Saint Seiya Knights of the Zodiac Netflix

„Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 19. Juli 2019 (Netflix)

Seiya ist ein ganz normaler Jugendlicher. Oder er war es zumindest bis vor Kurzem. Doch dann stellt er eines Tages fest, dass er über seltsame, übermenschliche Kräfte verfügt. Und er ist nicht der einzige, der das bemerkt: Kurze Zeit später taucht Alman Kido bei ihm auf und versucht ihn dazu zu überreden, ein Bronze Saint zu werden, einer jener Krieger, die geschworen haben, die Göttin Athene zu beschützen. Seiya willigt tatsächlich darauf ein, mit einem kleinen Hintergedanken: Er möchte auf diese Weise seine Schwester wiederfinden, die spurlos verschwunden ist.

Eines muss man Netflix lassen: Nicht nur, dass sie Anime-Fans ständig mit Nachschub versorgen, selbst produziertem wie eingekauftem. Der Streaminganbieter nutzt bei den japanischen Animationsserien zudem so ziemlich jede Technik, die sich anbietet. Dieses Jahr sah beispielsweise neben den herkömmlichen Zeichentrickvarianten die Stop-Motion-Serie Rilakkuma und Kaoru, aber auch 2D-Computer-Neuinterpretationen Ultraman und Godzilla: The Planet Eater.

Neuer ist nicht immer besser
Mit Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac gibt es nun auch ein Beispiel für jene Animationstechnik, welche die westliche Filmbranche dominiert: dreidimensionale am Rechner entworfene Figuren. Das ist sowohl aufgrund der aktuellen Trends wie auch der Bemühungen um visuelle Vielfalt irgendwo naheliegend. Die beste Entscheidung war es hingegen eher nicht, nicht in diesem Fall. Der zugrundeliegende Manga von Masami Kurumada, der zwischen 1986 und 1990 erschien, genießt ebenso Kultstatus wie die zeitgleich veröffentliche Zeichentrickserie. Da ist es natürlich riskant, ausgerechnet bei einem solchen Titel die Darstellungsform ändern zu wollen.

Hinzu kommt: Die Serie ist hässlich. Wäre Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac auf dem Niveau von CGI-Produktionen, wie wir sie von den großen Studios kennen, vielleicht wären die Reaktionen weniger verheerend gewesen. Die Adaption sieht aber wie ein Videospiel aus, das schon rund 15 Jahre auf dem Buckel hat. Die Figuren sind ausdruckslos, es gibt zu wenige Details, bei den Hintergründen wurde gespart, ebenso bei den Animationen. Obwohl man immerhin das Traditionsstudio Toei Animation gewinnen konnte, das schon bei den 2D-Varianten des Stoffes mitmischte und mit Space Pirate Captain Harlock über 3D-Erfahrung verfügt: Das hier sieht eher nach No-Name-Billigproduktion aus.

Ist das alles?
Aber auch inhaltlich ist Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac eine Enttäuschung. Dass sechs Folgen nicht gerade üppig sind, das liegt auf der Hand, vor allem wenn die Manga-Vorlage seinerzeit 28 Bände umfasste. Derart zusammengestaucht wie hier bringt die Geschichte letztendlich aber nichts. Fans der Vorlage werden sich an den Änderungen stören, beispielsweise dass eine der Figuren nun ein anderes Geschlecht hat. Der Rest wird sich fragen, was das hier eigentlich soll. Die angehenden Ritter taumeln von einem Kampf zum nächsten, ohne dass jemals eine zusammenhängende Geschichte daraus würde, die Serie ist eher Begleitprodukt als eigenständiges Werk.

Der Reiz von Kurumadas ursprünglicher Vision, ein sehr eigenwilliger Blick auf die griechische Mythologie, der ist in Ansätzen auch in dieser Fassung noch vorhanden. Er wird aber unter so viel unnötigem Ballast begraben, darunter die nicht unbedingt inspirierenden Dialoge, dass das als Grund alleine nicht ausreicht. Zudem endet die erste Staffel von Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac mitten im Nichts, was einerseits eine Fortsetzung voraussetzt, allerdings nicht sonderlich viel Lust darauf macht. Angesichts des großen Angebots von Anime-Serien, die Netflix inzwischen im Programm hat, kann man sich diese hier getrost sparen, ob nun Fan der Vorlage oder nicht.

Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac – Staffel 1
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Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac – Staffel 1
Die optische Umsetzung ist billig und trotz Modernisierungsversuche veraltet, der Inhalt wild zusammengestückelt und ohne Abwechslung: „Saint Seiya: Die Krieger des Zodiac“ ist in jeglicher Hinsicht eine Enttäuschung. Lediglich die griechischen Anleihen der Manga-Adaption verhindern einen noch tieferen Sturz.
4von 10

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