie man Weihnachten verhunzt, wenn ausgerechnet zu Weihnachten eine große Hochzeit stattfindet. Wobei der Titel bewusst irreführend ist. Wie schon bei Titeln wie Weihnachtstöchter oder A California Christmas wird das Fest der Liebe zwar in den Titel gepackt, spielt in der Geschichte aber praktisch keine Rolle. Man könnte die paar Minuten, die diesem jeweils gewidmet sind, auch einfach streichen, ohne dass es jemandem auffallen würde.

Im Fall von Wie man Weihnachten verhunzt ist die Mogelpackung noch einmal etwas dreister, da Weihnachten gar nicht erwähnt oder gefeiert wird. Wer nicht auf das eingeblendete Datum achtet, wüsste nicht einmal, dass anderswo Leute damit beschäftigt sind, Lametta aufzuhängen und Geschenke einzupacken. Das ist irritierend, wird manche vielleicht auch enttäuschen, die wissen wollten, wie ein Weihnachten in Südafrika so aussieht. Wie man eine Hochzeit verhunzt wäre auf jeden Fall der deutlich passendere Titel gewesen. Oder auch Wie man ein Leben verhunzt, denn in der Serie gibt es praktisch niemanden, der auch nur irgendwie sein Leben wirklich unter Kontrolle hat.

Aber das muss ja nicht verkehrt sein, zumindest aus Sicht des Publikums. Dysfunktionale Familien haben nicht nur etwas Beruhigendes, wenn man sieht, dass es woanders noch viel schlimmer ist als bei einem selbst. Sie können auch einen größeren Unterhaltungsfaktor haben, während sie alles zu Bruch schlagen, mal aus böser Absicht, mal aus purer Inkompetenz. Aber selbst, wer mit der richtigen Erwartungshaltung an Wie man Weihnachten verhunzt herangeht, wird nicht unbedingt belohnt. Solche Geschichten um persönliche Reibungen und überlieferte Verletzungen können wahlweise sehr komisch oder sehr bewegend sein. Hier ist irgendwie nichts von beidem der Fall, obwohl die Serie als Tragikomödie verkauft wird.

Viel Streit, wenig Spaß
Dabei ist es nicht so, dass es einen Mangel an Reibungsfläche gibt. Da werden Partner und Partnerinnen hintergangen, Kinder nicht anerkannt, gewisse Umstände verschwiegen, genügend Vorfälle also, an denen man etwas aufziehen könnte. Und doch: Nahe geht einem das alles nichts. Ein Grund dafür ist, dass die Figuren recht wenig dafür tun, dass man sich unbedingt für sie erwärmen müsste. Sie sind weder sympathisch, noch besonders spannend. Dafür sind sie erfolgreich dabei, einem schnell auf die Nerven zu gehen. In der Hinsicht hätte deutlich mehr passieren müssen, vielleicht hätte es auch mehr Zeit gebraucht. Anstatt hysterisch von Ereignis zu Ereignis zu hetzen ein paar Zwischentöne mehr, das wäre schon schön gewesen.

Wobei es durchaus Szenen gibt, die man sich anschauen kann. Wortwörtlich: Die farbenfrohen Kostüme und die luxuriöse Umgebung des Hotels, in dem die Hochzeit stattfinden soll, bieten schon einiges fürs Auge. Außerdem sind südafrikanische Produktionen hierzulande immer noch Mangelware, was die in mehreren Sprachen gedrehte Serie zumindest für entsprechend Interessierte ansprechend machen könnte. Als alleinige Daseinsberechtigung reicht das jedoch kaum aus. Selbst wenn die Geschichte um zwei Schwestern nicht wirklich verhunzt ist, gelungen kann man sie kaum nennen.

Credits

OT: „How to Ruin Christmas: The Wedding“
Land: Südafrika
Jahr: 2020
Regie: Johnny Barbuzano
Drehbuch: Sunni Faba, Lwazi Mvusi, Salah Sabiti
Musik: Samukelo Mahlalela
Kamera: Lance Gewer
Besetzung: Busi Lurayi, Thando Thabethe, Yonda Thomas, Nambitha Ben-Mazwi, Clementine Mosimane, Sandile Mahlangu

Bilder

Trailer

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Wie man Weihnachten verhunzt – Staffel 1
In „Wie man Weihnachten verhunzt“ geht es, anders als der Titel ankündigt, nicht um Weihnachten, sondern zwei Schwestern und eine turbulente Hochzeit. Die südafrikanische Serie lockt dabei mit vielen ansprechenden Bildern, ist inhaltlich aber trotz der vielen Problemfelder recht dünn – zumal die Figuren wenig Grund liefern, mit ihnen Zeit verbringen zu wollen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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